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einer Rede im Freien mit dem einer Ansprache in der Fest- Halle sich begegneten. Immer sei hier nicht so viel geredet worden, meinte ein Festbesucher, wie vor etlichen Jahren bei einer Feier in Kopenhagen, wo ein Einziger ne rin Reden gehalten habe, drei am, drei auf, drei unter dem Tische. Lächelnd sah die Statue Linnös „des Blnmenkönigs" ans all das Treiben, Wogen, Singen und Reden herab. Er lobte sich seine stilleren Freunde, die Blumen. Im Dom, wo er ruht, hatte man zum Feste aus sein Grab einen großen Blumenstrauß gestellt. Sinniger konnte man den großen Sohn des Nordens nicht ehren, noch grüßen, der in einem Lande, wo der Sommer so schnell flieht und die Blume ein so gefährdetes Dasein führt, die Kinder der Sonne und des Thaues so geliebt lind gleichsam zu ihrer Sicherung in das Reich der Wissenschaft verpflanzt und eingegliedert hat.
Nun noch, obwohl Mitternacht nahe, zu einer der 13 „Nationen", d. h. der Landsmannschaften, die anders als in Deutschland, wo Cimbern, Teutonen, Cherusker und andere Phan- tasienamen und Farbenvorlieben die Studenten beliebig aus allen Ländern und Provinzen sammeln, hier wirklich die Söhne der einzelnen Landschaft vereinen. Der Eintritt in diese Verbindungen ist Pflicht, in ihren Vereinshäusern finden die „Nationen" ihre Heimat wieder Ans den Professoren erhalten sie ihren Inspektor, aus der eigenen Mitte wühlen sie ihre Führer, die Kuratoren. Zu einem Partikularismns und „Cantönligeischt" kommt es gleichwohl bei diesen provinziellen Gliederungen nicht, da außerdem technische und wissenschaftliche Vereinigungspunkte für Fach- genosfen vorhanden und auch ein G.ildenhaus die „Allgemeinheit" der Studenten oft genug einladet und ein „Ausschuß" die 'Studentenschaft als solche vertritt. — Der Vortheil jenes schwedischen Landsmannschaftenwesens ist genaue gegenseitige Kennt- niß und ein treues Festhalten an einander, das in das Politische Leben reicht und auch den Minister besuchsweise zu seiner „Nation" zurückführt. Die Alten halten sich an den Jungen jung; die Jugend bereichert sich ohne Altklugheit mit dem Ernst der Alten. Eine Eifersucht zwischen diesen geborenen, nicht künstlich gemachten Landsmannschaften besteht nicht; das blutige Vorurtheil des Duells ist dem schwedischen Studenten fremd; ivas der Ausgleichung bedarf, unterliegt einem Schiedsgericht; auf Ehre, Manneswerth und Jngendmnth hält er darum nicht weniger, wie jeder bezeugen muß, der die schönen Tage von Upsala miterlebt hat. Als Deutsche, als Protestanten auf Stammes- und Gtaubensverwandfchaft begeisternd angeredet, konnten wir nicht umhin, bei einem Besuch der Nation Smaland, das für Deutsche und Schweden gleich thenre Andenken Gustav Adolfs zu feiern, durch dessen Kriegszug wie durch des Nordlichts flammende Strahlen die Glanbenssterne mitten durch geschimmert. Es berührte uns wunderbar, wenn in Upsala in das Festleben einer gerade von Gustav Adolf testamentarisch wahrhaft fürstlich ansgestatteten Universität regelmäßig spät abends ein Glöckchen klagend rief, das die katholisch gewordene Königin Christine mit der Bitte gestiftet, dann für ihre Seele zu beten. Uns fiel Joh. Peter Langes geistreiches Wort ein; Gustav Adolf habe sein an Rom verlorenes Kind im Gustav Adolf- ' Verein wiedergefunden!
