Heft 
(1885) 09
Seite
156
Einzelbild herunterladen

1Z6

7 ^

WläLLev und WMLKen.

Der Kampf ums Aasern. (Mit Illustration S. 145.) Aus dem Scherz wird Ernst und aus dem Spiele Kampf. Wie oft haben wir Ge­legenheit, dieser Wandlung der Dinge im kindlichen Leben zu begegnen! Auch die Helden des Miniaturkampfes, der sich hier neben dem Höker­stande abspielt, machen von diesem Privileg der Kindheit und Jugend den ausgiebigsten Gebrauch. Anfangs schnüffelten und zupften gar leise die vierbeinigen Witzbolde an den Zipfeln des Kinderbettchens und prallten wohl ein wenig zurück, als der Muntergewordene sich zu regen begann.

Bald aber gingen sie zum Angriffe über und stehen schon im Begriff, dem Säuglinge das Nothwendigste zu rauben. Das Bettchen ist auf­gedeckt, und nun wird auch die Windel sortgezerrt und sogar der süße Zulp mit Gewalt annektirt. Was hilft da das unzweckmäßige Strampeln mit den Beinchen? Die Uebermacht ist zu groß, und selbst aus dem benachbarten Korbe droht eine Verstärkung den Angreifern zu erwachsen. Hilflos auf dem Straßenpflaster zu liegen, das ist für den Säugling das voraussichtliche Resultat des muthwilligen Treibens, welches in einen regelrechten Kampf ums Dasein ausartet. Aber die Natur hat auch dem hilflosen Menschenkinde eine Waffe verliehen, von der es nun rechtzeitig Gebrauch macht. Das Gesichtchen zieht sich in Fältchen zusammen, und ein jammernder Schrei tönt aus dem Kinderwagen. Das Herz der Mietzekatze, der gleichgültigen Zuschauerin dort oben auf der Tonne, rührt er freilich nicht, aber die nicht weit entfernte Mutter vernimmt wohl den Nothruf. Bald regnet es Prügel auf die muthwillige Angreiferschar, und der Kampf hat ein Ende.

Matsches Kaar. Die Haarkünstler von Marseille, die jährlich 25 000 falsche Haarkoiffuren für Damen und etliche tausend Perücken für Herren anfertigen, wurden in den letzten Monaten bitter enttäuscht. Die mit Sehnsucht erwarteten Schiffe aus China liefen zwar pünktlich ein, aber ohne eine Ladung, die sie sonst regelmäßig mitbrachten, ohne chinesisches Haar. Es ist wohl eine bekannte Thatfache, daß das civilisirte Europa von den Chinesen Zöpfe kauft und daß unsre Nachbarn jenseit der Vogesen zu den fleißigsten Vermittlern in diesem eigenartigen Handel zählen. Sind doch im Jahre 1882 nicht weniger als 70 758 Kilogramm und im Jahre 1883 sogar 124 715 Kilogramm chinesischer Haare nach Frankreich importirt worden.

Der Krieg mit China scheint jetzt diesen Handel lahm gelegt zu haben, und der Ausfall dieser Waare wird sehr schmerzlich fühlbar werden, denn Europa kann den Bedarf seiner Glatzköpfe allein nicht decken, und überdies liefern die Chinesinnen das billigste Haar, das nur mit 10 bis 12 Franken für das Kilogramm bezahlt wird. Es ist zwar nicht so schön wie das Haar aus dem Norden Frankreichs, das sür das schönste unter allem Haar der Welt ausgegeben wird, aber das letztere ist auch nur für die vornehmsten Damen bestimmt, denn ein 80 Centimeter langer Zopf einer bretonifchen oder normandischen Schönen wird mit 1000 Franken bezahlt,

und fast unglaublich ist der Preis für ein Kilogramm schneeweißer Zöpfe jener Provinzen, der sich nach einer inLeieneo et Nature" veröffent­lichten Mittheilung auf rund 25000 Franken belaufen soll. Die Engländer und die Deutschen, derer: Haar mit den: französischeil konkurriren kann, behalten ihre Zöpse zum größten Theil im Lande, und so richtet sich die Hoffnung der französischen Haarkünstler auf Italien, welches schon in den letzten Jahren nach Marseille durchschnittlich 22000 Kilogramm dieser seltenen Waare exportirt hatte. i.

Are Ameisen sind da!" Dieser Ruf wird bei uns höchstens von dem berechtigten Aerger der Hausfrau begleitet, die einen Ueberfall ihrer Speisekammer durch die ungeladenen Gäste entdeckt hat. Anders ist es in Westafrika, wo die harmlosen Worte im Hause eine förmliche Panik erzeugen. Im Urwalde haust dort die Wanderameise (Ooneich, deren Züge, oft nach Millionen zählend, durch das Land streichen. Kleinere Thiere, die in einen solchen Ameisenzug gerathen, sind rettungslos ver­loren, und selbst der Mensch hütet sich, ihm in den Weg zu treten, da er sonst augenblicklich durch wüthende Bisse von Hunderten der Gestörten gestraft wird.

