Heft 
(1.1.2025) 119
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60 | Fontane Blätter 119| Materialien anderen Ausstellungsobjekte»charakterisiert«. 25 Am Tag darauf schrieb ­George Hesekiel einen Brief, den er an den»lieben Lafontaine«(Merbach II), Fontanes Namen im Tunnel über der Spree , adressierte. Hesekiel nimmt in diesem Brief nicht nur auf den Artikel vom Vortag, sondern auch auf Fonta ­nes Rezension seines 1864 erschienenen zweibändigen Romans Die Dame von Payerne Bezug. Anhand beider Texte reflektiert Hesekiel über Fontanes Stil als Kunstkritiker und diagnostiziert eine Tendenz zur»hyperästheti­schen Krittelei«(Merbach II), die einmal ausgesprochenes Lob stets relati­viere. Im Brief wird eine typisierende, so nicht vorliegende Formulierung angeführt; in der Rezension heißt es beispielsweise, dass das Romanthema des» Vasallengefühl[s] « einen»Schatz von Poesie« berge,»ohne daß man die Sache selber wieder haben möchte«. 26 Aus diesem Brief, bei dem es sich nach aktuellem Kenntnisstand um die einzige Briefkommunikation zwischen Fontane und Hesekiel handelt, teilt Merbach folgenden Auszug mit: Ich habe gestern Abend Deinen Artikel über die Ausstellung in der Akade­mie(9. Oktober 1864) gelesen und fühle mich gedrungen, Dir darüber ei­nige Bemerkungen zu machen, die Du meiner Freimütigkeit und meiner Verehrung für Deine Gaben zu Gute halten mußt. Zuerst hätten meiner Ansicht nach zwei tapfere und treue Royalisten, die zugleich doch auch anerkannte Meister, Camphausen und Kretschmer, in dem Hauptorgane ihrer Partei wenigstens da mehr Schonung verdient, wo die Verdienste von paar gräulichen Democraten, wie Menzel und Bleibtreu, so glänzende Anerkennung fanden! Glaube nicht, daß ich mich da von meinen persön ­lichen Empfindungen zu weit führen lasse, ich kann freilich Menzel nicht leiden, der mir mit seinen spitzen Wirbeln in die Augen sticht und mich mit seinen grellen Farben verletzt, und Bleibtreu ist meines Erachtens trotz seines Talentes, das ich ihm so wenig wie Menzel abspreche, nur ein Maler für Turner und liberale Stadtverordnete; aber Leute, die Menzel und Bleibtreu schätzen, haben dieselbe Empfindung bei der Lektüre Dei ­nes Artikels gehabt. Doch das ist Nebensache; die Hauptsache ist, daß Du in Deiner ästhetischen Einfältigkeit, in Deiner künstlerischen Angst, zu viel zu sagen, jedes Lob, was Dein Vordersatz spendet, durch einen Zu­und Nachsatz zum Teil wenigstens zurücknimmst; das macht vorzüglich da einen unangenehmen Eindruck, des Krittelers und Mäklers, wo du das 25 Theodor Fontane: Berliner Kunstausstellung III. Camphausen; H. Kretzschmer; Fritz Schulz. Über Schlachtenmalerei. In: NFA. Bd. 23.1, S. 264–275, hier S. 264. 26 Vgl. Theodor Fontane: Ein Roman von Hesekiel. In: Neue Preußische(Kreuz-) Zeitung, Nr. 223, 23.09.1864, Beilage, und George Hesekiel: Die Dame von Payerne. 2 Bde. Berlin 1864.