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(1.1.2019) 03
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Schneller als die Konkurrenz

Dr. Hartmut Schachtzabel über seine Erfahrungen bei Ausgründungen

Die Numerische Mathematik hat es ihm angetan. Dr. Hartmut Schachtzabel lehrt und forscht an der Universität Potsdam auf dem Gebiet seit 1991. Inzwischen jedoch hat er als einer der an der Hoch­schule vorhandenen führenden Verfechter universitärer Ausgründungen sein Wissen auch ganz praktisch eingebracht. Gemeinsam mit Gleichge­sinnten gründete der Wissenschaftler unter anderem 1995 die WiSenT GmbH und 2000 die ArDiCon GmbH. Beide Unternehmen widmen sich Fragen digitaler Bildverarbeitung. Mit Dr. Hartmut Schachtzabel sprach Portal-Redakteurin Petra Görlich.

Während der»

eingoldenes EV zu legen, hat die

Konkurrenz bereits

ein Holzei...

Als einer der ersten wagten Sie sich nach der Wende auf das damals im Osten noch fast unbe­stellte Feld der Existenzgründung aus Hoch­schulen heraus. Woher bekamen Sie kompeten­te Unterstützung?

Schachtzabel: Die Unterstützungsofferten für Existenzgründer waren und sind vielfältig und kaum überschaubar. Besonders in der Grün­dungsphase der WiSenT hat uns das PITT, Pots­damer Innovations- und Technologie-Transfer, auf dem Weg durch den Dschungel möglicher Ansprechpartner mit Rat und Tat unterstützt. Auch acht Jahre nach der WiSenT-Gründung nutzen wir noch gern das Know How und die Kontakte. Auf dem beschwerlichen Weg von der innovativen Idee zum Markterfolg hat uns über Jahre hinweg die T.IN.A(jetzt ZukunftsAgentur Brandenburg, ZAB) begleitet. Durch die kom­petente Beratung haben wir Zugriff auf Förder­mittel für die Umsetzung unserer Ideen in Pro­dukte, deren Präsentation auf Messen bekom­men und sind in Netzwerke eingebunden wor­den.

Bei den Ausgründungen haben Sie vermutlich viele Erfahrungen sammeln können. Was

hat sich nach Ihrer Meinung bewährt?

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Akademiker versucht,

Schachtzabel: Zwei Erfahrungen sind mir besonders wichtig. Auf die Dauer kann ein Unternehmen nur überleben, wenn es mehr Geld einnimmt, als es ausgeben muss. Dies hat zur Konsequenz, dass sich die Arbeitsabläufe in einem Unternehmen nachhaltig von denen an einer Hochschule unterscheiden, denn während der Akademiker versucht, einGoldenes ET zu legen, hat die Konkurrenz bereits ein Holzei, ein Blechei, ein Porzellanei,... am Markt platziert. Wenn dann endlich das Goldei gelegt ist, will es keiner mehr haben.

Zum anderen erhöhen sich die Überlebens­chancen des Unternehmens durch die Bildung von Netzwerken nachhaltig. Vielfältige Kontakte und die permanente Arbeit am Markt sind für mich das A und O für den Erfolg.

Sie arbeiten nach wie vor an der Universität Pots­dam. Wie lassen sich die beiden Herzen, die in Ihrer Brust schlagen, vereinbaren? Schachtzabel: Das ist für mich kein Problem. Schließlich haben wir 1995 die WiSenT auch deswegen gegründet, um pfiffige mathemati­sche Ideen nicht in der Schublade vermodern zu lassen, sondern in Produkte umzusetzen. Selbst­redend profitiert das Unternehmen dabei vom universitären Ideenpool. Dass dies durchaus kei­ne Einbahnstraße ist, erkennt man daran, dass über die WiSenT inzwischen mehr als 200.000 an Projektmitteln an die Universität Potsdam flossen. Inzwischen haben mehrere Uni-Absol­venten bei WiSenT einen Job gefunden. In man­cher meiner Vorlesungen kann ich spannende Aufgabenstellungen direkt aus der WiSenT­Manufaktur zumindest für die Motivation ein­setzen.

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht Flaute. Sowohl Akademiker als auch Nichtakademiker haben es schwer, Fuß zufassen. Ist vor diesem Hinter­grund die Gründung eines eigenen Unterneh­mens die Lösung mit Zukunft?

Schachtzabel: Es kann auf die Dauer keine ande­re Lösung geben. Ob in der Ausbildung unserer Akademiker derBeruf des Unternehmers eine Rolle spielt, wage ich zumindest zu bezweifeln. Vielleicht auch wegen der übervollen Hörsäle wird zumeistWissen geschüttet. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist die Entwicklung von Können und Problemlösungskompetenz.

Vielen Dank für das Gespräch. Portal 3-4/03

Hartmut Schachtzabel: Es kann auf die Dauer keine andere Lösung geben.

Fotos: Fritze