Heft 
(1.1.2019) 05
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Wie viel Schuld trägt der Mensch?

Sonntagsvorlesung über menschliche Einflüsse auf Hochwasser

Weltweit haben Hochwasser zugenommen. Noch mehr stiegen die daraus resultierenden Schäden. Inwieweit beeinflusst der Mensch diese Katastro­phen? Dieser Frage ging Axel Bronstert, Professor am Institut für Geoökologie der Universität Pots­dam, in seinem Vortrag im Rahmen der Reihe Potsdamer Köpfe nach. Wer Pauschalurteile erwartete, wurde dabei enttäuscht. Vielmehr warnte der Wissenschaftler vor allzu schnellen Schlüssen.

Land unter: Koblenz

en Blick für das Problem schärften in D Brandenburg spätestens die Hochwas­

ser im Sommer 1997 an der Oder und im August 2002 an der Elbe. Auch, weil die angerichteten Zerstörungen enormes Ausmaß besaßen. Experten beziffern den volkswirtschaft­lichen Schaden, der durch das Hochwasser 2002 an Elbe und Donau entstand, auf fast zehn Milli­arden Euro.

Welchen Anteil hat der Mensch an dieser Ent­wicklung? Bronstert betrachtete auf seiner Suche nach einer Antwort drei Ebenen, die der Klima­änderung, die der Änderung der Landnutzung sowie die der Flussbaumaßnahmen.Die Unsi­cherheiten bei der Quantifizierung der Auswir­kungen menschlicher Aktivitäten auf die Hoch­

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wassersituationen an den Flüssen sind noch sehr groß, beschrieb er den gegenwärtigen For­schungsstand. Insbesondere gelte dies für die Frage der mit einer Klimaänderung verbunde­nen Niederschlagsänderungen und für die Unterschiede in den Auswirkungen. Besonders wichtig, aber auch besonders. unsicher, sei die Frage einer möglichen Änderung der Wetter­anomalien und der damit verbundenen hydrolo­gischen Extreme.

g Weniger Eishochwasser

Bei aller Vorsicht zeigte sich Bronstert hinsicht­lich der künftigen, vom Menschen beeinflussten Klimabedingungen Brandenburgs sicher.Wir wissen zwar noch nicht, wie sich die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre konkret weiter entwickelt, aber auch bei greifenden Kli­maschutzabkommen ist global wie regional von einer Erwärmung auszugehen, stellte er fest. Für Brandenburg rechne man mit einem Anstieg der Temperaturen von mindestens 1,5 Grad Cel­sius in den nächsten 50 Jahren. Entscheidend für Hochwasserereignisse im Land seien jedoch die Klimaverhältnisse an den Oberläufen von Oder und Elbe. Beobachtet würde in diesem Zusammenhang die Zunahme so genannter Troglagen über Mitteleuropa in den Sommer­monaten, die auch für die Hochwasserereignisse an den großen Flüssen im Märkischen relevant seien.Dabei handelt es sich um eine Tiefdruck­brücke, die Tiefdruckgebiete über dem Mittel­meer und Mitteleuropa verbindet. Feuchtwarme Luft wird aus dem Mittelmeer nach Norden transportiert und trifft in Mitteleuropa auf Kalt­luft, so die Erklärung des Referenten zum Phä­nomen. Eine Wetterlage, die besonders im Som­mer kräftige, durchaus kurzfristige Niederschlä­ge bringt. Paradoxerweise gäbe es aber im Durch­schnitt eine gewisse Verringerung der Sommer­niederschläge in Brandenburg, so dass die Gefahr von Trockenzeiten im Sommer Zzu­nähme.

Bezüglich der Hochwasser im Winter können die Fachleute mit ziemlicher Sicherheit belegen, dass für diese Flussgebiete aufgrund steigender Temperaturen ein Rückgang der Eishochwasser erfolgt.

Uni Aktuell

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Mehr besiedelte Flächen

Verändert hat sich auch das Landnutzungsverhal­ten der Menschen. Die Siedlungsfläche ist in den letzten 60 Jahren in Deutschland auf etwa das Doppelte angestiegen.Urbane Flächen wurden auf Kosten landwirtschaftlich genutzter Flächen erweitert, konstatierte Bronstert. Die Bewirtschaf­tungsart der Böden ist zudem eine andere. Jene Eingriffe auf die Landoberfläche bleiben nicht ohne Folgen für die Abflussbildung in der Land­schaft. Wie groß sie ausfallen, hängt von den regionalen Gegebenheiten ab.Denn das Wasser fließt nur zum Teil von der Oberfläche ab. In eini­gen Gegenden sucht es sich bis zu 90 Prozent unterirdisch seinen Weg, erläuterte der Uni-Pro­fessor. Hier könne auch durch Flussbau wenig geändert werden. Generell gelte: Je feuchter das Gebiet und je größer das Niederschlagsvolumen, desto geringer der Einfluss der Landoberfläche und desto geringer auch die Auswirkungen der­selben.

Polder schützen

Beim Rhein zeigen Aufzeichnungen der letzten 20 Jahre, dass nicht nur die Niederschläge in sei­nem Einzugsgebiet zugenommen haben, sondern die Abflussmengen real gestiegen sind. Doch die Abflusskapazität sank. Möglich machten dies bei­spielsweise Staustufen am Oberrhein, die den Fluss dort von seinen Überschwemmungsflächen abschneiden. Dadurch liegt Simulationen zufolge der Scheitel eines Hochwassers in Karlsruhe heu­te um rund ı5 Prozent höher als vor Beginn des Staustufenbaus im Jahr 1932. Die Nutzung von Wasserrückhalteflächen direkt an großen Flüs­

Foto: Fritze

sen, zum Beispiel die der Havelpolder für den Rückhalt von Elbehoch­wasser, kann zu be­trächtlichen Reduktio­nen der Hochwasser­scheitel führen. Im Falle des waren dies fast 50 Zenti­meter. Dennoch, die Rückhalteflächen bieten Für und Wider. Bronstert beschrieb die beiden Sei­ten so:Solche Flächen zu nutzen, macht nur

Axel Bronstert bekleidet Elbehochwassers die Professur für Geo­

Ökologie.

Sinn, wenn sie große Wassermassen speichern können und durch eine gesteuerte Wasserrückhal­tung eine effektive Reduktion des Wasserstandes erfolgt. In den betroffenen Räumen entstehen allerdings durch die Überschwemmungen zum Teil erhebliche Schäden für die Land- und Fisch­wirtschaft. pg

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