Heft 
(1878) 45
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lehnen. Diese vertheilte er an ritterliche Leute, die eilig und zahlreich herbeikamen, um von der lachenden Beute ihren Theil zu nehmen und sich aufdem süßen Eiland" festzusetzen. Wie auf dem Papier ausgezirkelt, wurde ein Lehnstaat eingerichtet, ganz nach den Ideen der Ritterwelt, mit Parlament und Rechtshöfen, mit Grasen, Herren und Knechten, Aebten und Prälaten. Da aber Richard Löwenherz seinem Neffen die Krone von Jerusalem zu verschaffen suchte, und der von Sa- ladin vertriebene König, Wido (Guido) von Lusigan, ein Näher­recht daran hatte, jedoch erklärte, wenn man ihm Cypern gebe, so wolle er Jerusalem abtreten und noch hunderttausend Dukaten darauf zahlen, so wurde die Sache dahin verhandelt, daß Cypern zu einem Königreiche gemacht wurde, das erblich im Geschlechts der Lusignans.

Wido ging eilig daran, Burgen und Festungen zu bauen, damit er die Insel behaupten könne, und als er sie drei Jahre spater seinem Bruder Amalrich hinterließ, so traten die Ritter zusammen und erklärten: Cypern müsse ein echtes Königreich werden, und das könne nicht anders geschehen, als wenn es der König zu Lehen nehme vom deutschen Kaiser, der Quelle alles Rechtes. Kaiser Heinrich VI empfing die cyprischen Ge sandten zu Gelnhausen, und da ihm und seinen Räthen sofort einleuchtete, welche Wichtigkeit die Insel für die Unternehmungen im Morgenland habe, so sandte er durch die Erzbischöfe von Trani und Brindisi das königliche Scepter nach Cypern und verhieß zur Krönung selbst zu kommen, sobald er seinen Kreuz­zug antrete. Da letzteres sich aber in die Länge zog, so erschien der deutsche Reichskanzler, Bischof Konrad von Hildes­heim, in Nikosia, nahm für seinen kaiserlichen Herrn die Hul­digung ein und vollzog die Krönung.

Dies war im Jahre 1196. Zweiunddreißig Jahre später erschien in Pracht und Herrlichkeit zu Limasol Kaiser Friedrich II und nahm Cypern in Besitz als Oberlehnsherr und Vormund. Denn der Thronerbe war ein Knäbchen von neun Jahren, und die Regentschaft, an ihrer Spitze Herr Johann von Jbelin, Baron von Beirut, lag sich in den Haaren mit einem großen Theile des Adels, der die Jbelins nicht mochte. Cypern sollte aber Sammel- und Bergestätte werden für des Kaisers Kriegs­macht, um das heilige Land zu behaupten, dessen Krone sich Friedrich selbst ans das Haupt gesetzt hatte. Die reichen Ein­künfte der Insel bestimmte er zum Unterhalt seiner Beamten und Festungen in Syrien. Allein kaum waren etwa ein Jahr später des Kaisers Segel am Meereshorizonte verschwunden, so eröffnete Jbelin, ein Jurist und Staatsmann und Feldherr ersten Ranges, den Krieg gegen den Kaiser, mit ihm die ganze Ritterschaft der Templer und Franzosen, deren Uebergewicht im heiligen Lande der Kaiser nicht hatte brechen können, so sehr er auch den deutschen Orden zu verstärken suchte. Lange Jahre zog sich der Kampf hin und her, voll von Romantik und wechselnden Schicksalsschlägen. Friedrich setzte alles daran, Cypern zu behaupten, und sandte Heer auf Heer. Er mußte und wollte auch dort den Uebermuth des Adels brechen, die Ritterschaft aber berief sich auf das Landesrecht, nach welchem auch der Kaiser Recht müsse nehmen und geben in ihrem hohen Lehnshofe. Er aber wollte, so erklärten sie, immer wieder Cypern und Jerusalem zum Anhängsel des deutschen Reiches machen. Die Entscheidung gab endlich, daß Jbelin sich der Seemacht der Genueser versicherte, indem er ihnen zum Danke den Gesammthandel Cyperns überlieferte.

Als ich vor drei Jahren Cypern bereiste, wo Deutschland, worauf ich in meinem Buche öfter hindeutete, die ganze Insel so zu sagen für ein Ei und Butterbrot hätte haben können, wurde ich öfter an Kaiser Friedrichs II Unternehmen er­innert. Weil in unseren Geschichtsbüchern gar wenig davon zu lesen, so suchte ich die Geschichte seiner cyprischen Thaten und Verhandlungen aus den Schriften der Zeitgenossen dar­zustellen.*)

Z Kaiser Friedrich II Kampf um Cypern. Von Franz von Löher. München 1878, Verlag der königl. Akademie.

