Unbekanntes Quellenmaterial aus Fontanes Kreuzzeitungs-Zeit| Venzl | 61 genus[…] tadelst[…] oder lobst[…] dann aber das genus herabsetzt. Ich bemerke Dir das hauptsächlich, weil dadurch Dein Stil überhaupt entschieden leidet: die Reservationen, Zusätze, Einwendungen machen ihn zu dem, was die Franzosen haché nennen. Ich meine so:»Das Bild ist gut, wenn überhaupt«, 27 und ähnliche Wendungen, die weiter nicht sollen, als Dir den Rückzug aus dem Lobe decken. Früher schriebst Du nicht so, seit wann, weiß ich nicht; mir fiel das zuerst auf, als es mich persönlich traf, nämlich in Deiner Recension meiner Dame von Pryenne[sic](hier höre ich Dich spöttisch lachen und ausrufen: jetzt kommt die Hauptsache! Aber Du irrst Dich gewaltig!), da war auch das gespendete Lob jedesmal von einer Reservation begleitet und wo Du meine Mache gelten ließest, verteidigte Dich stets ein Zusatz gegen den schrecklichen Verdacht, daß Du jene gräßliche Zeit der Lehnstreue und Dolche, der Entführungen und venetianischen Gläser lieben könntest, und schließlich war’s sehr gnädig, daß Du zugabst, sogar jene Zeit dürfe poetisch behandelt werden. So gestaltete sich eine Anzeige, in welcher, wie ich überzeugt bin, Du mir nur Freundliches hast sagen wollen. Du weißt, daß ich nicht eitel bin auf meine Romane, ich habe Dir oft genug gesagt, wie wenig Wert ich auf diese Schöpfungen lege, Du mußt mir also glauben, wenn ich Dir erkläre, daß wirklich nicht verletzte Persönlichkeit aus mir spricht, sondern das Interesse für Dich: ich sehe Dich, wie früher zuweilen in Gesprächen, jetzt auch in Deinen Artikeln einer hyperästhetischen Krittelei verfallen und vor diesem Abwege möchte ich Dich warnen! Also nichts für ungut! (Merbach II) 3. George Hesekiels Gedicht auf Fontane Aus dem Mai 1873 datiert ein Gelegenheitsgedicht George Hesekiels auf Fontane. 28 Es belegt, dass Fontane auch nach seinem Ausscheiden aus der Kreuzzeitung in den sozialen Zirkeln dieser Zeitung verkehrte und von der Redaktion als Gesprächspartner und Freund geschätzt wurde. 27 Hierbei handelt es sich nicht um ein wörtliches Zitat, sondern nur um eine erfundene Formulierung, mit der Hesekiel das Muster andeuten will, das ihm für Fontanes Stil typisch zu sein scheint. 28 Dieses Gedicht ist in der einzigen längeren Studie über Hesekiel nicht erfasst. Vgl. Otto Neuendorff: George Hesekiel. Berlin 1932.
Heft
(1.1.2025) 119
Seite
61
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