Heft 
(2024) 31
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Schriftenschau

HOFFMANN, J.( Hrsg. , 2023): Biodiversität im Zeit­vergleich. Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021: Auswirkungen auf die Biodiversi­tät. Berichte aus dem Julius- Kühn- Institut 224, 941 S. Kostenlos herunterzuladen unter https: //www.ope­ nagrar.de/receive/openagrar_mods_00088315 .

Auf über 900 Seiten werden die Ergebnisse eines Pro­jektes vorgestellt, das Landschaftsentwicklung, Land­nutzung und biologische Vielfalt auf ackerbaulich dominierten Probeflächen im Kreis Märkisch- Oder­ land im Abstand von knapp 30 Jahren analysiert.

Die Brutvogelvorkommen wurden mit der Re­vierkartierungsmethode auf sechs Probeflächen von jeweils 100 ha erfasst. Verglichen mit dem DDA- Monitoring häufiger Brutvogelarten ist das eine eher kleine Stichprobe, und die Ergebnisse bewegen sich im Rahmen des Bekannten und zu Erwartenden: Sowohl Artenzahl als auch Häufig­keit haben in den knapp 30 Jahren abgenommen, besonders stark bei Offenlandarten, Langstrecken­ziehern und Insektenfressern. Vor allem die Feld­lerche weist einen starken Rückgang auf.

Das Besondere an dieser Untersuchung ist aber, dass die Vogel- Bestandsdaten kombiniert werden mit detaillierten Erhebungen der Gebiets- und Nutzungsänderungen einerseits und dem Vorkom­men von Blütenpflanzen, Ackerwildkräutern und Tagfaltern andererseits. Dies erlaubt bemerkens­werte zusätzliche Einblicke und Differenzierungen. Die Vielfalt an Gehölzstrukturen hat sich auf den Flächen wenig verändert, aber die Diversität der Anbaukulturen hat abgenommen und der Anteil humuszehrender Kulturen zugenommen. Einerseits gab es eine Zunahme von Flächen, die ohne Pesti­zide bewirtschaftet werden( z. B. Ökolandbau), an­dererseits insgesamt eine Verdoppelung der Zahl der Pestizidanwendungen. Entsprechend differenziert sind auch die Veränderungen der Artenvielfalt zu betrachten. Die besondere Bedeutung von Kleinst­strukturen wie Flurgehölzen, Säumen, Feldwegen und Kleingewässern macht sich bei allen untersuch­ten Artengruppen bemerkbar. Hier gibt es weiterhin eine hohe und sogar zunehmende Pflanzenartenviel­falt. Ökolandbauflächen schneiden durchweg besser

Jörg Hoffmann( Hrsg.)

Julius Koht( C)-Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen Institut für Strategien und folgenabschi

Biodiversität im Zeitvergleich.

Strukturelemente und Nutzungen räumlich identischer Ackerbaugebiete 1991-1993 und 2018-2021: Auswirkungen auf die Biodiversität

Otis 31( 2024)

Berichte aus dem Julius Kühn- Institut

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ab als konventionell bewirtschaftete Äcker. Teilweise noch besser sind kleinbäuerliche Strukturen, die al­lerdings nur mit sehr geringem Flächenanteil vorka­men. Bei den Vögeln zeigte das Untersuchungsgebiet mit überwiegendem Ökolandbau gegen den Trend Zunahmen von Artenzahl und Häufigkeit. Das Vorhandensein von Kleinststrukturen war maßgeb­lich für die Artenvielfalt, jedoch schützte eine hohe Strukturvielfalt nicht vor massiven Bestandsrück­gängen, wenn die umliegenden Ackerflächen kon­ventionell bewirtschaftet wurden.

Die Untersuchung bietet Material für die Ur­sachenanalyse von Bestandsrückgängen der Vögel der Agrarlandschaft und es werden auch Schutz­vorschläge abgeleitet, etwa in Bezug auf Anteile von Strukturelementen und Pestizideinsatz.

Trotz des großen Umfangs findet man sich in der gut geschriebenen und gut gestalteten Publikation leicht zurecht und findet schnell die interessantes­ten Ergebnisse. Dazu trägt auch eine übersichtliche Zusammenfassung zu Beginn des Werkes bei.

Wolfgang Mädlow