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fDein Solclchen.
In meiner Heimat ist ein Wort,
Das gern stets wird vernommen dort; wer es vernimmt, den macht es froh, Dies traute Wort, es lautet so:
Mein Goldchen!
Dort oben an dem Ostseestrand wird, was man gern sieht, so genannt, was lieb man hat, das redet man Mit diesem Schmeichelwörtchen an:
Mein Goldchen!
Von Johannes Trojan.
Nicht wird dabei an das gedacht, was nur so selten glücklich macht, wenn nur von dem Metall man spricht, Sagt man mein Gold wohl, aber nicht: Mein Goldchen!
Es ist ja doch ein Menschenkind,
Das diesen Namen sich gewinnt.
Zu dem sagt einer, der ihm hold, weil echt es ist und rein wie Gold: Mein Goldchen!
Gewöhnlich hat's ein Augenpaar,
Das freundlich blickt und hell und klar, Dazu ein Herz, das treulich schlägt,
So ist's, was man zu nennen pflegt Mein Goldchen!
Es ist ja nur ein kleines Wort,
Doch klingt's durch viele Jahre fort; Und gar zu lieblich klingt es doch,
Mir ist's manchmal, als hört' ich noch: Mein Goldchen!
Georg Bangs Liebe.
Roman von Aarl Rosner.
(9. Fortsetzung.)
bschied. Der Tag, da Georg reisen sollte, war herangekommen, rascher, als die vier Menschen, für die des Buben Fahrt ins Leben ein Ereignis war, gedacht hatten. Die kleinen Sorgen hatten Frau Bang die Zeit verkürzt, und Georg, dem es war, als müßte er von all den lieben alten Wiener Gassen, von den stillen, verschwiegenen Durchhüusern, durch die er so oft, so oft gegangen war, von den ruhig vornehmen Fassaden der Palais und von dem anheimelnden Winkelwerk der inneren Stadt besonders Abschied nehmen, dem schwand nun neben Sephi die Zeit so rasch, daß er es aufgab, all die lieben Stellen noch einmal aufzusuchen. Nur einmal, am Nachmittag vor der Fahrt, während Frau Bang den großen Segeltuchkoffer packte, den Herr Schneeberger als Reisegeschenk gebracht hatte, ging er mit Sephi durch die Stadt.
„Tu's, Bub!" hatte der Herr Schneeberger am Abend vorher zu ihm gesagt, als er den Koffer brachte, die Stunde der Abfahrt verabredete und dann, ganz wie in vergangenen Tagen, ein wenig mürrisch und doch gutmütig brummelnd und lächelnd zugleich, in denr alten Lehnstuhl saß. „Tu's, Bub! Und schau dir's noch amal gründlich an, die Wienerstadt! Steht dafür! Denn mögen s' draußen sagen, was' woll'n, — so 'was gibt's nimmer wieder auf der Welt! Schöner? Prächtiger? Mein Gott — als ob's dadrauf ankäm'! Aber a schöner gibt's keine!"
Mit einem Blick, der ziellos ins Weite sah, sog Herr Franz Schneeberger an der Virginia, deren Strohhalm ihm schief hinter dem Ohre stak wie ein dünner, ganz dünner Federhalter. Und so sprach er weiter, ohne den Blick zu heben, als ob er für sich selber spräche. Und alle seine tiefe Liebe Zu seiner Vaterstadt, an der er so mit allen Fasern hing, lag in den kurz hervorgestoßenen Worten.
„Geht ein and'rer Wind draußen im Reich — freilich!
