Heft 
(1.1.2025) 119
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Unbekanntes Quellenmaterial aus Fontanes Kreuzzeitungs-Zeit| Venzl | 49 nicht zur Verfügung steht. Merbach berichtet, dass ihm Friedrich Fontane »aus seines Vaters Nachlaß in dankenswerter und unermüdlicher Weise die wichtigsten und wertvollsten Aufschlüsse gegeben«(Merbach I) habe. Mer­bach zitiert Stellen aus Fontanes Tagebüchern, die von Charlotte Jolles meist nicht dokumentiert wurden und sich demgemäß auch nicht in den Exzerp­ten aus den verschollenen Tagebüchern finden. Daneben zitiert Merbach aus zwei Briefen Tuiscon Beutners, mit denen der Nachfolger Hermann Wage­ners als Chefredakteur der Kreuzzeitung auf Fontanes Briefe vom 3. und 11. Juni 1857 antwortete. Außerdem teilt Merbach einen Brief des Kreuz­zeitungs -Redakteurs George Hesekiel vom 10. Oktober 1864 an Fontane so­wie ein Gedicht Hesekiels auf Fontane aus dem Mai 1873 mit. Die sogenannte Kreuzzeitungs -Zeit gilt als eine zentrale Phase in Fonta­nes politischer Entwicklung. Dass er als ehemaliger 1848er-Revolutionär in das gouvernementale Literarische Cabinett und die Centralstelle für Preß­angelegenheiten wechselte und später für die Kreuzzeitung arbeitete, wird gemeinhin so Jolles mit einer repräsentativen Formulierung durch»Wi­dersprüche in Fontanes politischer Entwicklung « 4 erklärt. Ob er aus»Über­zeugungsgründen« 5 ins konservative Lager wechselte oder ob er sich auch in dieser Phase eine»urdemokratische Intuition« 6 bewahrte, ist bis heute umstritten. Neues Quellenmaterial aus Fontanes Kreuzzeitungs -Zeit kann dazu beitragen, diese intrikate Phase des Autors künftig zu erhellen. Im Hin­blick auf die folgende Dokumentation und Kontextualisierung dieser Quel­len ist anzumerken, dass Merbach oftmals ungenau zitiert. Dies wird anhand seines laxen Umgangs mit andernorts ediertem Material deutlich und ist bei den Formulierungen, die nur bei ihm überliefert sind, zu bedenken. 1. Tagebuchnotizen Der Zeitungsartikel von Alfred Merbach enthält einige Tagebuchnotizen Fontanes, die in den entsprechenden Bänden der Großen Brandenburger Aus­gabe Fontanes nicht verzeichnet sind. Es handelt sich um folgende Episoden aus seinem Alltag in der Zeitungsredaktion: Am 22. Oktober 1860, aus seiner Sicht ein»wichtiger Zeitungstag«(Mer­bach II), notiert Fontane:»Wortlaut der preußischen Note nach Turin; tele­4 Charlotte Jolles: Theodor Fontane. 4. Aufl. Stuttgart, Weimar 1993, S. 7. 5 Hubertus Fischer: Wendepunkte. Der politische Fontane. In: Hanna Delf von Wolzogen (Hrsg.): Theodor Fontane. Am Ende des Jahrhunderts. Würzburg 2000. Bd. 1, S. 21–33, hier S. 29. 6 Iwan-Michelangelo DAprile:»Bäcker Roesike statt Humboldt«. Theodor Fontane, die Revolution und die Demokratie. In: Theodor Fontane: Nur in Freiheit wird man frei. Köln 2023, S. 7–20, hier S. 17.