Heft 
(1.1.2025) 119
Seite
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334 | Fontane Blätter 119| Rezensionen Dem von Delf von Wolzogen editionsphilologisch und interpretatorisch wegweisend erschlossenen Erkenntnisfortschritt der Studie steht das programmatische Begriffs- und Interpretationskonzept» Metaphysischer Realismus « betreffend noch ein zweiter, nicht minder wegweisender For ­schungsimpuls und Diskursansatz(aus thematisch benachbarter jüngster Raabe-Forschung) zur Seite: die vor einigen Jahren erschienene Habilita­tionsschrift des dänischen Literaturwissenschaftlers Søren R. Fauth mit fast wortgleichem Haupttitel: Der metaphysische Realist. Zur Schopenhau­er-Rezeption in Wilhelm Raabes Spätwerk (2007; 510 S.). Raabe als» metaphy­sischer Realist« (Fauth 2007) also und» Metaphysischer Realismus « Fontanes (Wege 2023): Erstaunlich ist die forschungsinnovative Aufeinanderfolge und Koinzidenz beider Meilensteine . Immerhin betont die Verfasserin, wenngleich eher versteckt und beiläufig(S. 632, Anm. 32), Fauths Buchpub ­likation erst bei Überarbeitung ihrer Habilitationsschrift für den Druck zur Kenntnis genommen zu haben, postuliert insgesamt aber, nach gleichwohl ausführlicher und zustimmender Würdigung der»bahnbrechenden Arbei­ten« Fauths(S. 632), als Zielvorstellung ihrer eigenen Studie, den»Geltungs­anspruch« des Begriffs Metaphysischer Realismus literarhistorisch-epo­chenkontextuell»auszuweiten« und alternativ zu Bürgerlicher Realismus und Poetischer Realismus zu globalisieren. Einer philosophisch vielleicht nicht immer hinreichend vorgebildeten Leserschaft entgegenkommend, erläutert die Verfasserin im Kapitel »Schopenhauers Willensmetaphysik im Überblick« sämtliche in den»Werk­analysen« Fontaneschen Erzählens interpretationsrelevanten philoso­phischen Grundbegriffe, Sachaspekte und Problembezüge. Auf dem Hinter ­grund der zentralen Dualismen Wille /Vorstellung, Idealismus/Realismus (erkenntnistheoretisch), Wille/Intellekt (»Psychologie des Willens«, Charak­terlehre) wird vor allem hervorgehoben Schopenhauers Interesse an»wil­lensdurchdrungenen Wirklichkeitsbereichen« wie Natur, Charakter, Leib, Sexualität, Spuk, Kunst, Verbrechen(»Metaphysik der Natur«) als»Stufen der Objektivation des Willens«, in der Natur des Menschen dabei insbeson­dere: Luft, Atmung, Herz, Blut, Nerven, Geschlechtstrieb. Analog gleichar ­tig konkretem Interesse Fontanes an der Realwelt, so ein Zwischenfazit der Verfasserin, erweise sich Schopenhauers Metaphysik des Realen und der ­Natur als eigentlicher Kontext für Fontanes metaphysischen Realismus. Im Zuge entsprechender Auswertung weiterer willenspsychologischer Grund­begriffe erfolgt ein zweites Zwischenfazit: Schopenhauer als Vordenker Freuds ; seine Metaphysik des unbewussten Willens(Grundkonflikt Intel ­lekt/Wille, moralisch/unmoralisch) als konzeptionelle Vorwegnahme der Psychoanalyse des Unbewussten(Konfliktdynamik, Ich/Es/Über-Ich, ­Libido- und Kulturtheorie). Rezeptionsliterarisch relevant zeigt sich nicht zuletzt auch, wie facettenreich dargelegt wird, Schopenhauers willens­psychologischer Diskurs über»Glück«(»Eudämonie«) und»Spuk«(als