Heft 
(1906) 11
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darauf wich alles Blut wieder zurück. Er fand nicht die Herrschaft über sich, geordnet einen Satz zustande zu bringen. ^Ja ist er denn des Deibels?!" entrang sich's endlich seinen Lippen.

Es gab ein langes Hin und her. Asta, die der übergroße Schreck ihres Vaters noch mehr beängstigte, ließ sich zu bitteren Vorwürfen Hinreißen.Jetzt rächt sich alles!" sagte sie schließ­lich ganz erschöpft.Und wer daran die Schuld trägt . . ." Verzweifelt aufstöhnend brach sie ab.

Er unternahm einen langen Gang durchs Zimmer, wobei in seinen aufgeregten Reden mehr und mehr der Choleriker zun: Durchbruch kam. Ungeordnet, unlogisch warf er in seinem Grimm allerlei durcheinander, um die größte Schuld von seinen Schultern abzuwülzen.

Und das kann ich dir nur sagen, Asta: wenn es jetzt wirklich verquer geht, dann trägst du dafür selbst die meiste Verantwortung. Ja, ja, du!"

Ich? So!"

Wozu war denn nur die Wartefrist nötig, he? Wozu? Das war doch barer Unsinn. Oder etwa nicht?"

Sie zuckte bloß die Achsel. Was in ihr vorgegangen war bei den Begegnungen mit Theo, das ahnte er ja nicht.

Ihr hättet doch schon vor vier Wochen Hochzeit machen können. Das stimmt doch, wie? . . . Na, dann wärst du heute seine Frau. Bon. Und da wär's doch viel eher mög­lich gewesen, ihm alles Nötige zu sagen."

Ihm was zu sagen?" fragte Asta scharf.

Er zündete wieder mit unsicheren Händen seine Pfeife än und paffte dicke Wolken in die Luft.Na, wie damals Hase lief wie sich das so machte, daß man in die Bredouille kam . . ."

Du denkst, ich würde ihm das alles jemals sagen?" Sie hatte sich hastig nach ihm umgewendet und sah ihn geradezu entsetzt an.

Ja, es wird doch jetzt nichts anderes übrig bleiben."

Und das sprichst du aus so als ob das gar nichts wäre?!"

Er streckte verzweifelnd beide Arme aus.Ja, nutzt es was, sich auf den Kopf zu stellen?"

Aber es ist doch ganz ausgeschlossen!"

Weshalb? Wenn er wirklich so furchtbar verliebt in dich ist ... Je, nun laß doch die Grimassen! Kommoder wär's allerdings gewesen, für uns beide, du hättest es ihm jetzt nicht als seine Braut, sondern schon als seine Frau aus­einandersetzen können. Und auch weniger riskant."

Der Zynismus, den seine ganze Anschauungsweise verriet, hatte sie noch nie so abgestoßen wie eben jetzt.

Schweig mir doch um Himmels willen von solchen Vor­stellungen."

Wie du willst, Asta. Aber wie komme denn ich dazu, daß ich mich nun mit dem verflixten alten Kram wieder ab- ürgern muß? Alles war eingeschlafen mausetot und deine Partie so nett alles daran sein könnte macht's wieder springlebendig. Glaubst du, mir ist das angenehm? Klage, Gericht verflucht noch eins. Im September, spätestens im Oktober würde die Verhandlung sein die Gerichtsferien kommen dazwischen viel Zeit hast du also nicht mehr, um einzulenken."

Er hat doch aber ausführlich mit dir gesprochen? Warum hast du wenigstens nicht den Versuch gemacht ..."

Wußte ich denn, daß er gleich aufs Ganze gehen würde? Zum Geier, und so im Gespräch, da ist es eben die Selbsterhaltungspflicht, daß man die Sache so günstig wie möglich für sich dreht. Aber vor dem Richter hol's der Deibel!"

Sie war ganz blaß geworden.Du meinst, das würde dann alles Zur Sprache kommen auch das mit der Fahrt nach Hamburg und alles andere?"

