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Schneller als die Konkurrenz
Dr. Hartmut Schachtzabel über seine Erfahrungen bei Ausgründungen
Die Numerische Mathematik hat es ihm angetan. Dr. Hartmut Schachtzabel lehrt und forscht an der Universität Potsdam auf dem Gebiet seit 1991. Inzwischen jedoch hat er als einer der an der Hochschule vorhandenen führenden Verfechter universitärer Ausgründungen sein Wissen auch ganz praktisch eingebracht. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete der Wissenschaftler unter anderem 1995 die WiSenT GmbH und 2000 die ArDiCon GmbH. Beide Unternehmen widmen sich Fragen digitaler Bildverarbeitung. Mit Dr. Hartmut Schachtzabel sprach Portal-Redakteurin Petra Görlich.
„Während der»
ein’goldenes EV zu legen, hat die
Konkurrenz bereits
ein Holzei...“
Als einer der ersten wagten Sie sich nach der Wende auf das damals im Osten noch fast unbestellte Feld der Existenzgründung aus Hochschulen heraus. Woher bekamen Sie kompetente Unterstützung?
Schachtzabel: Die Unterstützungsofferten für Existenzgründer waren und sind vielfältig und kaum überschaubar. Besonders in der Gründungsphase der WiSenT hat uns das PITT, Potsdamer Innovations- und Technologie-Transfer, auf dem Weg durch den Dschungel möglicher Ansprechpartner mit Rat und Tat unterstützt. Auch acht Jahre nach der WiSenT-Gründung nutzen wir noch gern das Know How und die Kontakte. Auf dem beschwerlichen Weg von der innovativen Idee zum Markterfolg hat uns über Jahre hinweg die T.IN.A(jetzt ZukunftsAgentur Brandenburg, ZAB) begleitet. Durch die kompetente Beratung haben wir Zugriff auf Fördermittel für die Umsetzung unserer Ideen in Produkte, deren Präsentation auf Messen bekommen und sind in Netzwerke eingebunden worden.
Bei den Ausgründungen haben Sie vermutlich viele Erfahrungen sammeln können. Was
hat sich nach Ihrer Meinung bewährt?
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Akademiker versucht,
Schachtzabel: Zwei Erfahrungen sind mir besonders wichtig. Auf die Dauer kann ein Unternehmen nur überleben, wenn es mehr Geld einnimmt, als es ausgeben muss. Dies hat zur Konsequenz, dass sich die Arbeitsabläufe in einem Unternehmen nachhaltig von denen an einer Hochschule unterscheiden, denn während der Akademiker versucht, ein‘Goldenes ET zu legen, hat die Konkurrenz bereits ein Holzei, ein Blechei, ein Porzellanei,... am Markt platziert. Wenn dann endlich das Goldei gelegt ist, will es keiner mehr haben.
Zum anderen erhöhen sich die Überlebenschancen des Unternehmens durch die Bildung von Netzwerken nachhaltig. Vielfältige Kontakte und die permanente Arbeit am Markt sind für mich das A und O für den Erfolg.
Sie arbeiten nach wie vor an der Universität Potsdam. Wie lassen sich die beiden Herzen, die in Ihrer Brust schlagen, vereinbaren? Schachtzabel: Das ist für mich kein Problem. Schließlich haben wir 1995 die WiSenT auch deswegen gegründet, um pfiffige mathematische Ideen nicht in der Schublade vermodern zu lassen, sondern in Produkte umzusetzen. Selbstredend profitiert das Unternehmen dabei vom universitären Ideenpool. Dass dies durchaus keine Einbahnstraße ist, erkennt man daran, dass über die WiSenT inzwischen mehr als 200.000 € an Projektmitteln an die Universität Potsdam flossen. Inzwischen haben mehrere Uni-Absolventen bei WiSenT einen Job gefunden. In mancher meiner Vorlesungen kann ich spannende Aufgabenstellungen direkt aus der WiSenTManufaktur zumindest für die Motivation einsetzen.
Auf dem Arbeitsmarkt herrscht Flaute. Sowohl Akademiker als auch Nichtakademiker haben es schwer, Fuß zufassen. Ist vor diesem Hintergrund die Gründung eines eigenen Unternehmens die Lösung mit Zukunft?
Schachtzabel: Es kann auf die Dauer keine andere Lösung geben. Ob in der Ausbildung unserer Akademiker der„Beruf des Unternehmers“ eine Rolle spielt, wage ich zumindest zu bezweifeln. Vielleicht auch wegen der übervollen Hörsäle wird zumeist„Wissen geschüttet“. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist die Entwicklung von Können und Problemlösungskompetenz.
Vielen Dank für das Gespräch. Portal 3-4/03
Hartmut Schachtzabel: „Es kann auf die Dauer keine andere Lösung geben.“
Fotos: Fritze