Heft 
(1889) 24
Seite
401
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24.

Deutschland.

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auf nach'u Finkenkrug un fahren Karussell un würfeln. Un dann würfelst Du wieder alle zwölfe."

Die Polzin hatte horchend am Treppengeländer oben ge­standen nnd mit nnr zu geübtem Ohre jedes der Worte ge­hört, womit die Pittelkvw ihr Stinechen nnten an der Korri­dorthür empfangen hatte. Gleich danach aber, als sie die Thür nnten ins Schloß fallen hörte, war sie wieder in ihre Stube gegangen, wo sich Polzin eben zn seiner Nacht-Toilette rüstete. Bon einer solchen ließ sich wirklich sprechen, denn er trug, weil er andauernd an einem trockenen Husten litt, auch beim Zu­bettgehen eine schwarze, mit einem dicken Tuchstreifen gefütterte Militärkrawatte.

Nn," frng er, während er eben das Leder in die Schnalle schob.Js sie heil wieder da?"

Heil? WaS heißt heil? Die wird nich wieder."

Js eigentlich schade drum."

I wo. Gar nich . . . Das kommt davon."

Graf Saint-Simon-Sandricourt,

der Vater des Sozialismus.

Von

ArLHrrr Kteinschrniöl.

:edcr Freund französischer Memoirenlitteratnr kennt den ZH) Herzog von Saint-Simon und betrachtet seine Memoiren G als das getreueste Spiegelbild seiner an Vorzügen und Schwächen überreichen Zeit. Weit mehr noch dürfte ans die Bezeichnung eines Originals sein Vetter Claude Henri de Rouvroy, Graf von Saint-Simon-Sandrieonrt, Anspruch er­heben, der mit ihm manchen Familieuzug gemein hatte. In Paris am 17. Oktober 1760 geboren, rühmte er sich, von Carl dem Großen abzustammeu; die Grafen von Vermandois, seine Ahnen, leiteten sich ja von Carls unglücklichem Enkel, König Bernhard von Italien, her; gewissermaßen hielt er sich für den legitimen Erben der Krone Frankreich, für weit vor­nehmer als das regierende Hans Bourbon, und als er siebzehn Fahre zählte, ließ er sich täglich vom Kammerdiener mit den Worten wecken:Stehen Sie ans, Herr Gras, Sie haben Großes ansznführen!" Mit Recht sagt Paul Janet, um den Grafen St. Simon, diesen sonderbaren Typus in seiner ganzen Wahrheit nnd in seiner ganzen Uugefeiltheit zn schildern, be­dürfte es der Feder des Herzogs von St. Simon. Von Jugend an war St. Simon erfüllt von der Leidenschaft des Ruhms, Venn Drange vorwärts zn streben; seltene Energie, nnbeirrte Beharrlichkeit im Denken und Handeln zeichneten ihn ans nnd verließen ihn nie in seinem stnrmgepeitschten Dasein. Man gab ihn: die besten Lehrer, unter ihnen den großen d'Alembert, dessen Richtung bei dem lebhaften Knaben unaus­löschliche Liebe zur Wissenschaft anregte; philosophisch geleitet, entbehrte aber die Erziehung des regelrechten Ganges, der Methode. Er machte große Erwartungen rege und war ge­sonnen, sie alle zn überflügeln; das karolingische Blut ließ ihm keine Ruhe. Wie so viele französische Edelleute, ging er 1777 nach Amerika, um für die Freiheit gegen den Despotismus zu kämpfen, wurde Lafayettes Adjutant und zeichnete sich bei Porktown 1781 derart ans, daß er den Cinciuuatus-Orden erhielt. Ans der Heimfahrt wohnte er im April 1782 der Niederlage des französischen Geschwaders durch Admiral Rodney bei, wurde auf dem SchiffeVilla da lVrwst gefangen und bis zum Friedensschlüsse von 1783 aus Jamaika in Haft ge­halten. Als er Mexiko passierte, legte er dem Vicekönige ein Projekt zur Schiffbarmachung des In Partidv-Flusses vor,