— wahr is' — wird mehr g'schafft, is' ein Stück Amerikaner- tum, was die da draußen machen — und a Stadt, die heut' noch a halbe Million Einwohner hat, die hat in zehn Jahren schon vielleicht a Million! Neue Häuser und neue Menschen
— a ganz neue Welt, der man's net anschaut, daß sie vor zehn Jahr auch scho' dag'wesen is'. Dagegen Wien! Wien das bleibt — da wachst's Neuche zu, aber's Alte gibt den Ton mit an. Und immer hat ma' das G'fühl, als ging' ma' durch sei' Ahuengalerie dabei. Wo's d' hinschaust, lebt die alte große Zeit. Und durch kei' Straßen kommst' in der Stadt, wo's d' dir net sagen mußt: dahier is' schon was Weltgeschichtliches gescheh'n! Da hier, Km Hof' hab'n s' im Achtundvierzigerjahr den Latour auf den Laternpfahl aufg'hängt, und da daneben haben s' nach'er s' Zeughaus g'stürmt, da, hundert Schritt davon, am Heidenschuß, auf der Bastei haben s' mit die Türken
g'rafft, daß d' Fetzen g'flogen sein, da ob'n vom Stephansturm sein d' Notraketen g'stiegen, und drüb'n vom Kahlenberg herunter is' der Sobieski aberg'saust mit die Polacken zum Entsatz! Und so geht's fort bis in die Zeit vom gottseligen Kaiser Marc Aurel und früher noch — a jeder hat sei' Platz'l in der Stadt — a jedes Stückel Erden is' groß durch das, was da sich abg'spielt hat. Und so wie Wien, so is' der Wiener! Das Neuche, ja — das macht er mit — aber's Alte, da- dran halt' er fest, da drüber liegt's ihm wie a Weih'. Mei' Bua, ma' geht net 's Leben lang durch so a Stadt, ohne daß ei'm was picken bleibt davon. Daß du dein Wienertum verlierst da draußen/darum is' mir net bang, denn das laßt keinen los, mag er noch so viel Jahr' lang fort sein — das Gute davon bleibt dir ..."
Eine Weile hatte Herr Franz Schneeberger nach dieser Rede noch sinnend vor sich hingesehen. Dann zog er ein paarmal energisch an der Virginia, und als er sah, daß die ausgegangen war, schüttelte er mißbilligend den Kopf, zog den Strohhalm hinter dem Ohr hervor, zündete ihn über dein Zylinder der Lampe an und setzte den Glimmstengel dann mit umständlicher Ruhe wieder in Brand.
Für Georg waren diese Worte der äußere Anstoß zu dem letzten Gang durch Wien am Tage vor der Reise in die Fremde geworden.
Und wie wenn ihm die Stadt zum Abschied noch mehr von ihrer Seele geben wollte als je zuvor, war's ihm bei diesen: Gang, den er mit Sephi tat. Häuser und Straßen redeten mit Zungen, wo immer die Zwei jungen Menschenkinder schritten. Doch all das Würdige, von dem Herr Franz Schneeberger gesprochen hatte, war tief verquickt mit den Erinnerungen, die ihn und sie durch ihre Jugendjahre hingeleitet hatten.
Über den Ring schritten die beiden, und all die wunderbare Schönheit, die hier emporgesproßt war, als Werk der größten Bauherren der Zeit, umfing sie. Aber das waren für sie nicht nur Werke der Schönheit. Hier waren sie mit Sephis Vater oft geschritten.
„Weißt du noch, Georg-"
Als ob die Stimme des Heimgegangenen noch neben ihnen klänge, war es den jungen Menschen an diesem späten Sommertag, der voll von reicher Sonnenpracht und Wärme war. —
Schweigsam gingen sie nebeneinander, nur hier und da fiel ein kurzer Satz, und der andere nickte dazu oder sprach — aber mehr als die Lippen waren es die Augen, die redeten.
Längs der langen, stolzen Gitterreihe, die den Kaiserpark von der Straße trennt, schritten sie hin. Da, jenseit der braunen Stäbe mit den vergoldeten Lanzenspitzen, war reges Leben. Bäume wurden gefällt und Fundamente ausgehoben. Hier sollte die neue Kaiserburg erstehen, in der des Kaisers