So zieht, wie vr. A. Reichenow in seiner SchriftDie deutsche Kolonie Kamerun" berichtet, die Schar unaufhaltsam, ruhelos durch das Land, Tod und Verderben bringend, öde Schlachtfelder hinter sich lassend. Auch die Ortschaften der Eingeborenen werden von den Ameisen nicht verschont, und eiligst müssen Menscher: und Thiere aus der Hütte fliehen, sobald die ersten dieser kleinen schwarzen Unholde sich sehen lassen. Or. Reichenow selbst erlebte einen solchen Ueberfall einer Missiorrsstation. Auf den Auf eines der schwarzen Diener:Die Ameisen sind da!", der mitten irr der Nacht sich hören ließ, war Alles sogleich auf den Beinen und suchte zu retten, was an genießbaren Gegenständen zur Hand lag. Der größte Theil der Speisekammer siel jedoch den Räubern zurr: Opfer und wurde in wenigen Stunden verzehrt.

Kleiner Wriefkasten.

Hessen und Preußen 13. ! 3) ' 'I

L. B. in St. Unsinn.

M. N. in Thorr:, M. H. in Wien, Ein langjähriger Abonnent in Bremen. P. B. A. Ai. inHildeslreim. Anonyme Anfragen werden grundsätzlich nicht beantwortet.

H. B. in B., Anton B., H. O., A. V. B. Nicht geeignet.

Unseren neu eingetretenen Abonnenten z»

theilen wir hierdurch mit, daß sie den letzten Jahrgang (1884) derGartenlaube", welcher u. A. die Erzählungen:

Kirr armes Mädchen und Am Aögrnrid von W. Hennburg, Aschaper von L. Ganghofer, Are Kröin von ArHolt von L. Schückrng, Sakvatore von Ernst Eckstein, Mransejahre von A. v. ck Eide, Aas Arbikd des Jidetio von Crnli pasguo re., sowie neben zahlreichen belehrenden Artikeln die vielbesprochenen Keine'schen Memoiren enthält, bis auf Weiteres noch zürn Subskriptionspreise von Mark 6,40 durch alle Buchhandlungen beziehen können.

Von einzelnen älteren Jahrgängen derGartenlaube" können wir noch eine beschränkte Anzahl von Exemplaren zu dem ermäßigten Wreise von nur Mark 3. für den vollständigen Jahrgang abgeben.

Es sind dies die Jahrgänge 1868, 1869, 1872, 1875, 1876, 1877.

Ans den: reichen Inhalte dieser Bände seien hier nur folgende größere Novellen genannt:

Der Schatz des Kurfürsten . . von L. Schückrng l Ein kleines Bild .vor: K. Wich er 1 )

Vetter Gabriel .von Wank Keyse / Das Capital ....... von L. Schückrng s

Prinz oder Schloffergeselle . . von Louise Mühlbach l und Katz' .von Kerman Schund l rO iO

Süden und Norden ..... von Kerman Schund ) Die Kaiserin von Spinetta . . von Wank Keyse )

Reichsgräfin Gisela . . Die Gaffelbuben . . . Jedem das Seine. . . Verlassen und Verloren

vor: H. Marlitt von Kerman Schund von Ad. von Auer von L. Schückrng

Am Altar .von K. Werner

Die Diamanten der Großmutter von L. Schückrng Was die Schwalbe sang . . . von Kr. Sprelhagen

1869

1872

Im Hanse des Commerzienrathes vor: G. Marlitt

Vineta .von K. Werner

Ein Grab ........ von A. Kodin

1876

Aus gahrender Zeit . . Im Himmelmoos . . . Tenerdank's Brautfahrt

von Wictor Müthgen k von Kerman Schund ? von K. von Wepern j

1877

Bestellungen auf den Jahrgang f88^ sowohl als auf die älteren Jahrgänge führen alle Buchhandlungen aus, welche den neuen Jahrgang liefern. Nur solche Besteller, welche an ihrem Mohnort oder in dessen Nähe keine Buch­handlung haben, wollen sich unter Beifügung des Betrags der Bestellung (event. in Briefmarken) direkt franko an die Unterzeichnete Verlagshandlung wenden.

Leipzig, Februar 18kS. Ernst Keik's Nachfolger.

Inhalt: Die Frau mit den Karfunkelsteinen. Roman von E. Marlitt (Fortsetzung). S. 141. Robert Hamerlittg. Von Wilhelm Lanser. S. 147. Mit Portrait S. 141- 7' Ueberraschuna. Gedicht von Ernst Scherenberg. S. 148. Mit Illustration S. 149. Die Deutschen in Oesterreich. Eduard von Hartmann's Ansichten über die Zukunft des Deutsff thums. Von einem Deutschböhmen. S. 149. Ungleiche Kameraden. Von H. Villinger. S. 152. Mit Illustrationen S. 152, 153 und 154. Im Lande des Machdi. Von Heum°I Brugsch. S. 154. Blätter und Blüthen: Der Kamps ums Dasein. S. 156. Mit Illustration S. 145. Falsches Haar.Die Ameisen sind da!" Auslösung des redenM Parkettbodens in Nr. 8. Kleiner Briefkasten. S. 156.

Verantwortlicher Herausgeber Adolf Kröner in Stuttgart. Redacteur vr. Fr. Hofmann, Verlag von Ernst Keil's Nachfolger, Druck von A. Wiede, sämmtlich in Leipzig-