Heft 
(2019) 107
Seite
145
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Fontane-Bibliographik im digitalen Zeitalter  Trilcke 145 Überhaupt folgen die Resonanzrhythmen der Fontane-Rezeption, und das im Grunde bis heute bzw. bis zum letzten erfassten Jubiläum 1998, zumeist dem Takt der Jahrestage. Eröffnet wird dieser Rhythmus, der die Sekun­därliteratur-Kurve in Abb. 4 sichtlich prägt, allerdings von einem anderen rezeptionsgeschichtlichen Moment. Das Jahr 1910 bringt viel beachtete Briefausgaben: die von Otto Pniower und Paul Schlenther herausgegebe­nen Briefe Theodor Fontanes. Zweite Sammlung, die Thomas Mann wirk­mächtig besprechen wird, 15 die Briefe Bernhard von Lepels an Theodor Fontane(unter dem Titel Vierzig Jahre) und den Briefwechsel mit Wilhelm Wolfsohn. Resonanzstark ist 1910 zudem die Enthüllung des Fontane­Denkmals im Berliner Tiergarten, zu der allein 27 Presseartikel erschei­nen. Nach 1910 aber sind Spitzen in der Fontane-Rezeption gleichbedeu­tend mit Jahrestagen: zunächst der 100. Geburtstag(1919), dann der 30., der 40. und der 50. Todestag(1928, 1938, 1948), wobei das Jahr 1929, in dem aufgrund des Ablaufs der Dreißigjahresfrist nach dem Tod des Autors die Rechte Fontanes frei wurden, zugleich einen bis heute unerreichten postumen Höhepunkt der Publikation von Primärtexten mit sich brachte, bedingt u.a. durch das Erscheinen zahlreicher Werkausgaben. Was die Kurve der Sekundärliteratur deutlich macht: Bis in die 1950er­Jahre hinein nimmt die quantitative Resonanz, die Fontane erzeugt, suk­zessive ab, die Ausschläge auch der Jahrestagsspitzen werden geringer. Das, was man den ›Take-off‹ der Fontane-Rezeption nennen könnte, beginnt erst Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre, in denen die Fontane-­Rezeption ein quantitativ neues Niveau erreicht, das auch nach den Spitzen in den Jubiläumsjahren 1969 und 1979 nicht mehr unterschritten wird. Das Jahr des 100. Todestags 1998 bringt, sich andeutend ab Mitte der 1990er­Jahre, vielmehr noch eine weitere Steigerung, die wiederum zumindest die 2000er-Jahre auf ein neues Niveau hebt bis es zuletzt wieder etwas ruhiger wurde. Welches Bild die Daten für 2019 zeichnen werden, ist abzu­warten. Erklärungen für die damit nur selektiv kommentierten Auffälligkeiten der quantitativen Resonanzgeschichte Fontanes anzuführen, ist hier nicht der Ort; dass dafür ein Vergleich mit dem allgemeinen Anwachsen der wis­senschaftlichen Publikationen wie auch der Pressepublikationen notwen­dig wäre, sei gleichwohl angemerkt. Auch wenn es zahlreiche qualitative Abb. 4: Anzahl der Publikationen von Fontane(Primärliteratur) und zu Fontane (Sekundärliteratur), 1839 bis 2017, pro Jahr