Heft 
(1.1.2025) 119
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Unbekanntes Quellenmaterial aus Fontanes Kreuzzeitungs-Zeit| Venzl | 57 begeisterungslosen Speckhökerthums bedienen wird, um Asien zu chris­tianisieren oder daß er vorhat, irgend einen Galgenvogel aus der Warren Hastings-Schule zum Gottfried von Bouillon zu machen. Solche Meinungsverschiedenheiten, wie sie aus dem Vorstehenden erhel­len, erschweren natürlich eine Mitarbeiter- oder Correspondentenschaft; es hat aber nicht sein Bewenden bei diesen Uebelständen. Worüber soll man schreiben? Der Stoff ist freilich außerordentlich reich, aber Schlesin ­ger-Kauffmann erschöpfen ihn nichtsdestoweniger und wenn sie das eine oder andere fortlassen oder übersehn, so kann das der Privatkorres­pondent vorher nicht wissen. An Raisonnement aber ist bekanntlich kei­ner Redaktion viel gelegen. In dieser Noth hab ich angefangen umherzu­laufen, zu sehn und hinterher zu schildern , aber theils hab ich in diesen Schilderungen ganz und gar nicht den Ton getroffen den Sie wünschen, theils haben mich solche correspondenzlichen Geschäftsgänge ein Quantum Geld und Zeit gekostet, was in keinem Verhältniß zu dem dabei Gelernten oder zur Honorar-Einnahme steht. Dies alles bestimmt mich, die Sache wieder aufzugeben und mich Arbeiten zuzuwenden, von denen man innerlich mehr hat und denen gegenüber entweder überhaupt nicht von Wandlungen die Rede sein kann, oder die einem wenigstens gestat­ten, diese Wandlungen im Stillen vorzunehmen. Vielleicht ist das ganze Correspondenten-Institut vom Uebel und jede gute Redaktion hat nicht nur das Recht, sondern eine Art Pflicht, sich ihre Correspondenzen selber zu machen. Auf diese Weise kommt Einheit in die Sache, die unter ande­ren Umständen nur möglich ist, wenn der Correspondent sich jeder selb­ständigen Ansicht begiebt und einer laut oder still gegebenen Ordre folgt. Für den Fall, daß Sie anders über diese Punkte denken, wiederhol ich mein obiges Anerbieten, bei Engagement eines Nachfolgers nach Kräften thätig zu sein. Es ist allerdings sehr schwer. Ich erlaube mir heut abermals einen Brief meines City-Freundes beizu ­schließen. Seine Befürchtungen sind, so viel ich weiß, durchaus nicht vereinzelt. Vielleicht aber ist es nicht gut, sie auszusprechen. Mit besonderer Hochachtung, geehrter Herr Doktor, Ihr ganz ergebenster Th. Fontane. 20 Ohne Beutners Antwortbrief abzuwarten, sandte Fontane am 7. Dezember 1857 rasch einen weiteren Brief hinterher, in dem er neben einer technischen Honorarfrage auch seine Wünsche in Bezug auf die künftige Beziehung zur Kreuzzeitung erläutert: 20 Theodor Fontane an Tuiscon Beutner, 23.11.1857. In: HFA IV, 1. 1976, S. 596–598.