Heft 
(2019) 107
Seite
149
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Fontane-Bibliographik im digitalen Zeitalter  Trilcke 149 Bemerkenswert an den Verlaufskurven der fünf resonanzstärksten Werk­gruppen ist dabei, dass postume Resonanzspitzen zunächst durch Publika­tionen zu Fontanes Publizistik(Mitte der 1900er-Jahre, in Zusammenhang mit der stark rezipierten, ersten Ausgabe der Theaterkritiken, den Cause­rien über Theater, herausgegeben von Paul Schlenther) und zu seinen Brie­fen(um 1910, in Zusammenhang mit den oben bereits erwähnten Briefaus­gaben) erzeugt werden. Tatsächlich sucht die Resonanzspitze, die sich um 1910 in Hinblick auf das Briefwerk zeigt, auch bis in die späten 1970er­Jahre hinein ihres Gleichen, erst dann übertreffen Publikationen zum Er­zählwerk diesen frühen Höhepunkt der werkgruppendifferenzierten Reso­nanz. Das Erzählwerk ist auch in der Zeit zwischen den frühen 1910er Jahren und den mittleren 1960er Jahren diejenige Werkgruppe, zu der mit wenigen Ausnahmen am meisten publiziert wird; doch erst gegen Ende der 1960er-Jahre entwickelt es eine so herausgehobene Stellung in der Re­sonanzgeschichte, dass sich nun mit gutem Recht von einer Fokussierung auf die Autorfigur des Romanciers reden lässt. Auffällig sind gleichwohl die Ausschläge ›um 2000‹, die andere Werkgruppen betreffen: zunächst bei der Publizistik, dann bei der Lyrik, schließlich bei den Wanderungen. Diese Ausschläge weisen auf zumindest punktuelle Differenzierungen des Fontane-Bildes hin: forciert u.a. bei der Publizistik, durch Heide Streiter­Buschers Edition der Unechten Korrespondenzen im Jahr 1995 und die an­schließende Forschungsdebatte, durch einen, bei der Lyrik, Reclam-Sam­melband mit Interpretationen zu Fontane-Gedichten, 2001 herausgegeben von Helmut Scheuer, schließlich, bei den Wanderungen, durch ein Sympo­sium des Theodor-Fontane-Archivs mit anschließender Publikation, in der die Wanderungen als journalistisches ›work in progress‹ vor dem Hinter­grund der europäischen Reiseliteratur diskutiert wurden. Selbst diese vereinzelten Spitzen ändern jedoch nichts daran, dass die Resonanzgeschichte Fontanes sich zunehmend zu einer Resonanzge­schichte des Romanciers entwickelt hat. Dass damit das Bild, das wir von Fontane haben, heute ein deutlich fokussierteres ist als noch in den ersten Jahrzehnten nach seinem Tod, verdeutlicht eine Grafik, die nun nicht auf absoluten Zahlen, sondern auf Prozentwerten basiert. Abb. 6 Anzahl der Publikationen zu Fontane(Sekundärliteratur), differenziert nach den fünf resonanzstärksten Werkgruppen Fontanes, 1850 bis 2017, weighted moving average pro Jahr