Heft 
(2024) 31
Seite
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im Unteren Odertal beringten Wachtelkönigs im Herbst des gleichen Jahres auf Zypern sehr bemer­kenswert( HEINICKE& KÖPPEN 2013, BAIRLEIN et al. 2014).

Nun bestätigt ein weiterer Wiederfund die nach Südost gerichtete Abzugsrichtung der im Unteren Odertal beheimateten Wachtelkönige. Ein am 12.05.2022 von Joachim Sadlik gekennzeich­netes vorjähriges Männchen fiel am 04.09.2023 in 2.734 km Entfernung im südlichen Libanon, nahe der Grenze zu Israel , der Jagd zum Opfer( HERR­MANN et al. 2024). Der Fundort liegt in direkter Verlängerung des 1997 erfolgten Wiederfundes auf Zypern . Beide Funde deuten darauf hin, dass die Wachtelkönige aus dem Unteren Odertal über das östliche Mittelmeer in die Winterquartiere nach Ost- und Zentralafrika ziehen.

Rotschenkel Tringa totanus Hiddensee LA 000753

Von den in sehr geringer Zahl in Brandenburg brü­tenden Rotschenkeln fehlten bisher Informationen zum Ansiedlungsverhalten sowie zur Brutorts­und Geburtsortstreue vollständig. Vergleichsweise konnte bei Populationsstudien auf Wangerooge ( Ostfriesische Inseln ) eine hohe Brutortstreue, je­doch nur eine sehr geringe Rückkehrrate der Jung­vögel nachgewiesen werden( GROẞKOPF 1963). Auch von den an der Ostseeküste beringten über 1.000 Nichtflüggen wurde nur in fünf Fällen Ge­burtsortstreue festgestellt( HEINICKE et al. 2016). Daraus muss man schlussfolgern, dass sich die Jungvögel überwiegend entfernt vom Geburtsort ansiedeln.

Am 09.07.2007 beringte Joachim Sadlik einen Rotschenkel im Unteren Odertal bei Schwedt ( Lkr. Uckermark). Da die Beringung in der Dunkelheit erfolgte, war die Zuordnung, ob es sich um einen Altvogel oder bereits flüggen Jungvogel handelte, leider nicht eindeutig möglich. Bemerkenswerter­weise konnte dieser Rotschenkel sieben Jahre spä­ter am 30.05.2014 als sicherer Brutvogel, der drei Jungvögel führte, bei Esterwegen ( Lkr. Emsland) von Axel Degen abgelesen werden. Die Entfernung vom Beringungsort beträgt 452 km in westlicher Richtung. Es handelt sich um einen besonders weit entfernten Nachweis einer An- oder Umsiedlung.

Uferschwalbe Riparia riparia

Hiddensee ZK 24712

Otis 31( 2024)

Wiederfunde, die auf die Brutgebiete der durch unsere Region wie auch insgesamt durch Deutsch­ land ziehenden Uferschwalben hindeuten, liegen nur in sehr kleiner Zahl vor. Einzelne Kontroll­fänge erfolgten von Vögeln, die im Südwesten von Skandinavien ( Norwegen , Schweden , Dänemark ) beringt wurden( BAIRLEIN et al. 2014). Besonders weit im Nordosten befand sich das Herkunftsge­biet der oben genannten Uferschwalbe, die Ingo Wandrey auf ihrem Herbstzug am 14.09.2022 als Jungvogel bei Witzke( Lkr. Havelland) beringen konnte. Sie wurde im folgenden Jahr als sicherer Brutvogel am 19.07.2023 bei Nivankylä im finni­ schen Lappland , 1.707km nordnordöstlich vom Beringungsort, wiedergefangen. Der Fund ist bereits dadurch bemerkenswert, da er in einer Region erfolgte, wo die Uferschwalbe nur in sehr geringer Dichte vorkommt. Im deutschen Ring­fundatlas ist für die Uferschwalbe kein Wieder­fund- bzw. Beringungsort in Finnland dargestellt. Nur ein Artvertreter wurde noch etwas nördlicher im Nordosten von Norwegen wiedergefangen ( BAIRLEIN et al. 2014).

Haussperling Passer domesticus Hiddensee OB 25355

Der Haussperling gilt als ausgesprochener Stand­vogel mit extremer Brutortstreue der Altvögel. Ortsbewegungen betreffen vor allem Jungvögel im Rahmen ungerichteter Dismigrationen, die aber kaum über 10 km hinausführen. Allerdings deuten Zugbeobachtungen an der Nord- und Ostsee sowie Überquerungen von offenem Meer oder von Al­penpässen darauf hin, dass auch Haussperlinge ge­legentlich gerichtete Wanderungen unternehmen können, wenngleich in bescheidenem Umfang ( ZINK& BAIRLEIN 1995, GLUTZ VON BLOTZHEIM 1997, BAUER et al. 2005).

Im Arbeitsgebiet der Beringungszentrale Hid­densee war der Haussperling über Jahrzehnte eine vernachlässigte Vogelart. Er stand auf der sog. Liste der für die Beringung gesperrten Arten" in der Kategorie Voll gesperrte Arten( BZH 1980), die formal sogar bis 2021 gültig war. Markierun­