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Ueber Land und Weer.
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Auf rauschte der Vorhang. Auf der Bühne der geschmückte Flügel und die geputzte Goldstein. Das war schon etwas.
Und nun tauchte stimmungsvoll im Meergrünen die geschminkte Spatz ans der Coulisse.
Sie sah so blühend aus wie vor zehn Jahren, als sie noch sechzehn war. Ob sie sich aber damals schöner und fascinieren- der gefühlt, steht dahin. Auf ihrem Gesicht stand's geschrieben, daß sie ihres guten Eindrucks gewiß war.
Ein Murmeln des Beifalls taucht auf und verschwindet.
Sie setzt sich mit der Aussicht auf die Goldstein, uns den Rücken kehrend. Sie ist ganz Musik. Ihre Gesichtsmuskeln erschlaffen einen Moment, um sich zugleich mit der Haltung intensiv zu spannen. Die Schleppe umflutet sie in herrlichen Falten... ihr kleiner Fuß sucht das Pedal .. . die Handschuhe fliegen von den Fingern, ihnen folgen die Armspangen .. . Jetzt kommt das Taschentuch. Ihre Hand fährt mechanisch dahin, wo sie stets
die Tasche findet, gleitet abwärts.
Spätzchen
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wird bleich; sie schüttelt die Hände, sie streckt sie von sich, reibt sie, alles konvulsivisch.
„Herrgott, Mecerino — sie hat kein Taschentuch!" bricht's mir ans der gefolterten Seele.
„Alle Schock!
Werfen Sie ihr Ihres zu."
Ich fahre in die Tasche . . . entsetzlich! Ich, die Pedanterie selber — ich, die ich Spätzchen so weisheitsvoll gewarnt — ich hab's auch vergessen.
OhneTaschen- tuch - Präludium kann sie nicht spielen. Den Fingern würde
etwas fehlen... sie würden unsicher sein. . . würden entgleisen . . .
„Helfen Sie ihr aus, Mecerino," entfährt es mir.
„Zum Teufel — na ja."
Dabei zieht er auch schon seine riesenhafte rotseidene Freudenflagge aus der Piquöweste. Im Nu ist sie Zum Knäuel geballt.
„Ums Himmels willen!" stoße ich aus und will hindernd seinen Arm fassen.
Zu spät. Meine Hand giebt seinem Ellbogen nur einen ungeschickten Stoß, der die Zielrichtung .
erschüttert. Die Rettungsboje fliegt, anstatt auf die Klaviatur, hart am Ohre der ahnungslosen Spatz vorbei und schießt, wie scharf gezielt, der Goldstein ins Gesicht. An ihrer Nase prallt die Kugel ab und kollert in die weiche Ruhestatt ihres Schoßes.
Wie eine getretene Natter zuckt sie auf. Im ersten Impuls greift sie nach der Nase, und dann schüttelt sie, das Geschoß mit Abscheu hinter sich schleudernd, zornsunkelnden Blickes die volle Faust gegen Mecerino. Der erwidert die öffentliche Feindseligkeit durch ein höhnisches Kompliment.
Die Goldstein pustet, die Goldstein faucht; sie hat für nichts andres Sinn und Gedanken als für den durch diesen Zwischenfall zur Flamme angefachten Haß gegen Mecerino.
Aus ihren Angen springen Schlangen — das Vergelt' ich dir noch heut'!
Unterdessen hatte die Spatz sich auf ihre Weise geholfen. Ohne Taschentuch ging's nun einmal
nicht; also ein kurzer Entschluß! Zum Erstaunen des Publikums erhebt sie sich noch einmal, wallt hinter den Flügel, und dort rafft sie, ihre obere Hälfte durch den geschmückten Flügel gedeckt, das Meergrüne seitlings empor und zerrt das Taschentuch aus dem Gemüsebentel.
Nun ist alles wieder in der Ordnung, nun kann sie beginnen. Endlich der erste Accord. Beruhigt schweifen meine Augen über die Bühne. Ich sehe, wie Isidor einen Blick des Einverständnisses mit Glasphyra wechselt, wie er mit leiser, vorsichtiger Bewegung sich vor das Mädchen dicht hinter die Goldstein schiebt, wie jenes noch einen Augenblick unschlüssig, ängstlich zaudert und dann zurückgleitet. . .
Wo ist Stenscewicz geblieben ? . . .
Die Spatz spielt. Sie spielt eines jener Ehopinschen Impromptus, die wie das Tonbild eines Liebeslendemains erscheinen, voll überquellenden Gefühls, voll graziöser Schelmerei. Sie spielt meisterhaft.
Plötzlich stockt die Passage. Ein Moment erschrockenen Abbrechens. . . alle Farbe entweicht ans dem Antlitz der Weltentrückten ... sie ist konsterniert,
konsterniert bis Zur Verwirrung. Doch sie faßt sich. Mit der Geschwindigkeit des elektrischen Funkens schleudert sie den Daumen der rechten Hand an verschiedenen Stellen der Tastatur empor, spielt weiter, wiederholt das Kunststück—und wieder — und wieder.
„Da klemmen sich ja Töne!" zischt Mecerino