Fontane-Bibliographik im digitalen Zeitalter Trilcke 147 Argumente etwa für den Take-off der Fontane-Rezeption ›um 1960‹ gibt – ein Beispiel wären die Werkausgaben in Ost- wie Westdeutschland –, 16 ist keineswegs auszuschließen, dass die Effekte, auf die die Tendenzen in den Kurven zurückzuführen sind, übergreifende Effekte der(wissenschaftlichen) Publikationspraxis sind. Hier eröffnet sich mithin ein großes Untersuchungsfeld für eine, nunmehr auch quantitativ gestützte Geschichte der Fontane-Rezeption. Quantitative Rezeption der Werkgruppen Daten 3: Sekundärliteratur zu einzelnen Werkgruppen(Kat. 27–39) Die Fontane-Bibliographie gruppiert die Sekundärliteratur in den Kategorien 27 bis 39 nach Werkgruppen, darunter literarische Gattungen wie das ›erzählerische Werk‹(Kat. 32 und 33) oder die ›Lyrik‹(Kat. 27), zudem faktuale Textsorten, natürlich die Wanderungen(Kat. 30), aber etwa auch allgemein die ›Publizistik‹(Kat. 29), die ›Briefe‹(Kat. 38) oder Fontanes Arbeiten als ›Herausgeber, Bearbeiter und Übersetzer‹(Kat. 37). In der Regel wird dabei innerhalb der Kategorien noch weiter zwischen(zumeist journalistischen) ›Rezensionen‹ und(zumeist wissenschaftlichen) ›Untersuchungen und Darstellungen‹ unterschieden. Diese Untergliederung nach Werkgruppen macht es möglich, die quantitative Betrachtung der Resonanzgeschichte Fontanes weiter auszudifferenzieren. Für die elf Werkgruppen(das ja lediglich fragmentarische ›dramatische Werk‹, Kat. 36, mit nur zwei Einträgen wird außen vorgelassen) ergibt sich ein Bild, dass die erhebliche Dominanz des Erzählwerks veranschaulicht, auf das mehr als die Hälfte aller Sekundärpublikationen entfallen(Abb. 5). 17 Betrachtet man die zeitliche Verteilung der Sekundärpublikationen genau, dann zeigt sich allerdings, dass sich diese Dominanz des Erzählwerks erst im Verlauf der Rezeptionsgeschichte ergeben hat. Abb. 6 stellt diese zeitliche Verteilung für die fünf resonanzstärksten Werkgruppen dar. Um die Tendenzen deutlicher hervortreten zu lassen, wurden die Kurven jeweils mittels eines sog. linear weighted moving average(WMA) geglättet; für die Interpretation der Daten bedeutet dies, dass die Anzahl der Publikationen, die sich dem Diagramm entnehmen lässt, nicht den faktischen Wert in einem bestimmten Jahr angibt, sondern jeweils einen Wert markiert, der auch die vorhergehenden Werte berücksichtigt, um auf diese Weise eben die Tendenz besser erkennen zu können. 18 Abb. 5: Anzahl der Sekundärliteratur-Publikationen(›Rezensionen‹ und ›Untersuchungen und Darstellungen‹) zu den unterschiedlichen Werkgruppen Fontanes, 1850 bis 2018
Heft
(2019) 107
Seite
147
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