Theodor Fontane an Paul Schlenther| Möller | 43 fertigt und in Abschriften-Konvoluten gesammelt. 63 Natürlich hat Schlenther als Freund der Familie, Mitglied der Nachlasskommission und Mitarbeiter an den Nachlassausgaben die in seinem Besitz befindlichen Briefe Fontanes zur Abschriftnahme zur Verfügung gestellt. Die Abschriften gehen also ebenfalls auf Materialien zurück, die vermutlich in den Schlenther-Conrad-Nachlass eingegangen sind. Jedenfalls ist nichts darüber bekannt, dass sich Schlenther oder seine Frau von diesen Briefen getrennt hätten. Da die Originale der Briefe heute bis auf Ausnahmen verschollen sind, waren diese Briefabschriften die Grundlage für die meisten bisherigen Edi tionen von Briefen Fontanes an Schlenther und Conrad. Auch Frederick Betz und Hans Ester griffen für ihre 1994 in den Fontane Blättern publizierte Ausgabe von unbekannten Briefen Fontanes an Schlenther auf diesen Bestand zurück. 64 Die Abschriften waren in der Regel zunächst vollständig und meist zuverlässig. Für die von den Erben verantworteten Nachlass-Ausgaben wurden die Brieftexte allerdings in einer Weise redigiert, die wissenschaftlichen Editionsprinzipien nicht entsprach, gekürzt, ergänzt, mit anderen Texten kontaminiert. Die Redaktion ist teilweise an den Abschriften nachvollziehbar, andere Abschriften überliefern nur die gekürzten Textfassungen. Gegenbriefe Schlenthers und Conrads an Fontane sind nicht überliefert. Fontane hat empfangene Post nur in Ausnahmefällen aufgehoben. Teilweise wurden die Korrespondenzstücke makuliert und sind durch eine Zweitverwertung(Beschriftung der Rückseiten) in Manuskripten Fontanes überlie fert. 65 Abschriften der drei neu erworbenen Briefe haben sich im Fontane-Ar chiv nicht erhalten. Wenigstens für den ersten, 1943 publizierten Brief, ist also anzunehmen, dass eine Abschrift verlorengegangen ist. 3. Ein originärer Bestand von Korrespondenz der Erben Fontanes mit Schlenther findet sich im Archiv des Verlags von F. Fontane& Co. In diesen Briefen geht es um das Wirken der Nachlasskommission, um die Nachlasseditionen von Briefen und Schriften Fontanes und um die Gesamtausgabe, 63 Klaus-Peter Möller: Blaustift, Schere, Klebepinsel. Die Abschriftenkonvolute im Theodor-Fontane-Archiv historisch-kritisch betrachtet. In: Fontanes Briefe im Kontext. Im Auftrag des Theodor-Fontane-Archivs u. der Theodor Fontane Gesellschaft e. V. hrsg. von Hanna Delf von Wolzogen und Andreas Köstler. Würzburg: Königshausen& Neumann 2019, S. 91–123. 64 Betz, Ester 1994, wie Anm. 7. 65 Auf diese Weise wurde beispielswiese der Brief von Paul Michaelis und Paul Schlenther an Fontane vom 22. April 1895 im Manuskript von Oceane von Cadoudal überliefert (Klaus-Peter Möller: Aus Fontanes Papierkorb. Zuschriften und Briefentwürfe im Manuskript»Melusine von Cadoudal«. In: Fontane Blätter 114,[2022], S. 89–134).
Heft
(1.1.2025) 119
Seite
43
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