Ein großes Bildungs- und Vereinigungsmittel der Studentenschaft Upsalas ist der Gesang. Im großen internationalen Wettsiugen 1867 zu Paris gewannen sie den Preis. Der Letzte Festtag brachte uns ein Konzert, wie es auch den ergreifen und Hinreißen muß, der sonntäglich durch den Domchor erhoben und verwöhnt wird. Das rauscht und rieselt wie klare Waldquellen, das braust und wogt wie Brandung der See, das schlägt im Takt zusammen wie Schwert und Schild, als wären Erzstufen in diesen Jünglingsstimmen. Liegt's an der nordi
schen Luft — genug, was wir hören, berührt uns markig, ohne eckig zu sein, stark ohne Geschrei! Wer den Stabreim in seiner unseren germanischen Sprachen „immanenten" Herrlichkeit erkennen und genießen will, der höre den Chor, wie er einem Königsgrab Tegnörs Worte zusiugt: „Hehr in dem Hügel sitzt nun der Herrscher, Schwert an der Seite, Schild auf dem Arm!" Als wenn wirklich der p'rometheische Riese mit seiner grimmigen Freude, daß das Bose „untödtbar" sei wie das Gute, plötzlich aus der sonnenscheuen Tiefe erschiene, so klang der einstimmige Baßchor: „Meine Lust ist: fahren auf Milternachtsstürmeu, zertreten die Saaten, zerbrechen die Kiele!" Die Krone schien mir die Ballade: „Olav Trygvason". Ein Seeheld wird vergebens von seiner Flotte zur Schlacht erwartet. „Wo bleibt Ormen lanze? (Name des Hauptschiffes.) Kommt uicht Olav Trygvason?" So fragt die Ungeduld. Plötzlich taucht aus dem Meeresgründe die Antwort: „Genommen ist Ormen lanze, gefallen ist Olav Trygvason!" Und noch jetzt in mondhellen Nächten folgt das Seufzen norwegischen Schiffen nach:
„Gefallen ist Olav Trygvason!" Gesang läßt sich nicht beschreiben, am wenigsten das stürmische Wehe, die langgezogene Klage, das Aufwallen der See dieser phantastisch-elegischen Komposition.
Hier hörte ich den alten Norden, am andern Tage sah ich ihn in der Gestalt der von der Sage nach Thor, Odin und Freyr benannten drei Königshügel vor Alt-Upsala (^amla llchsala). Dort neben dem uralten Kirchlein, über das die Regenwolken zogen wie unheimliche Erinnerungen an den blutigen Odinstempel, auf dessen Fundamente angeblich das christliche Gotteshaus gebaut ist. Alt-Upsala, bis 1270 Sitz der Erzbischöfe, in heidnischer Zeit sogar Residenz der schwedischen Könige, ist nun zu einem Dorf zusammengeschmolzen. Ein Theil der Gäste war nach den Bergwerken von Dannomora gefahren, wo die wunderbaren Echos in die Tiefe eilen wie umgekehrt die bekannten melodischen Widerhalle des Baptisterium zu Pisa in die Höhe. Wir tranken in Gamla-Upsala auf einen: Thingshügel aus einen: Horne Meth und während wir um die rothbeerigen Ebereschenbäume die Elstern flattern sahen, trat auf diesem nördlichen Punkte unwillkürlich, wie sich nun einmal Gegensätze suchen, aus dem tiefen Süden ein anderes Tempelbild als das des nordischen Odin vor die Seele, der sonnenumglänzte Tempel Neptuns von Pästum, wie wir ihn vor nicht langer Zeit geschaut, — dort wie hier uralte Altäre suchender Seelen!
Nicht der Vollständigkeit wegen nur, sondern in aufrichtiger Dankbarkeit sei des Festabschlusses auf Drottningholm am Mälarsee gedacht, wohin die Gastfreundschaft des Königs uns entbot. Herrlich die abendliche Fahrt durch die beleuchteten Ufer, das Schloß in bengalischem Lichte, die fürstliche Leutseligkeit, der erneute Austausch all der geschlossenen Bekanntschaften, auf den Dampfschiffen, die neben einander glitten, noch einmal der Upsalienser Gesang, dann bei der Heimkehr die elektrische Sonne, die Stockholms Plätze und Prachtgebäude taghell beleuchtete — herrlich das alles! Und wie scharf auch der Kontrast schien, erst des Königs Gast gewesen zu sein, um danach in Stockholm, wo alle Hotels besetzt waren, auf einem Sopha die Nacht zubringen zu müsse::, — auch diese Art studentischer Herberge gehörte znm Nachklang einer Universitätsfeier. — —
Die Nadel zeigt nach Norden! Unr vol, du Brnderstamm zwischen deinen Birken, Felsen und Seen! kur vol und grüne in ein fünftes Jahrhundert hinüber, du alte, ehrwürdige Universität am Fyrisstrom, ungefährdet von all den Stockholmer Verlegungsplänen, du edles, gastliches Upsala!
Am Jamilientische.
Vom Düsseldorfer Malkastcnfeste.
(gu dcn Bildern ans S. 8>> u. 87.;
I.
Die Leser des Daheim sind durch zwei Beilagen bereits mit den Vorbereitungen und der allgemeinen Ausführung des Düsseldorfer Malkastenfestes bekannt gemacht worden. Es liegt uns jetzt ob, sie näher
mit einigen Einzelheiten des wunderbaren Festes vertraut zu machen, das in der That einzig und unübertroffen in seiner Art dasteht. Einzig schon deshalb, weil es nicht wiederholt wurde. Die Vorstellung, die mit allem Anfwande geschaffen wurde, welche eine Schar begeisterter Künstler fähig ist, wurde nur das eine Mal vor dem Kaiser, dem zu Ehren sie stattfand, aufgeführt und lebt jetzt nur noch in der Erinne-