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Deutschland.
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schutzes wert und würdig sein, sollte der Anarchist, welcher die Propaganda der That im Mostschen Sinne ausführt, sollte der irische „Jnvincible," der den Tower in die Luft sprengen will, den Anspruch darauf besitzen, dem verfolgenden Staate nicht überliefert zu werden? Die europäischen Völker müßten ein abgestumpftes Rechtsgefühl besitzen, um diese Frage bejahen zu wollen; wer sich ein gesundes Urteilsvermögen bewahrt hat, wird nicht zögern, dieselbe mit der größten Bestimmtheit zu verneinen. Gerade indem man das Asylrecht denjenigen Personen versagt, welche ein Recht darauf nicht besitzen, trügt man dazu bei, es zu befestigen, soweit es mit Fug °und Recht gewährt wird, und alle Angriffe zu verhüten, die sonst nicht mit Unrecht dagegen erhoben werden könnten. Es ist im Interesse der Ordnung in den europäischen Staaten dringend zu wünschen, daß das Vorgehen der Schweiz von allen übrigen befolgt wird; es würde alsdann den mit Mord und Brandstiftung die Heilung der sozialen Übelstünde anstrebenden Anarchisten etwas schwieriger werden, dem rächenden Arme der strafenden Gerechtigkeit zu entgehen und der thörichten Gesellschaft zu spotten, welche aus doktrinären Bedenken zögert, die Interessengemeinschaft aller Staaten an der Anfrechthaltnng der Weltrechtsordnung als ersten und obersten Grundsatz auf- znstellen.
Die elektrischen Strkchenlmlinen.
Von
Leo Sikberstein.
ch^n der Seele jedes Menschen spukt etwas vom Drang jenes wundersüchtigen Pedanten, jenes faustischen Wagner, der nur die Mitternachtsstnnde in dem Gewölbe seines Laboratoriums betroffen wird, da er eben in einer glashellen Retorte einen Homunenlus znsammenbrant. Es ist uns angeboren, ein halb kindischer Sinn, halb schöpferisches Behagen, unter unfern Fingern ein Wesen entstehen zu sehen, uns ähnlich, möglichst kraft- und sinnbegabt wie wir, aber ohne Eigenwillen, nur unserem Willen gehorchend. Und dieser ewig rege Zeugungstrieb, der in tausend Arten wiederkehrt, der sich in der Kunst zu rein geistigen Schöpfungen emporschwingt, er ist es, der sich auch zu Kompromissen mit der erfinderischen Notwendigkeit des Tages versteht, und dem jene Surrogate, die Automaten ältester und neuester Zeit ihren Ursprung verdanken. Dort eilt der stumme Knecht über die Stufen mit dem Eimer, das Bad zu füllen; hier steht er am Ambos und schwingt in eisernen Armen den zwanzig Tonnen schweren Hammer mit verblüffender, haarscharfer Genauigkeit; dann wieder prägt er den körperlosen Schall in sein wächsernes Gedächtnis oder trägt zu den Lieben in die Ferne die befreundete Stimme. Er tritt die Nähmaschine in dem Kämmerchen des Schneiders und rudert die schweren Panzerfregatten über das Meer. Er schleppt Licht und Wasser in alle Häuser, er regelt die öffentlichen Uhren, ja manchmal macht er sogar — leider — auch Musik. Und in allen diesen tausend Formen steckt immer der eine Proteus, der Homunenlus, das Geschöpf von Menschen- Gnaden, sein Wille unser Wille, sein Sinn unser Sinn — der verzauberte Besenknecht, der auf einen Wink des Hexenlehrlings wieder zum toten Besen wird — mit einem Wort die moderne Maschine.
Und nun kommt uns neuerdings eine Kraft zn Hilfe, die in ihrer geheimnisvollen Unsichtbarkeit, in ihrem wundersamen Wirken an das Rätsel der Lebenskraft erinnert, die Elektricitüt. Seitdem wir sie verwenden, schreiten wir, wie in einem Taumel, vom Seltsamen zum Seltsamen, und Kräfte scheinen in unsere Hand gegeben, die einem strenggläubigeren Geschlechte nur Attribute der Gottheit waren. Der Blitz leuchtet in unserer Faust und nbsterbenden Muskeln flößen wir wieder neues Leben
ein. Wir schalten das Pferd, das Zugtier ans dem Wettbetrieb ans, und geben dem Wagen scheinbar ein eigenes Leben, und nun gleitet er dienstfertig durch die Straßen, auf einen Wink sich sputend, auf einen Wink stehen bleibend, ein artiger Automat, in gewissem Sinn ein Hmminculus. ^in vierjähriges Kind rief beiin Anblick eines solchen Wagens in Mödling bei Wien: „Mama, sieh' die lebendige Eisenbahn!"
