Heft 
(2019) 107
Seite
155
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Fontane-Bibliographik im digitalen Zeitalter  Trilcke 155 dabei einer aufmerksamkeitsökonomisch typischen Form: einer sog. Pow­er Law-Verteilung(als gepunktete Linie eingezeichnet), bei der sehr große Aufmerksamkeit auf sehr wenige Phänomene und sehr geringe Aufmerk­samkeit auf sehr viele Phänomene entfällt. 19 Für die Rezensionen lässt sich eine solche Verteilung mit wenigen klar dominierenden Werken hingegen nicht konstatieren, ja die die Forschung dominierende Effi Briest wird in Hinblick auf die Rezensionen klar vom Stechlin in den Schatten gestellt was freilich auch damit zutun haben wird, dass die Publikation der Buch­ausgabe des Stechlin kurz nach dem ohnehin hochresonanten Tod des Au­tors erfolgte. Allerdings hat sich auch die massive Dominanz von Effi Briest erst im Verlauf der Forschungsgeschichte entwickelt. Abb. 9 zeigt die zeitlichen Trends der Forschungsbeiträge seit dem Tod des Autors: Dargestellt wer­den die Trendlinien für die fünf resonanzstärksten Romane also von Effi Briest bis Frau Jenny Treibel, wobei die Kurve wiederum mittels moving average(MA) geglättet wurde, die Höhe der jeweiligen Kurve in einem Jahr also nicht als konkreter Wert interpretiert werden darf(nur als ein Beispiel: das höchste Publikationsaufkommen zu Effi Briest beträgt 26 im Jahr 1998), sondern den zehnjährigen Trend veranschaulicht. Deutlich tritt dabei der bereits beobachtete Take-off der Fontane-Re­zeption ›um 1960‹ hervor, der allerdings zunächst auch andere Romane be­trifft, insbesondere den Stechlin. Tatsächlich sind bis in die frühen 70er­Jahre hinein Effi Briest und Der Stechlin im Grunde gleichauf, ja betrachtet man die prozentuale Verteilung, wie sie in Abb. 10 pro Jahrzehnt angezeigt wird, dann liegt der Stechlin noch in den 60er-Jahren knapp vorn: 20,8 Prozent der Forschungsbeiträge zu einzelnen Erzählwerken entfallen in den 60er-Jahren auf Effi Briest, 21,8 Prozent auf den Stechlin. Erst in den 70er-Jahren beginnt die eindrucksvoll der Kurve in Abb. 9 ablesbare Dominanzgeschichte von Effi Briest, die in den 90er-Jahren ihren Höhe­punkt erreicht(36,4 Prozent der Forschungsbeiträge zu einzelnen Erzähl­werken widmen sich in diesem Jahrzehnt Effi Briest) und erst ›um 2000‹ an ihr vorläufiges Ende kommt. Abb. 10: Prozentualer Anteil der Forschungsbeiträge(›Untersuchungen und Darstellungen‹) zu den fünf resonanzstärksten fiktionalen Erzähltexten Fontanes an sämtlichen For­schungsbeiträgen zu Fontanes fiktionalen Erzähltexten, 1960 bis 1999, pro Jahrzehnt