Heft 
(1.1.2025) 119
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Metaphysischer Realismus| Rohse | 335 »praktische Metaphysik«) wie ebenso die Themenkomplexe Ästhetik, Mys­tik, Religion und Christentum ein im Blick auf Fontanes Erzähluniversum insgesamt aufschlussreiches Panorama metaphysisch-weltimmanenter Transzendenz. Im Übergang zu den»Werkanalysen« klärt das Kapitel»Methodik« Prä­missen und Verfahrensweisen eigener Textinterpretation: close reading durchweg als Voraussetzung kontinuierlicher und genauer Textanalyse, in­terpretatorisch vertieft durch Aufweis intertextueller und referenzieller Be ­züge jeglicher Art und Provenienz, wobei dem Verhältnis von Intertextualität (Text/Text-Beziehungen) und Referenzialität (Anspielungen, Zitate, M otive, Symbole, Mythen) besondere Aufmerksamkeit gilt. Im eigentlichen Haupt­teil der Studie, den»Werkanalysen«(weit mehr als 400 Seiten), ist bereits die Kapitel-Abfolge nach dem Kriterium»willensphilosophischer Dichte« werk­thematisch wie rezeptionsanalytisch aufschlussreich: I. Werke mit starkem willensphilosophischem Profil: Ellernklipp, Onkel Dodo, Cécile, Unwieder­bringlich, Melusine, An der Kieler Bucht, Oceane von Perceval, Der Stechlin ; II. Kriminalerzählungen mit mittlerem willensphilosophischem Profil: Un­term Birnbaum, Quitt ; III. Paar-Erzählungen mit mittlerem willensphiloso­phischem Profil: LAdultera, Schach von Wuthenow, Graf Petöfy, Irrungen, Wir­rungen, Frau Jenny Treibel, Effi Briest, Mathilde Möhring ); IV. Werke mit schwachem willensphilosophischem Profil: Vor dem Sturm, Grete Minde, Die Poggenpuhls , Fragmente. Jedes dieser 22 Kapitel ist eine Entdeckungsrei­se, deren immenser Beobachtungs- und Erkenntnisreichtum zu würdigen im hier vorgegebenen Rahmen kaum möglich ist. Ein Beispiel für viele ist Céciles Begegnung mit dem Neufundländer »Boncœur« und dem Quedlinburger Hundegrab, in der zentrale Aspekte von Schopenhauers Mitleids- und Tierethik(Einfühlungsvermögen, Mitleid, Treue, Herzensgüte; kontemplative Erkenntnis metaphysischer Mensch/ Tier-Identität:»dieses Lebende bist du«, S. 254) sichtbar werden. Zugleich wird das Tiermotivs als»Teil der heiligen Aura Céciles«(S. 253) deutlich, wo­bei die»heilige Cäcilie von Raphael« als ikonisches»Sinnbild« willensbe­freiter Schönheit schon in der Ästhetik Schopenhauers(S. 296 f.) die poeti­sche Namensymbolik der Romanheldin als weltimmanent natürlicher Heiligenfigur präformiert. Eindrucksvoll ist auch die Figurenanalyse der Tiermalerin Rosa Hexel in ihrer»Doppelidentität als Malerin und Hexe« (S. 255 ff.). Die meist tierbezogene Kunst- und Naturbetrachtung(»wil ­lensbefreite Kontemplation und Selbsterkenntnis«) ermöglicht Cécile einen »speziellen Zugang zum Metaphysischen«. Über ihre hellseherischen Fähig­keiten und Ausdeutungen ortstypischer Sagen und Spukgeschichten(als willensmetaphysisch untrüglichem»Vorspuk« Gordonscher Erotikmanöver und Todesnähe) vermag Rosa Hexel zudem zukünftige Ereignisse, beson­ders in Bezug auf Gordons Liebeseklat und Duelltod, vorherzusehen. Höchst verdienstlich schließlich ist der Versuch der Verfasserin, in einem eigenen