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lich als angehende Greise mit 1800 bis 2000 Mark auf ihre Erfolge zurückblicken dürfen. Die große Mehrzahl der preußischen Volksschullehrer bezieht wenig hühere Gehalter. Die kleinere Hälfte tritt mit 900 bis 1000 Mark ins Amt, erhält nach vier Jahren 1200 Mark und steigt mit 31 Dienstjahren auf 2600 bis 3000 Mark. Ein Teil dieser Vessergestellten, in den großen Städten und in Jndustrieorten, beginnt mit l200 Mark Gehalt, erhalt nach vier Dienstjahren 1400 bis 1500 Mark und steigt auf 3200 bis 3300 Mark Höchstgehalt, vereinzelt (Frankfurt a. M., Berlin, Charlottenburg, Schöneberg usw.), auch auf höhere Sätze. An der Notlage der großen Mehrheit vermögen diese Ausnahmen aber nichts zu ändern, sie lassen den großen Rückstand der andern nur noch mn so schroffer hervortreten.
Die preußische Unterrichtsverwaltung ist aber nicht der Meinung, daß hierin der Grund des Lehrermangels liege, sucht die Ursachen vielmehr in der ungenügenden Zahl der Lehrerbildungsanstalten. Sie hat darum in den letzten Jahren zahlreiche Seminare und Präparandenanstalten gegründet oder gründen lassen, für Unterstützungen und Prämien der Schüler in diesen Anstalten Hunderttausende hergegeben, in allen Kreisblättern und von den Kanzeln herab die Vorzüge des Volksschulamtes rühmen und Stipendien ausbieten lassen. Aber die Erfolge sind mäßig. Im Jahr 1901 saßen in 111 Seminaren 11 034 Schüler, also in jeder Anstalt 100, 1905 bestanden 134 Seminare, aber sie hatten auch nur 11 675 Schüler, das heißt: jedes Seminar durchschnittlich 86. Die Anstalten waren also nicht zu füllen. Etwa 2000 Plätze blieben frei, und die außerordentlichen Kurse konnten nur die Halste dieser Zahl herbeischaffen. Die Zahl der Prüparanden, die aber zu mehr als Zwei Dritteln in Privatanstalten und außerordentlichen Kursen sitzen, würde genügen, um die Lücken in den Seminaren später auszufüllen, allein ein starker Prozentsatz gelangt nicht dahin. Durch das gewaltsame Werbespstem werden Elemente herangezogen, die inzwischen sich eines andern besinnen oder sich als ungeeignet erweisen. Daß die Auswahl nicht besonders peinlich ist, beweisen die auffallend ungünstigen Ergebnisse der späteren Lehrerprüfungen.
Das Unterrichtsministerium hat also mit seinem Vorgehen vollständig Fiasko gemacht. Die Anstalten werden nicht voller und die Lücken im Volksschulkörper immer größer. Der Bolksschulunterricht steht in vielen Fällen nur noch auf dem Papier.
Sollte die Neigung, in den Volksschuldienst einzutreten, tatsächlich so gering sein? Aus den preußischen Volks- und Mittelschulen treten alljährlich etwa 400 000 Knaben ins Leben über; 6000, d. h. ift? v. H. würden zur Ergänzung und Verstärkung des Lehrkörpers der Volksschule genügen, ganz abgesehen von den aus den höheren Lehranstalten kommenden Anwärtern. Von 60 bis 70 Knaben sollte nicht einer Lehrer werden wollen? Hat das Lehramt eine so geringe Anziehungskraft, während alle andern Berufe, zu denen eine gute Schulbildung erforderlich ist, überfüllt sind?
Von einer Abneigung gegen den Lehrerberuf kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, in einen: aufwärts strebenden Volk gewinnt der Lehrerberuf naturgemäß an Anziehungskraft. Das ganze Elend ist lediglich die notwendige Folge einer in ihren Grundlagen und in ihren Mitteln verfehlten Unterrichtspolitik, die nicht nur die eigentliche Ursache des Lehrermangels verkennt, sondern auch im Lehrerbildungswesen gänzlich verfehlte Wege geht.