Eine Hauptquelle, welche dafür kaum noch benutzt war, ist das Assisenrecht von Jerusalem. Als nämlich die franzö­sischen Ritter das Vorhaben des deutschen Kaisers endlich ver­eitelt sahen, gingen sie fröhlich daran, ihr Landesrecht, das ihnen so treffliche Hülfe geleistet, näher zu begründen. Johann von Jbelin und sein gleichnamiger Neffe, Philipp von Na­varra, Geoffroy le Tort und anderen Herren, die in den Feldzügen gegen den Kaiser tapfer den Degen geschwungen, nahmen jetzt die Feder zur Hand und schrieben die Artikel und Erläuterungen des berühmten Assisenrechts von Jerusa­lem, ohne Zweifel das interessanteste Rechtsbnch des Mittel­alters.

Das Königreich der Lusignans aber entwickelte sich rasch zu einer wahren Prachtblüthe des Ritterthums. Als Akkon, der Christen Hauptstadt in Syrien, siel, flüchtete alles hinüber nach Cypern. Fort und fort liefen nun von hier die Flotten ans, welche glorreich den Kampf mit den Ungläubigen führten in all den Küstenlanden von den Dardanellen bis zur Nilmündnng. Es legten sich aber die Franken auf Cypern, vor allem die Johanniter, auch fleißig auf den Anbau des fruchtbaren Bodens. Weinbau und Seidenweberei wurden zur höchsten Vollendung gebracht und Pflanzungen von Baumwolle und Zuckerrohr an­gelegt. Zu gleicher Zeit war Cypern die Hauptstätte des Welt­handels mit dem Morgenlande, mit Persien und Indien, mit Arabien und Aegypten. Der Reichthümer, die sich auf der glücklichen Insel anhäuften, aber auch des Schwelgens und der Sittenlosigkeit war kein Ende.

VIII. Venetianische Zeit.

Der Keim des politischen Verderbens lag in den großen Vorrechten, welche Jbelin den Genuesen eingeräumt hatte. Sie wurden die Ausbeuter und mußten auch die Herren der Insel werden. Blutiger Zusammenstoß war unvermeidlich. Im Jahre 1373 eroberten die Genueser fast ganz Cypern und verheerten es bis zum Grunde, und als sie die erbitterte Bevölkerung nicht mehr im Zaume halten konnten, riefen sie die Mameluken aus Aegypten her. Aufstände, Plünderungen, Mord und Tod­schlag blieben seitdem auf Cypern Tagesordnung. Die Neben­buhler der Genuesen aber, die Venetianer, wußten eine ihrer Patriziertöchter, Katharina Cornaro, mit einem Thronbewerber aus der Königsfamilie zu verheirathen und ihm die Krone zu verschaffen.

Als er im Jahre 1473 gestorben war, übergab seine Wittwe das Königreich der Adelsrepublik an der Adria. Die Venetianer suchten nun planmäßig den Adel auf Cypern her­unter zu bringen und seine Bevölkerung unkriegerisch zu machen. Sie brachen die Burgen nieder, damit sie bei Ausständen ihnen nicht gefährlich würden. Strenge aber sahen sie darauf, daß alles Ordnung halte, fleißig arbeite, und pünktlich Steuern zahle. Sie regierten Cypern, aber nur, um es zu bewirth- schaften und auszubeuten.

IX. Türkische Zeit.

Der Haß des Landvolks gegen die venetianischen Blut­sauger erleichterte den Türken die Eroberung. Als sie heran­zogen, flammte in Adel und Bürgern der alte ritterliche Math empor, sie kämpften und fielen wie Männer. Nach dem Siege aber übten die Türken den alten Brauch, das Gemetzel. Im Jahre 1571 wurde Cypern türkische Provinz, seitdem erblich seine Kraft und Schönheit. Industrie und Handel erlahmten, die Ortschaften und der Anbau des Bodens minderten sich von Jahr zu Jahr, die Waldung wurde vernichtet, und die Be­völkerung täglich schwächer und elender.

Wie mochte auf Cypern alles aufathmen bei der Nach­richt von der Erlösung! Erlösung zwar durch Engländer, die Nachfolger der Punier und Venetianer auf dem Mittelmeere, aber doch Staats- und Ehrenmänner gegenüber der heillosen Türkenherrschaft.