Ja, wofür zettelt er denn sonst die Geschichte an? Er verklagt den Redakteur, der den Artikel geschrieben hat, wegen

Beleidigung. Nicht wahr? Na, dann gibt's 'ne Schöffengerichts- sitzung, das Federvieh führt den Wahrheitsbeweis, wir werden vernommen, es heißt schwören, und der Kladderadatsch ist da!"

Schwören?" wiederholte Asta tonlos.

Na, hoffentlich schiebt man uns den Eid auch nicht zu, weil wir beteiligt waren. Das weiß man doch heute alles noch nicht. Aber einen Zeugen haben sie, der uns sicher in die Pfanne haut: das ist unser Freund Theo."

Asta hatte die Hände gegen die Schläfen gepreßt. Sie sah das Schloß im Monde, das sie sich in ihren Halbwachen Träumen schon so lockend aufgebaut hatte, jämmerlich Zu­sammenstürzen.

Theo . . . wird sich rächen, meinst du?"

Wenigstens: was hätte er für ein Interesse daran, uns zu schonen?"

Er könnte es, meinst du?"

Gewiß. Aber das geht ihm jetzt doch sicher verteufelt an die Nieren, wenn er hört: du bist verlobt. Sentimental, wie er die Sache nun einmal auffaßt"

Er liebt mich!" stieß Asta aus, gegen ihren Vater mehr und mehr von einer fast leidenschaftlichen Gegnerschaft er­füllt.Ja ... er liebt mich immer noch! ... Er hat es mir gesagt!"

Du hast ihn gesprochen?" fragte Soter verblüfft.

Ja. Er hat mich hier ausgesucht. Mehrmals. Und für mich . . . ist er ganz der Alte geblieben."

Sixt von Soter hatte sich erhoben. Er legte die Pfeife weg, die ihm wieder ausgegangen war, und steckte die Fäuste in die Tasche.Das nehme mir niemand übel. So was! Also hast du dich ihm mit gebundenen Händen ein für allemal ausgeliefert? ... Ja, hast du denn gar keine Besinnung mehr gehabt? . . . Und keine Furcht vor Gernot?!"

Sie kämpfte noch mit sich. Endlich kam es erschöpft von ihren Lippen:Ich liebe ihn ... ich habe nie aufgehört, ihn zu lieben."

Heiliges Kreuz!"

Alle Schuld an seinem Tlnglück tragen wir. Jawohl, wir beide. Nein, darüber laß uns um Himmels willen ein­ander nichts vormachen. Ich kann dir nur sagen: was ich jetzt in den paar Wochen wieder durchlebt habe, das gönne ich meinem Todfeind nicht."

Hastig wendete er sich ihr plötzlich zu.Und deswegen hast du auch Gernot warten lassen? Deswegen?"

Ja, deswegen. Hätte Theo nur halbwegs die Möglich­keit zu leben gehabt: ich wäre mit ihm gegangen, so sicher wie ich hier stehe."

Er war außer sich. Zornig lachte er auf.Das wird ja immer schöner. Und du bist nun die kluge, kühle Asta. Ja, erbarme dich, hast du dir denn auch überlegt, was geschehen wird, wenn nun noch die Eifersucht dazu kommt? Er wird uns kurz und klein machen. Darauf geb' ich dir Brief und Siegel. Kurz und klein."

Das wird er nicht. Er hat mir geschrieben. Er hat mir versprochen, daß er . . . mein Glück nicht stören wird."

Wußte er da schon, daß die Geschichte von damals vor Gericht gezerrt werden wird? Und daß er dann Zweifellos gleichfalls zitiert wird?"

Nein. Das ahnt' ich doch selbst nicht."

Dann können wir ja was Liebliches erleben."

Was selten vorkam: sogar der Appetit auf seine Pfeife war ihm vergangen. Die Händemuftdenr Rücken verschränkend, ging er mit großen, klirrenden Schritten auf und nieder. Kam ihm einer der Hunde in die Ouere, so versetzte er ihm zornig einen Tritt.

Du wirst nun also Ansehen, Asta: zu einer öffentlichen Verhandlung darf's nicht kommen. Unter keinen Umständen. Richte dir die Sache ein, wie du willst. Sei klug dabei, diplomatisch. Aber am besten, du zögerst nicht lange."