Die Rekruten für die geistige Arbeit wachsen in ihrer Mehrheit heute in den größeren und mittleren Städten auf. Die städtische Bevölkerung überwiegt die des platten Landes erheblich, und die weiterführenden Lehranstalten werden in den mittleren und größeren Städten bis tief in die Arbeiterkreise hinein ausgenutzt. Die großstädtischen höheren Lehranstalten sind sämtlich gefüllt, größtenteils stark überfüllt, während es in den Schulen der kleineren Ortschaften an Schülern mangelt. Für einen Beruf, der eine so starke Zahl von Rekruten braucht,
wie das Volksschullehramt, muß also das Material zum großen Teil in mittleren und größeren Städten gesucht werden. Überblickt man aber die Namen der Ortschaften, in denen Seminare und Präparadenanstalten sind, so ergibt sich, daß nur etwa ein Dutzend in mittleren und größeren Städten sich befinden, alle andern dagegen in kleinen und kleinsten Städten und sogar in Dörfern. Man denke sich die allgemeinen Bildungsanstalten ebenso über das Land verteilt, und die auf sie angewiesenen Berufe würden in kürzester Zeit, trotz zu reichender Besoldung und befriedigender sonstiger Stellung, einen ähnlichen Mangel an Arbeitskräften habe::. Kleine Land städte und Dörfer sind keine Verkehrsmittelpunkte, sie eignen sich darum auch nicht besonders zur Anlegung von Bildungsanstalten, die ihre Schüler aus eineu: größeren Umkreise zusammenziehen müssen.
Aber die preußische Unterrichtsverwaltung hält an den kleinen Landstädten als Seminarorten fest. Das ist eins der treu gehüteten Vermächtnisse der berüchtigten Regulativperiode, aus der das jetzige Unterrichtsministerium seinen Bedarf an Ideen und Grundsätzen auch sonst bestreitet. Aber man erreicht mit diesen Mitteln heute noch weniger als vor 60 Jahren. Die künstlich in die Seminare Hineingelockten, in sorgsam geschlossenen Internaten eines Landstädtchens Erzogenen — „Zöglinge" heißen die Schüler der Seminare heute noch — haben von der Natur keine Scheuklappen mitbekommen. Die einjährige Militürdienstzeit, Reisen, Zeitunglektüre usw. führen sie bald in die Welt ein und setzen sie „den unheilvollen Ein flüssen eines vergifteten Zeitgeistes" aus. Sie sehen sich in ihren Hoffnungen betrogen und die ihnen gegebenen Versprechungen nicht erfüllt. 60 Mark Monatsgehalt bis zun: Alter von 25 bis 26 Jahren decken auch die mäßigsten Lebensansprüche nicht. Die „Unzufriedenheit" ist da. Diese jungen Lehrer, die sich selbst betrogen glauben, schrecken die bildungbeflissene Jugend von: Eintritt in den Lehrerberuf ab, uüd damit wird das an und für sich schon wenig ergiebige Dorf- und Kleinstadtgebiet trotz aller amtlichen und halbamtlichen Werbungen für die Rekrutierung des Volksschullehrerstandes noch unergiebiger.
Die Unterrichtsverwaltung will aber anscheinend Lehrer, die in größeren und mittleren Städten ausgewachsen sind, nicht haben. Sie fürchtet vielleicht, daß sie zu viel moderne Ideen in sich ausgenommen haben und daß das in der mittel alterlich gedachten Volksschule der Gegenwart zu Konflikten führt; sie würden vielleicht auch noch „begehrlicher" sein als die vom Lande stammenden und die ihnen gebotenen Gehälter noch weniger angemessen finden.
Weit über diese Besoldung hinaus möchte die preußische Unterrichtsverwaltung aber nicht gehe::. Der Volksunterricht soll wohlfeil bleiben. Die Versuche, diesen Preis auch nur teilweise zu erhöhen, unterdrückt das Kultusministerium mit allen ihn: zu Gebot stehenden Machtmitteln. Das ist
wenigstens der Sinn und der voraussichtliche Erfolg einer Verfügung, mit der die preußische Lehrerschaft bei::: Beginn der Sommerferien überrascht und um die an sich schon geringe Hoffnung auf baldige Besserung ihrer Lage gebracht worden ist.
Das preußische Abgeordnetenhaus, das niemand in: Verdacht haben wird, einen: übertriebenen Bildungslurus zu frönen, hat den: Minister nämlich 2^Z Millionen Mark auf- gedrängt — er wollte sie nicht haben — um damit die Mindestgehälter der ersten und alleinstehenden Lehrer auf 1100 Mark und die der übrigen Lehrer auf 1000 Mark aufzubessern, wovon die weniger als vier Jahre in: Dienst befindlichen Lehrer indessen nur vier Fünftel (also 800 Mark) erhalten, und die Alterszulagen um ein geringes zu erhöhen. Diese Gelegenheit benutzt der Minister, um gegen einen in den Städten uird größeren Landgenwinden angeblich getriebenen Bildungsluxus einzuschreiten. Wenn in Zukunft Schulverbände, die bereits über die genannten Gehaltssätze hinaus sind, eine weitere Erhöhung beschließen, sollen die Regierungen vor Bestätigung des Beschlusses sorgfältig prüfen, ob dadurch das von der