Mit dem Stab
in neue Höhen
Herbert Wessel denkt noch nicht ans Aufhören
„Es war eine Stimmung, die ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe.“ Herbert Wessel vom Zentrum
. für Hochschulsport der Uni Potsdam schwärmt, wenn er an seinen Wettkampf bei der gerade beendeten Senioren-Europameisterschaft im Potsdamer Stadion am Luftschiffhafen zurück denkt. Für die tolle Stimmung hatten unter anderem Studenten und Mitarbeiter aus der heimischen Hochschule gesorgt, die ihn begeistert anfeuerten. Sie waren es auch, die ihn zuvor zur Teilnahme am Wettkampf überredet hatten.
as vorbereitende Training allerdings fiel Dim sehr knapp aus.„Vier bis sechs
Wochen sind einfach zu wenig“, schätzt Wessel im Nachhinein selbst ein. Trotzdem habe er schon gehofft,. die Höhe von 3,60 m zu bezwingen. Was ihm im Training mehrfach gelungen war, klappte jedoch dann beim Fight auf der Sprunganlage nicht. Am Schluss standen für ihn übersprungene 3,50 m zu Buche. Räng vier in der Endabrechnung. Die verpasste Medaille wurmt zwar ein bisschen, aber aufhören will Wessel deshalb mit dem Wettkampfsport nicht. Derzeit schmiedet er schon neue Pläne. Das Potsdamer Aufeinandertreffen mit alten und neuen Sportfreunden habe wieder Lust auf mehr gemacht.„Zum einen, weil man sieht, dass man noch mithalten kann“, ‚so Wessel.„Zum anderen starte ich im nächsten Jahr in der Altersklasse M 6o, in der die Karten neu gemischt werden.“ Die Chancen stehen dann für ihn vermutlich nicht schlecht, ganz oben auf dem Treppchen stehen zu können. Bei allem Enthusiasmus bleibt der studierte Sportlehrer aber auch Realist. Wie es tatsächlich weiter geht, will er vom Gesundheitszustand und vorhandenen Trainingsmöglichkeiten abhängig machen. Die in zwei Jahren in Dänemark stattfindende Senioren-Europameisterschaft fasst er dennoch schon mal fest ins Auge.„Das ist ein lohnendes Ziel“, versichert er.
Seine aktive Laufbahn liegt bereits länger zurück. Fast zehn Jahre gehörte der heutige UniMitarbeiter zur Riege der besten Zehnkämpfer der ehemaligen DDR. Sein sportliches zu Hause war der Armeesportklub Potsdam. Wessel trat beispielsweise 1968 in Mexiko bei der Olympia
30
de an, bestritt die Europameisterschaften 1969 in Athen und 1971 in Helsinki. Und zwar erfolgreich. Die Silbermedaille von Athen, errungen mit 7828 Punkten ist dafür beredtes Zeugnis. Damals vor über 30 Jahren lag seine Bestleistung immerhin bei 8000 Punkten.„Das ist heute schließlich immer noch etwas wert“, bemerkt er fast bescheiden. Wer sich im Metier auskennt, weiß, dass dies in Deutsch
land gegenwärtig nu eine Handvoll Leute schaffen.
Auch nach dem Ende seiner Karriere blieb der heute 59-Jährige dem Sport eng verbunden. Nachdem er zunächst als Stabhochsprung- und MehrkampfTrainer in Brandenburg und Potsdam sein Wissen und seine Erfahrungen an die Jungen weiter gab, betrat er 1982 Neuland. Am Institut fi Sportwissenschaft der Päda gogischen Hochschule Potsdam warteten neue Aufgaben auf ihn. Er bildete nunmehr Sportstudenten im Schwerpunktfach Leichtathletik aus, nicht ohne dabei auch in Sachen Fitness etwas für sich selbst zu tun.„Das eigene Demonstrieren von Bewegungsabläufen hält in Schwung“, versichert Wessel. Über seine‘ Form: muss er sich derzeit kaum Sorgen machen. Die nämlich holt er sich ebenfalls bei den Abendkursen für Kraft und Fitness, die er im Zentrum für Hochschulsport der Potsdamer Uni selbst durchführt. An der Hochschuleinrichtung ist de begeisterte Leichtathlet sei drei Jahren tätig.
Vermischtes
www.uni-potsdam.de/portal/okto2/vermischtes
Der Blick auf die aktuelle Entwicklung im Zehnkampf geht ihm dabei nicht verloren. Er leugnet nicht die Skepsis, die ihn beschleicht, wenn er den Trend sieht.„Die Nachwuchsarbeit liegt bis auf wenige Ausnahmen am Boden“, so sein vernichtendes Urteil. Talente blieben auf dem langen Weg zur Spitze viel zu oft auf der Strecke. Die Decke, auf die man sich stütze, sei zu dünn.
Aber nicht nur hier wird ihm schwer ums Herz. Denn manchmal reicht die knappe Zeit einfach nicht, um allen Hobbys gleichermaßen nachzukommen. So musste das diesjährige ISTAF ohne den Zuschauer Herbert Wessel auskommen. Seine Altherrenfußballmannschaft in Bornim bestritt am gleichen Abend schließlich ein Punktspiel der Berliner Stadtliga, bei dem er nicht fehlen konnte. Es ging übrigens unent
PE
schieden aus.
„Herbert Wessel verpasste bei den SeniorenM Europameisterschaften in Potsdam
. nur knapp die - Bronzemedaille. « i