Die elektrischen Straßenbahnen sind unserer Aufmerksamkeit näher gerückt, seitdem wir erfahren, daß die Große Berliner Pferdebahngesellschaft mit den Elektrieitütswerken in Unterhand- lnngen steht, welche den elektrischen Betrieb ans einer Versuchsstrecke bezwecken. Es ist die Bahnlinie Friedrichstraße- Kreuzberg, also eine inmitten des regsten Verkehrs der Stadt liegende Strecke. Je zwei Wagen sollen aneinander gekoppelt werden, und nur der eine von ihnen mit einem Motor versehen sein, welcher unter dem Wagenkasten zwischen den Nädern Platz findet. Dieser Motor treibt die Rüder. Seine Triebkraft erhält er durch einen Draht zugeleitet, der in der Höhe über dem Wagen durch die Straßen gespannt ist und nach der Centralstation führt. Hier stehen die gewaltigen Elektricitüts- Erzeuger, die riesigen Dynamomaschinen, die mit mehreren tausend Pferdekrüften getrieben werden. Diese treibenden Kräfte werden von Dampfmaschinen entwickelt.
Man hat die erste Hälfte dieses Jahrhunderts als die Epoche des Dampfes bezeichnet, und die zweite Hälfte als die Epoche der Elektricitüt. In Wahrheit ist es noch immer der Dampf, der treue Ekhard, ohne den kein Schritt in der Technik gemacht wird. Ja man kann bis heute im großen und ganzen sagen: Ohne Dampf keine Elektricitüt. Man verwendet zwar auch Wasserkräfte, aber diese stehen eben nicht überall, nicht so unbedingt und mit nicht so verläßlicher Gleichmäßigkeit zur Verfügung. Die Wasserlüufe wechseln ja ihre Mengen in den verschiedenen Jahreszeiten oft in ganz fataler Weise. Und die Ausbeutung der riesigen Katarakte des Rheins und Niagaras gehören noch zum größten Teil zu den guten Absichten, die nur langsam verwirklicht werden. Ja, wenn man sich vom Dampf emanzipieren könnte, welches ein sehr unwirtschaftliches und sehr verschwenderisches Mittel und doch das einzig praktische ist, Kraft ans Wärme zn gewinnen. Von dem Kraftgehalt des schwarzen Diamanten, der Kohle, kommen nur etwa acht Prozent zur Geltung, während zweiundneunzig Prozent, sage ganze zweinndnennzig Prozent, für die Kraftgewinnnng verloren gehen. Und doch muß die Menschheit mit den Pfunden, welche die Natur ihr anvertraut hat, wuchern. Sie muß bei jedem Pfennig, den sie gewinnt, die Doppelkronen berechnen, die sie mit Hilfe einer fortgeschrittenem Wissenschaft noch herausschlagen könnte. Schon beginnen die Engländer ängstlich die Jahrhunderte abzuschützen, in welchen ihre Kohlenbergwerke erschöpft sein werden. Auch die elektrischen Straßenbahnen werden, im Grunde genommen, nur mit Dampf betriebeu.
Eine Kraft, welche die Straßenbahnwagen besser und billiger als Pferde getrieben Hütte, wäre die Lokomotive. Eine Lokomotive ist eine reisende Dampfmaschine; sie hat daher auch alle Unbequemlichkeiten, welche ein Ding nur haben kann, das man für die Notdurft der Reise bestimmt, und deshalb möglichst kompendiös Herstellen läßt. Sie muß in möglichst engein Raum raschen und vielen Dampf erzeugen, und kann wiederuni die Spannung des erzeugten Dampfes nicht bis auf den letzten Kraftgehalt ausnützen, weil diese Ökonomie zu komplizierte Einrichtungen erfordern würde. Dann muß die Lokomotive sich selbst überall mittransportieren, was den Kraftverbrnuch erheblich steigert. Und sie muß desto schwerer sein, je. schwerer die nützliche Ladung ist, die sie zn befördern hat. Denn die gefüllten Wagen würden nicht von der Stelle weichen und sie zurückhalten, statt von ihr gezogen zu werden, gerade so wie ein schwerer Mann das Kind zurückhält, das ihn ziehen will. Die Lokomotive würde dann, von der Kuppelkette festgebannt, an demselben Platze stehen bleiben und ihre Räder lustig und vergebens surren lassen. Diese überflüssige und doch notwendige Schwere (miteingeschlossen das Eigengewicht der Waggons)