50 | Fontane Blätter 119| Materialien graphische Depeschen aus Warschau; die Erlasse über die Neugestaltung Oesterreichs«(Merbach II). Fontane nimmt hier Bezug auf Ereignisse und Folgen des Zweiten Unabhängigkeitskriegs Italiens: Nach der Schlacht am Volturno am 1. Oktober 1860 zeichnete sich der Untergang des Königreichs Neapel und die baldige Ausrufung des Königreichs Italien mit maßgeblicher Beteiligung des vormaligen Königreichs Sardinien ab. 7 Preußen sandte daraufhin am 13. Oktober 1860 eine Note in die sardinische Hauptstadt Turin, in der es sich gegen den nationalen Souveränitätsanspruch aussprach. 8 Die Niederlage im italienischen Unabhängigkeitskrieg bedeutete auch das Ende des österreichischen Neoabsolutismus und führte zum sogenannten Oktoberdiplom vom 22. Oktober 1860, 9 durch das Franz Joseph I. die innenpolitische Krise des Landes bewältigen wollte. 10 Am 2. Januar 1861 diagnostiziert Fontane im Blick auf die Redaktion der Kreuzzeitung :»große Aufregung«(Merbach II). An diesem Tag war der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der aufgrund einer schweren Erkrankung bereits jahrelang von seinem Bruder Wilhelm vertreten worden war, gestorben. 11 Weit mehr als ein halbes Jahr später, Anfang Oktober 1861, spricht Fontane von»75 Taler Gehalt« und der Parade des nunmehrigen Königs Wilhelm I., wozu er an der»Ecke der Landsbergerstraße und der kleinen Frankfurterstraße ein Fenster für 13 Taler gemietet« 12 habe(Merbach II). Es dürfte sich hier entweder um die Parade vom 6. oder vom 8. Oktober handeln, die jeweils in Berlin stattfanden. 13 7 Vgl. zu den Hintergründen Rudolf Lill: Geschichte Italiens in der Neuzeit. 4. Aufl. Darmstadt 1988, S. 168–180. 8 Preußische Note an Sardinien über die italienische Frage. 13. Oktober 1860. In: Auswahl wichtiger Aktenstücke zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Zusammengestellt von Oskar Jäger, Franz Moldenhauer. Berlin 1893, S. 343 f. 9 Vgl. Kaiserliches Manifest vom 20. October 1860. In: Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich(1860), S. 335, und Kaiserliches Diplom vom 20. October 1860, zur Regelung der inneren staatsrechtlichen Verhältnisse der Monarchie. In: Ebd., S. 336–338. 10 Vgl. für den Zusammenhang Harm-Hinrich Brandt: Der Österreichische Neoabsolutismus. Staatsfinanzen und Politik 1848–1860. Bd. 2. Göttingen 1978, v. a. S. 963. 11 Vgl. für ein Porträt etwa Winfried Baumgart: Friedrich Wilhelm IV.(1840–1861). In: Frank-Lothar Kroll(Hrsg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. München 2009, S. 219–241. 12 Diese Stelle wurde bereits einmal zitiert in Streiter-Buscher, wie Anm. 3, S. 46. 13 Vgl. Journaleinträge zwischen 1. Oktober 1861 und 31. Oktober 1861. In: Praktiken der Monarchie. Hrsg. vom Akademienvorhaben»Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel(1786–1918)«, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin, Version 8 vom 29.02.2024. https:// actaborussica.bbaw.de/v8/P0007688(Abrufdatum: 12.09.2024).
Heft
(1.1.2025) 119
Seite
50
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten