460
„Fals un slecht," sagte Alheid ihr nachblickend, „fals un slecht."
Jhrein harten, geraden Sinn machten die Verwandten nichts vor. Sie wußte, warum Trina, die seit ihrer Heirat nicht mehr heimgekehrt war, jetzt plötzlich im Baterhause bleiben wollte und mit Gefühl von Blutsverwandtschaft sprach, — sie durchschaute
auch Trinas Kinder. Aber da war nichts Zu machen. Trina war immer Korts Lieblingsschwester gewesen.
„O, Badder, mien Vadder, nu du dr nich mihr büst, mag ik ook nich mihr in mien Vaderhuus sien. Jk wull, ick wull so gern! Janfredrik Holm harr dat Hut all festmakt."
(Fortsetzung folgt.)
Oer ScheHernnarkt auf cler Lck.
Lm Pkingstbrauch Im Schwarswalck. — Mit Abbilckungen nach Photographien von R. Otto.
Auf der Wegscheide von Elz und Kinzig, wo man weit hineinschaut in die Täler und Höhen des Schwarzwaldes, steht einsam, auf freiem Plan, das Gasthaus „Zum Rößle". Das
( -
V --' -" Ä "M
M
-
lustiges Feilschen und Handeln an, ein Anpreisen und Probeklingeln, daß die Luft tönt und schwirrt! Denn es ist den Hütern eine gar wichtige Sache um das „Geläut", das ihnen den ganzen Sommer über ins Ohr klingt — verschieden wie die „Gehöre" sind die „Geschmäcker" — der eine hat gern einen tiefen, vollen Klang, der andere lieber ein lustig Helles Geklingel, das ihm sagt, wo dieses oder jenes Stück der stattlichen Herde gerade steht.
In Stube und Tanzsaal des „Rößle" aber sitzen die „Alten" —- je nach dem Geschlecht bei Kaffee oder Bier — und vor dem Hause haben fliegende Händler ihre Tische aufgeschlagen; Zigarren und „Wecken" und allerlei „Andenken" für die „Städter", die heraufkommen, liegen säuberlich und möglichst verlockend
- ^ .
Das „Rößle" auf der Eck.
ganze Jahr hindurch führüs ein beschaulich Leben, ob auch mancher schöne Tag ihm Gäste bringt, einmal im Jahre aber, nur Pfingstsonntag, da hallt die Wiese wider von Lachen, Singen und Glockenllang, da klimmt aus der Tiefe der Menschennrom empor, da naht's auf allen Pfaden im Feiertagsstaat, um nach uraltem Brauch eine seltsame Feier zu begehen: der
Schellenmarkt oder das Glockenfest auf der Eck.
, , Aus der
ganzen Umgegend, oft auf stundenweiten Wegen, strömen die Hirtenbuben und -Mädchen zusammen, ihre Herdenglocken schwingend, und manch einer trägt einen ganzen Kranz verschiedener Glocken wie ein klingendes Kettchen um den Hals.
Da hebt nun auf der Wiese vor dem Hause ein
Bauernmädchen des Elztals.
Kapelle in Äofstetten bei Äaslach.
ausgebreitet darauf. Das „Zügle", das gemütlich durchs schöne Elztal trottet, hat zum Schellenmarkt eine bunte Menge herbeigeschleppt. Neben den Stadtleuten die Bauern in kurzem Kittel und Filzhut, und „Wibervölker" in Bandhaube oder Strohhut, mit goldgesticktem „Halsmantel" und weißen Bauschärmeln, den „Tschoben" mit den wattierten Ärmeln und das unvermeidliche Körbchen über dem Arm. Der Schwarzwald ist ja noch immer reich an malerischen Volkstrachten, und wenn auch leider schon manche moderne Geschmacklosigkeit dabei unterläuft — im ganzen sind diese Trachten schön!
Elzach, das hübsch gelegene Jndustriestädtchen, das schon 1234 unter dem Namen Elza bestand und 1490 leider ein