Heft 
(2024) 31
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Otis 31( 2024): 99-109

Lebensgeschichte eines weiblichen Seeadlers Haliaeetus albicilla aus der Niederlausitz Silvio

Herold& Winfried Nachtigall

Ringfundmitteilung der Beringungszentrale Hiddensee Nr. 13/2024

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HEROLD, S.& W. NACHTIGALL( 2024): Lebensgeschichte eines weiblichen Seeadlers Hali­ aeetus albicilla aus der Niederlausitz . Otis 31: 99-109

Mit dem weiblichen Seeadler, Kennring links orange S685, gelang einer der bei dieser Art sel­tenen Fälle der Verfolgung von der Geburt bis zum Tod. Der Vogel wurde nestjung am 30. Mai 2003 als Jungvogel einer Zweierbrut bei Hangelsberg( Grünheide , Landkreis Oder- Spree ) be­ringt und konnte erstmals im 9. Kalenderjahr( 2011) am Brutplatz Jänschwalde- Ost( Landkreis Spree- Neiße ) festgestellt werden. Das Weibchen brütete in seinem Leben mindestens 12mal, zog insgesamt 19 Junge auf und nutzte vier verschiedene Nester zum Brüten. Die Fundumstän­de im 21. Kalenderjahr und nach 7.214 Tagen Lebenszeit am 28.02.2023 deuten auf einen Tod nach Revierkämpfen mit einem neuen Weibchen hin.

HEROLD, S.& W. NACHTIGALL( 2024): Life history of a female White- tailed Eagle Haliaeetus albicilla from Lower Lusatia. Otis 31: 99-109

The female White- tailed Eagle, with an identification ring left orange S685, is one of the rare cases of this species being tracked from birth to death. The bird was ringed as a nestling on 30 May 2003 as a young bird of a brood of two near Hangelsberg( Grünheide , Oder- Spree district) and was first recorded in the 9th calendar year( 2011) at the Jänschwalde- Ost breeding site ( Spree- Neiße district). The female bred at least 12 times in her lifetime, reared a total of 19 young and used four different nests for breeding. The circumstances of the discovery in the 21st calendar year and after 7,214 days of life on 28 February 2023 indicate a death after territorial fights with a new female.

Silvio Herold, Steinkirchener Dorfstr. 25b, 15907 Lübben , silvio_herold@t-online.de Dr. Winfried Nachtigall, Hauptstr. 69, 01920 Steina , winfried.nachtigall@me.com

Einleitung

Die wissenschaftliche Vogelberingung verfolgt mit der individuellen Markierung u. a. das Ziel, mit nachfolgenden Funden Informationen zum Verbleib und zum Lebensweg der betroffenen Individuen zu ermitteln. Das gelingt bei den ein­zelnen Arten sehr unterschiedlich und die Fund­anteile schwanken von z. B. 0,8%( Feldlerche) bis 354,9%( Graugans) bezogen auf die jeweiligen Beringungszahlen( KÖPPEN et al. 2016). Mit dem Einsatz aus der Ferne erkennbarer Zusatzmar­kierungen hat sich die Zahl von Ablesungen und Funden erheblich vergrößert und unser Wissen zum Aufenthalt der betroffenen Individuen in verschiedenen Lebens- und Altersphasen deut­lich bereichert.

So gehört auch der Seeadler zu den Arten, deren Fundanzahlen mit der immer intensiveren Verwendung von zusätzlichen und verbesserten

Kennringen deutlich zugenommen haben. Bis Ende 2015 lagen von den bis dahin 3.293 beringten Seeadlern im Arbeitsbereich der Beringungszent­rale( BZ ) Hiddensee ( BZ 2024) insgesamt 1.937 Funde vor, ein Anteil von bemerkenswerten 58,8% ( KÖPPEN et al. 2016).

Gleichzeitig sind individuelle Lebenswege und die Kenntnis von Ansiedlung, Bruthistorie und Reproduktion bis zum Tod auch aufgrund der Lebensweise schwierig zu erlangen. Mit diesem Beitrag berichten wir von einem solch seltenen Fall eines weiblichen Seeadlers, der von der Berin­gung als nestjunger Vogel über die Beobachtung als Brutvogel bis zu seinem Tode verfolgt werden konnte. Dies gelang mit der klassischen Methode der Markierung mittels Ringen. Der Vogel trug die Ringkombination, goldfarben AA6181( rechts, Ring der BZ Hiddensee) und, orange S685'( links, zusätzlicher Kennring).