Heft 
(1.1.2019) 10
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Mit dem Stab

in neue Höhen

Herbert Wessel denkt noch nicht ans Aufhören

Es war eine Stimmung, die ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe. Herbert Wessel vom Zentrum

. für Hochschulsport der Uni Potsdam schwärmt, wenn er an seinen Wettkampf bei der gerade beendeten Senioren-Europameisterschaft im Pots­damer Stadion am Luftschiffhafen zurück denkt. Für die tolle Stimmung hatten unter anderem Studenten und Mitarbeiter aus der heimischen Hochschule gesorgt, die ihn begeistert anfeuerten. Sie waren es auch, die ihn zuvor zur Teilnahme am Wettkampf überredet hatten.

as vorbereitende Training allerdings fiel Dim sehr knapp aus.Vier bis sechs

Wochen sind einfach zu wenig, schätzt Wessel im Nachhinein selbst ein. Trotzdem habe er schon gehofft,. die Höhe von 3,60 m zu bezwingen. Was ihm im Training mehrfach gelungen war, klappte jedoch dann beim Fight auf der Sprunganlage nicht. Am Schluss stan­den für ihn übersprungene 3,50 m zu Buche. Räng vier in der Endabrechnung. Die verpasste Medaille wurmt zwar ein bisschen, aber aufhö­ren will Wessel deshalb mit dem Wettkampf­sport nicht. Derzeit schmiedet er schon neue Plä­ne. Das Potsdamer Aufeinandertreffen mit alten und neuen Sportfreunden habe wieder Lust auf mehr gemacht.Zum einen, weil man sieht, dass man noch mithalten kann, ‚so Wessel.Zum anderen starte ich im nächsten Jahr in der Altersklasse M 6o, in der die Karten neu gemischt werden. Die Chancen stehen dann für ihn vermutlich nicht schlecht, ganz oben auf dem Treppchen stehen zu können. Bei allem Enthusiasmus bleibt der studierte Sportlehrer aber auch Realist. Wie es tatsächlich weiter geht, will er vom Gesundheitszustand und vorhande­nen Trainingsmöglichkeiten abhängig machen. Die in zwei Jahren in Dänemark stattfindende Senioren-Europameisterschaft fasst er dennoch schon mal fest ins Auge.Das ist ein lohnendes Ziel, versichert er.

Seine aktive Laufbahn liegt bereits länger zurück. Fast zehn Jahre gehörte der heutige Uni­Mitarbeiter zur Riege der besten Zehnkämpfer der ehemaligen DDR. Sein sportliches zu Hau­se war der Armeesportklub Potsdam. Wessel trat beispielsweise 1968 in Mexiko bei der Olympia­

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de an, bestritt die Europameisterschaften 1969 in Athen und 1971 in Helsinki. Und zwar erfolg­reich. Die Silbermedaille von Athen, errungen mit 7828 Punkten ist dafür beredtes Zeugnis. Damals vor über 30 Jahren lag seine Bestleistung immerhin bei 8000 Punkten.Das ist heute schließlich immer noch etwas wert, bemerkt er fast bescheiden. Wer sich im Metier auskennt, weiß, dass dies in Deutsch­

land gegenwärtig nu eine Handvoll Leute schaf­fen.

Auch nach dem Ende seiner Karriere blieb der heute 59-Jähri­ge dem Sport eng verbunden. Nachdem er zunächst als Stab­hochsprung- und Mehrkampf­Trainer in Brandenburg und Potsdam sein Wissen und sei­ne Erfahrungen an die Jungen weiter gab, betrat er 1982 Neuland. Am Institut fi Sportwissenschaft der Päda gogischen Hochschule Potsdam warteten neue Aufgaben auf ihn. Er bil­dete nunmehr Sportstu­denten im Schwerpunkt­fach Leichtathletik aus, nicht ohne dabei auch in Sachen Fitness etwas für sich selbst zu tun.Das eigene Demonstrieren von Bewegungsabläu­fen hält in Schwung, versichert Wessel. Über seine Form: muss er sich derzeit kaum Sor­gen machen. Die näm­lich holt er sich eben­falls bei den Abendkur­sen für Kraft und Fit­ness, die er im Zentrum für Hochschulsport der Potsdamer Uni selbst durchführt. An der Hoch­schuleinrichtung ist de begeisterte Leichtathlet sei drei Jahren tätig.

Vermischtes

www.uni-potsdam.de/portal/okto2/vermischtes

Der Blick auf die aktuelle Entwicklung im Zehn­kampf geht ihm dabei nicht verloren. Er leugnet nicht die Skepsis, die ihn beschleicht, wenn er den Trend sieht.Die Nachwuchsarbeit liegt bis auf wenige Ausnahmen am Boden, so sein ver­nichtendes Urteil. Talente blieben auf dem lan­gen Weg zur Spitze viel zu oft auf der Strecke. Die Decke, auf die man sich stütze, sei zu dünn.

Aber nicht nur hier wird ihm schwer ums Herz. Denn manchmal reicht die knappe Zeit einfach nicht, um allen Hobbys gleichermaßen nachzukommen. So musste das diesjährige ISTAF ohne den Zuschauer Herbert Wessel aus­kommen. Seine Altherrenfußballmannschaft in Bornim bestritt am gleichen Abend schließlich ein Punktspiel der Berliner Stadtliga, bei dem er nicht fehlen konnte. Es ging übrigens unent­

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schieden aus.

Herbert Wessel verpasste bei den Senioren­M Europameisterschaften in Potsdam

. nur knapp die - Bronzemedaille. « i