Heft 
(2024) 31
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konkreter individueller Kombination. Der Ringtyp aus dem Jahr 2002 mit der Abfolge der Buchsta­ben- Zahlenkombination als dreifach hintereinan­der wiederholte Prägung, lässt im Generellen bei zahlreichen Ableseversuchen immer wieder Un­klarheiten aufkommen, da oftmals nicht jede Zahl eindeutig und zweifelsfrei zu erkennen ist.

Die Beschreibung und Dokumentation langer Zeitreihen aus einzelnen Revieren liegen nur selten vor: So beschreiben HAUFF et al.( 2017) eine Abfol­ge von 21 Jahren von der Halbinsel Wustrow mit Darstellungen von Reproduktion und Partnern. Intensive Beobachtungen aus Seeadlerrevieren in Bayern und Brandenburg stammen von MÜLLER ( 2010, 2012), STRAMKA& KÖPKE( 2012), MÜLLER & STRAMKA( 2013), STRAMKA( 2015, 2018), deren Feststellungen und Beschreibungen auch zur Kor­rektur und Anpassung langjähriger Annahmen führten. Hierzu gehören z. B. die Bebrütungsdau­er von 37 bis 38 Tagen pro Ei( ein ganzes Gelege mit drei Eiern kann daher mit einer Gesamtdau­er von bis zu 46 Tagen bebrütet werden) und die mittlerweile allgemein anerkannte vollständige Abwechslung zwischen Männchen und Weibchen bei Bebrütung, Fütterung und Beutebeschaffung.

Alle weiteren Fakten der hier beschriebenen Dokumentation mit Jugendwanderung und An­siedlung, Reproduktion und Nesternutzung sowie Lebenserwartung und altersabhängiger Reproduk­tion entsprechen den bekannten Daten bzw. ergän­zen die wenigen bisherig konkreten Angaben.

Im Zusammenhang mit Lebenserwartung und altersabhängiger Reproduktion beschrieb STRUWE- JUHL( 2002) für Schleswig- Holstein ver­schiedene Phasen der Bestandes- und Reproduk­tionsentwicklung. So betrug um 1970, in einer Phase niedriger Reproduktionskennwerte, das mittlere Durchschnittsalter der beteiligten Brut­vögel 17,5 ± 5,7 Jahre und vier von 11 Vögeln ( 36,4%) waren älter als 20 Jahre. Die Altersstruk­tur war unausgeglichen und der Bestand offenbar überaltert. Zudem war dies die Hochphase von DDT - Belastungen und menschlichen Störungen. Knapp 30 Jahre später( 1999) nach Bestandszu­nahme, deutlicher Verjüngung des Brutbestandes und Erhöhung der Reproduktionskennwerte lag das mittlere Durchschnittsalter der beteiligten Brutvögel dann bei 11,1 ± 4,4 Jahren und nur zwei von 35 Vögeln( 5,7%) waren älter als 20 Jahre.

Otis 31( 2024)

Gleichzeitig zeigte der Autor, dass ältere Weib­chen einen höheren mittleren Bruterfolg aufwie­sen als jüngere. Im analysierten Datenbestand aus Schleswig- Holstein erreichten Weibchen ab einem Lebensalter um das zehnte Lebensjahr die­se optimale Zeit. Hohe Alter erreichten Weibchen zweimal bis zum 29. und einmal bis zum 31. Jahr ( STRUWE- JUHL 2002). Ein besonders hohes Alter für einen freilebenden Seeadler erreichte ein Vo­gel mit 34 Jahren, der mit seinem Jahreskennring ,, schwarz über rot für die Zeit von 1982 bis 2016 am Brutplatz in Schleswig- Holstein nachgewie­sen wurde. Weitere hohe Alter sind anhand von Mauserfunden zusätzlich bekannt( STRUWE- JUHL 2016). Aber auch im Arbeitsgebiet der BZ Hid­densee lassen sich einzelne, ausgewählt alte Adler nachweisen: So war es offensichtlich purer Zufall, dass bei Nachfragen und Sichtungen von Fotos für einen Vortrag eindeutige Fotos mit erkennbaren Ringen eines Seeadlers im 31. Kalenderjahr in Vorpommern ermittelt werden konnten( RICHTER 2024). Zu aller Besonderheit waren die Fotos der erste Nachweis des Adlers nach nestjunger Berin­gung und mehr als 10.000 Tagen! Er siedelte sich in 9 km Entfernung vom Geburtsnest an.

Danksagung

Herr Dr. Oliver Krone stellte Bilder der Beringung zur Verfügung. Herrn Matthias Stoefer danken wir für die umgehende Information über den toten Adler im Bärenbrücker Unterteich und dem Lan­desamt für Umwelt Brandenburg , Herrn Bodo Se­gebrecht, für die Bereitstellung von Daten. Für die jederzeit mögliche Betretung des Betriebsgeländes und der freundlichen Zusammenarbeit gilt der Lausitz Energie Kraftwerke und Bergbau AG, Frau Doreen Nagel, unser herzlicher Dank.

Literatur

BENECKE, H.-G.( 1983): Farbberingung bei Seeadlern. Falke 30: 313-314.

BZ( Beringungszentrale) Hiddensee( 2024): www. beringungszentrale-hiddensee.de/wp-content/up­loads/ 2020/ 10/ Gesamtstatistik- 1964-2019.pdf. Abruf

am 29.06.2024.

ECK, S., J. FIEBIg, W. Fiedler , I. HEYNEN, B. NICOLAI, T. TÖPFER, R. VAN DER ELZEN, R. WINKLER , F. WoOG ( 2011): Measuring birds. Vögel vermessen. Deutsche Ornithologen- Gesellschaft ( Hrsg.): 118 S.