wodurch der Atlantische und der Stille Ocean am Isthmus von Panama verbunden werden könnten, fand aber kühle Abwei­sung; so kann man ihn den Vorgänger von Lesseps nennen. Nach Frankreich heimgekehrt, wurde er Oberst im Regimente Aquitaine nnd St. Ludwigs-Ritter; der Garnisondieust ekelte ihn bald an; nachdem er einige Zeit Platzkommandant in Metz nnd auf der Genieschnle in Müziöres gewesen, verließ er das Heer. Er bekennt:Es war nicht mein Berns, Soldat zu seiu; ich fühlte mich zu einer sehr verschiedenen, ich kann wohl sagen entgegengesetzten Art der Thütigkeit hingezogeu. Das Ziel, das mir vorschwebte, ging dahin, den Gang des Men­schengeistes zu studieren, um dauu au der Vervollkommuuug der Civilisatiou zu arbeiten." Es drängte ihn, großartige Unter­nehmungen zu machen; er ging 1785 nach Holland und schlug eine vereinigte französisch-holländische Expedition gegen die britischen Kolonieen in Indien vor, fand Beifall und sollte unter Bouillüs Oberbefehl eine hervorragende Verwendung finden, als das Projekt zerfiel und er 1780 nach Frankreich heimkehren mußte. Ruhelos wie er war, tauchte er 1787 in Madrid ans nnd unterbreitete dem Grafen Cabarrus, Direktor der Carlsbank, das Projekt einer Verbindung Madrids mit dem Meere durch einen Kanal; Cabarrus war dafür, er und St. Simon legten es der Regierung vor, doch lehnte diese es ab und im Sturm der Revolution ward es begraben; hin­gegen errichtete St. Simon in Andalusien einen Diligeneen- dienst nach französischem Muster. Die Revolution brach über Frankreich herein; der Graf ließ sich in Falvy bei Pörönne, wo sein Gut lag, nieder, präsidierte der Wahlversammlung vom 7. Februar 1790 und redigierte die Adresse, in der die Wäh­ler des Kantons Marchü-le-Pot am 12. Mai d. I. die Na­tionalversammlung um Abschaffung des Adels baten. Er ver­lor mit dem Sturze des aircümi rügst no sein großes Vermögen und seine gesellschaftliche Stellung, ertrug dies standhaft und enthielt sich jedes aktiven Auftretens; er äußert sich:Ich wollte cni der Revolution keinen Anteil nehmen, weil ich einer­seits überzeugt war, das auaisu rügima könne nicht aufrecht erhalten werden, andererseits aber mich von der destruktiven Tendenz znrückgestoßen fühlte." Lebenslang bewahrte er einen instinktiven Widerwillen gegen alles bloß Zerstörende, und anderes fand er nicht an der Revolution. Ein unermüdlicher Projektenmacher für sich oder für andere, versuchte er finanzielle Spekulationen; volle sieben Jahre arbeitete er daran, den durch die Revolution verlorenen Reichtum wieder zu erhalten, betrach­tete denselben aber nicht als Ziel, sondern lediglich als Mittel; er wollteein großes industrielles Etablissement organisieren, eine große wissenschaftliche Schule gründen," das war sein Ehrgeiz. Aber es war unmöglich, denselben ans dem von ihm gewühlten Wege rein materieller Geschäfte zu befriedigen. Er hatte Spekulationen im großen mit Nationalgüteru begonnen nnd sich associiert mit Sigismund, Grafen Redern, dem 1841 verstorbenen preußischen Kammerherrn und Gesandten a. D. zu London. Sie erwarben die Nationalgüter im ganzen De­partement Orne, das große Hotel des Fermes in Paris u. s. w., doch unterbrach das Schreckensregiment ihre Thütigkeit, Redern verließ Frankreich, St. Simon kam als Adeliger in Haft und saß elf Monate in Ste. Pülagie und im Luxembourg, bis ihm der Sturz Nobespierres im Juli 1794 die Freiheit wiedergab. Unter den glücklichsten Konstellationen wickelte er nun die Geschäfte ab, Redern und er konnten die errungenen Liegenschaften noch in zum Emissiouspreise angenommenen Assignaten bezahlen und erzielten 1796 eine Rente von 150000 Frk. Aber für die Dauer konnten sie sich nicht vertragen, sie trennten sich 1797 und St. Simon erhielt nnr 144000 Frk. als seinen Anteil. Er glaubte sich übervvrteilt, protestierte und trat wiederholt, aber ohne allen Erfolg, klagend gegen Redern auf. Mit Spe­kulationen finanzieller Natur und mit dem Handelsstaud brach er für immer ab und warf sich ganz ans die Wissenschaften: er begann den Lebensabschnitt, der nicht mehr ihm allein an gehörte. Er mußte, den Vierzig nahe, seine eigentliche Lebens­arbeit erwählen nnd den hochgehaltenen Glauben an seine Kraft