Vermischtes
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Mit dem Notfallkoffer in die Oper
Nahaufnahme: Dr. Alexandra Schröder-Wrusch ist die Betriebsärztin der Universität Potsdam
Oft sitzt sie nach Dienstschluss abends in den großen Kulturtempeln Berlins im Parkett und verabreicht als Theaterärztin notfalls Infusionen, wenn im Publikum jemandem vor Ergriffenheit oder Empörung der Kreislauf versagt. Da meistens nichts passiert, nennt sie das Freizeit oder stressfreier Nachtdienst. So könne sie kostenlos das Berliner Hochkulturleben genießen, zumal in Begleitung. Bei der Vielzahl der Menschen allerdings müsse sie ihren diagnostischen Blick aufs Äußerste schärfen, denn der beginne bereits in dem Moment, wenn jemand durch die Praxistür komme.
Teil die Kardiologin Alexandra Schröder
Wrusch einerseits ihre Stärke, nämlich
Y Y mit dem Patienten zu kommunizieren, in der Klinik immer weniger zur Geltung bringen konnte, wurde sie Betriebsärztin. Sie wurde es aber auch, weil sie oft sah, welche Faktoren es eigentlich waren, die zur Krankheit geführt hatten und weil vor lauter stationärer Akut- und Auftragsmedizin an Ganzheitlichkeit kaum mehr zu denken war. Nicht zuletzt weil die Arbeitsmedizin ein weites Feld sei, ist sie seit Dezember letzten Jahres die Betriebsärztin der Universität Potsdam und zwar als Angestellte der AMB-TÜV Arbeitsmedizinische Dienste GmbH in Babelsberg, der als überbetrieblicher Dienst ein Servicepaket aus Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin anbietet. „Als Arbeitsmedizinerin besteht meine oberste Aufgabe darin, zu verhindern, dass ein Kollege zu Schaden kommt. Wir machen keine Therapie, sondern übernehmen und koordinieren die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen, die der Gesetzgeber für bestimmte Berufsgruppen vorsieht. Denn man hat Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung. Die wenigsten wissen beispielsweise, dass man sich bei einem Bildschirmarbeitsplatz auf diesbezügliche eventuelle Schäden hin untersuchen lassen kann.“ Ihre Entscheidung, die Klinik zu verlassen, hat sie bisher nicht bereut. Immer dienstags ist sie an der Uni unterwegs, schaut sich Einrichtungen und Arbeitsplätze an und gibt Empfehlungen hinsichtlich der Gesundheitsförderung. Wichtig dabei sei es, die empfohlenen Maßnahmen auf lange Sicht nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn Mittelknappheit bestünde.
Im Jahre 1971 wurde Schröder-Wrusch in Dortmund geboren, im Alter von vier Jahren kam
Portal 3-4/03
Arbeitsmedizinerin Schröder-Wrusch:
Patienten nicht unmündig gehen lassen.
Dr. Schröder-Wrusch ist immer dienstags an
der Universität Potsdam unter der Telefonnummer 0331-977-2384 erreichbar. Sprechstunde
hat sie an den anderen im Zentrum für Arbeits-| medizinische Dienste GmbH in Potsdam in der
_ Großbeerenstraße 185. Dort erhält jeder UniMitarbeiter, insofern er die Betriebsärztin außerhalb der arbeitsmedizinischen Vorsor
7 geuntersuchungen sprechen möchte, unter der 1 Telefonnummer 0331/7486625 einen Termin.
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Foto: Fritze
sie nach Berlin. Nach dem Abitur am Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster ging sie als Arzthelferin nach Hannover und arbeitete dort in einer chirurgischen Klinik. Keiner Medizinerfamilie entstammend, wollte sie dennoch schon frühzeitig Ärztin werden. Nach sechsjährigem Studium an der Freien Universität arbeitete sie im Berliner Universitätsklinikum Benjamin Franklin im Bereich der Inneren Medizin als Kardiologin und wie alle dort manchmal bis an den Rand der Erschöpfung. Mit ihrem Mann und ihrem Hund Tristan in Wilmersdorf wohnend, kann sie sich jetzt ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Der Universität fühle sie sich schon sehr zugehörig, da man ihr das Gefühl vermittele, ihre Arbeit werde gebraucht. Sie ist Mitglied des Arbeitskreises für Gesundheit an der Uni Potsdam, und ihr Wunsch ist es, dass sich am Jahresende mit ihrem Namen ein Gesicht verbindet.„Ein guter Arzt ist eine Vertrauensperson, die zuhören können und ein gutes Fachwissen haben muss. Achtzig Prozent der Medizin bestehen daraus, daran zu denken, was es alles sein könnte, nicht nur, alle Krankheitsbilder im Kopf zu haben. Und man braucht eine ordentliche Notfallausbildung, ansonsten bestimmen einen Angst und Unsicherheit.“ Sie ist insoweit Schulmedizinerin, dass sie verstehen möchte, wie und warum etwas wirkt. Das macht sie auch skeptisch gegenüber der Homöopathie, obwohl sie Naturheilverfahren keineswegs ablehnend gegenübersteht. Doch seien deren Mittel oft von kaum nachweisbarer Konzentration. Sie weiß aber auch, dass der Glaube, also der berühmte Placebo-Effekt, Berge versetzen kann.
Die Wagnerverehrerin, die Italiens Küche ebenso wie seine Weine und dessen Renaissancemaler liebt, hält nichts davon, die Leute immer wieder zu mahnen, was sie besser machen könnten oder besser lassen sollten. Als Spezialistin für Innere Medizin stößt sie sich an den ausgestellten bizarren Posen der plastinierten Leichen Gunther von Hagens. Sie widersprächen einer seriösen anatomischen Darstellung, da ganz einfach Erklärungen fehlten. Das gehöre aber unbedingt zur Vorbildfunktion eines Arztes, nämlich den Patienten nicht unmündig gehen zu lassen.„Er muss verstehen, was mit ihm passiert, wenn nicht, dann hab ich meinen Auftrag nicht erfüllt. Er muss auch wissen, warum er welches Mittel bekommt. Das ist dann schon der erste Schritt in Richtung Therapie.“ tp
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