Heft 
(2024) 31
Seite
179
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Otis 31( 2024): 179-181

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Jörg Schwabe( 28.03.1938-03.08.2024)

Viele unserer ehrenamtlichen MitstreiterInnen sind noch in hohem Alter aktiv, haben Spaß in der Natur und engagieren sich im Vogelschutz. Aber das Alter schlägt auch Lücken, und nicht immer stehen Jüngere bereit, sie zu schließen. Am 03. August 2024 ist Jörg Schwabe von uns gegangen, der sich über Jahrzehnte für den Naturschutz im Landkreis Oberhavel engagierte.

Jörg wurde in Königstädt( Kreis Gransee), dem heutigen Wolfsruh, geboren. Hier hat er sein gan­zes Leben gewohnt. Nach der Schulzeit erlernte er zuerst den Beruf eines Meliorationsfacharbeiters und war hier für den Landwirtschaftsbetrieb im Nachbarort Groß Woltersdorf tätig. Einige Jah­re später orientierte Jörg sich beruflich neu und erlernte den Beruf eines Traktoren- und Maschi­nenschlossers. Diesen übte er ebenfalls in seinem bisherigen Betrieb aus.

1986 erlernte er das Korbmacher- Hand­werk und machte sich damit selbstständig. Hierzu legte er eine eigene Kopfweiden- Planta­ge zur Materialgewinnung an. Nach der Wende bereiste er mit seiner Frau die Wochenmärkte und bot dort seine Waren an. Die große Kon­kurrenz osteuropäischer Billigware veranlasste ihn 1992, sein Geschäft aufzugeben.

Nach dem Studium kehrte ich, Bodo Giering, 1986 in den damaligen Kreis Gransee zurück und übernahm hier die Erfassung der Brutbestände von Weiẞstorch und Kranich . Die Verbindung zu Jörg gab es, weil dessen Frau Gisela und meine Mutter seit Jahrzehnten befreundet waren. So kam Jörg zum Vogelschutz und unterstützte Erfassung und Schutz von Kranichen und Weißstörchen mit vollem Eifer. Davon ausgehend beschäftigte er sich zunehmend mit der gesamten Vogelwelt in seiner Region.

Schon in der Zeit als Meliorationsfacharbeiter bemühte sich Jörg, dass Wasser in der Landschaft zurückgehalten wird und Kiebitzbruten bei der Mahd berücksichtigt werden. Nach dem Übergang in den Ruhestand( 2003) war sein Einfluss nur noch begrenzt. Das Ausbluten der Landschaft und die intensive Nutzung machten ihn oft traurig.

Besonders hatten es ihm die Greifvögel angetan. In seiner Region kannte er fast jeden Horst- au­Ber den des Schreiadlers. Ob er ihn übersehen hatte oder ob es tatsächlich eine Neuansiedlung in seinem Kontrollgebiet war, ließ sich schon damals nicht nachvollziehen, auch wenn es für die Chro­nologie der Art in Brandenburg interessant wäre. In geradezu rührender Erinnerung ist mir, Torsten Langgemach, jedoch, wie er im Angesicht des Jung­vogels auf dem entdeckten Horst sagte: Eigentlich können wir doch Du sagen. Fortan war er auch of­fiziell bestellter Horstbetreuer im Auftrag des Lan­desumweltamtes. Als gelernter Korbmacher fertigte er für die Naturschutzstation Woblitz eine Vielzahl von Nisthilfen. Die Station war für ihn über viele Jahre ein wichtiger Anlaufpunkt. Zu Fachtagungen, Arbeitseinsätzen oder manchmal auch einfach nur so kam er stets mit dem Fahrrad; manchmal konn­ten viel Jüngere sich das gar nicht vorstellen- 2 x 30 Kilometer mit dem Rad. Auch für uns war bei gemeinsamen Exkursionen das Fahrrad alternativ­los. Ausgangs- und Endpunkt war stets sein Wohn­sitz, wo man jedes Mal größte Gastfreundschaft von Jörg und seiner Frau genoss und mindestens eine gemeinsame Mahlzeit einplanen musste. Ihr viel zu frühes Ableben war für Jörg ein schwerer Schick­salsschlag, aber die Gastfreundschaft blieb. Nach dem Abschied hatte man immer die Taschen voller Äpfel oder Tomaten.