Otis 31( 2024): 175-177
Zeitschriftenrezensionen 2024
ALEX, U.( 2022): Zum Status der Saatgänse im Westhavelland und Brandenburg- Stand der Forschung 2017. Ornithol. Mitt. 74: 299-310. Die posthum veröffentlichte Arbeit behandelt die Taxonomie von Kurzschnabel- und Saatgans unter besonderer Berücksichtigung der Unterarten und ihr Vorkommen im Havelland. Der Autor geht davon aus, dass es sich bei den im Havelland vorkommenden Saatgänsen überwiegend um Mischlinge zwischen Wald- und Tundrasaatgänsen handelt. Er beruft sich dabei auf russische Literatur und steht damit im Widerspruch zur heute üblichen Auffassung, dass Wald- und Tundrasaatgans zwei getrennte Arten sind und Unterschiede in Schnabelform und-farbe der in Westbrandenburg überwinternden Gänse in den Bereich der individuellen Variation bei der Tundrasaatgans fallen. Begründungen für die abweichende Auffas
sung anhand von beobachteten Merkmalen fehlen in der Arbeit. Außerdem wird kurz auf den( vermeintlichen) Status weiter östlich vorkommender Saatgansformen in Brandenburg eingegangen.
BELLEBAUM, J.( 2024): Unterschiedliche Nahrungsversorgung junger Trauerseeschwalben Chlidonia niger in naturnahen Lebensräumen. Vogelwelt 141: 217-226.
Die an Jungvögel verfütterte Nahrung wurde in mehreren Jahren in den Poldern des Unteres Odertals sowie 2007 am Parsteinsee durch Beobachtung ermittelt. Während im Unteren Oder tal über die Hälfte der verfütterten Biomasse aus kleinen Fischen bestand, nahmen am Parsteinsee Großlibellen diese Rolle ein. Die verfütterte Nahrungsmenge war am Parsteinsee größer als in den meisten Jahren im Unteren Odertal . Der Bruterfolg hing tendenziell, aber nicht signifikant positiv mit der Nahrungsversorgung zusammen und war am Parsteinsee am höchsten. Der höhere Grünlandanteil im Umfeld der Kolonien ist im Unteren Odertal für die Nahrungsbeschaffung von Trauerseeschwalben offenbar weniger günstig als das gewässerdominierte Umfeld am Parsteinsee.
BELLEBAUM, J.& D. KRUMMHOLZ( 2024): Bestand und Bruterfolg der Trauerseeschwalbe Chlidonias niger im Unteren Odertal . Vogelwelt 141: 227-237.
Auf den Altarmen im Nationalpark Unteres Odertal brüten seit vielen Jahren Trauerseeschwalben, immerhin mehr als 10% des deutschen Brutbestandes. Seit 1986 wurden Nisthilfen eingesetzt, auf denen seitdem ein größerer Teil des Bestandes brütet. In einigen Jahren ohne Nisthilfen ging auch der Gesamtbestand deutlich zurück und schwankte ansonsten stark. Nisthilfen wurden früher besiedelt und dort wurde früher mit der Brut begonnen als auf natürlichen Nestunterlagen( Rhizome, Krebsscheren), die zu Beginn der Brutsaison noch nicht zur Verfügung stehen. In Jahren ohne Nisthilfenangebot war der Bestand stärker vom Wasserstand abhängig als wenn Nisthilfen verfügbar waren. Der Schlupferfolg war auf Nisthilfen deutlich höher als auf natürlichen Unterlagen( außer überschwemmtem Grünland), nicht aber die Zahl der flüggen Jungen je geschlüpfter Brut. Insgesamt flogen auf Nisthilfen fast doppelt so viele Jungvögel pro begonnener Brut aus wie auf Rhizomen.
BLÜML, V., N. PRIOR& J. WAHL( 2023): Rastbestand und Verbreitung von Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria , Kiebitz Vanellus vanellus und Großem Brachvogel Numenius arquata in Deutschland im Oktober 2020. Vogelwelt 141: 127-144.
Die deutschen Ergebnisse der internationalen Rastbestands- Erfassung Mitte Oktober 2020 werden präsentiert. Der Bestand des Goldregenpfeifers wurde auf 190.000 geschätzt, davon 1.500 in Brandenburg . Ein deutschlandweiter Rückgang ist gegenüber früheren Zählungen( 2003 und 2008) nicht sicher nachweisbar, in Brandenburg jedoch ist der Rastbestand um rund 90% zurückgegangen. Die Zählung der Kiebitze ergab 180.000 Vögel, davon 29.000 in Brandenburg . Hier ist auch bundesweit ein sehr starker Rückgang zu verzeichnen, 2008 waren es noch mehr als doppelt so viele.