Heft 
(1.1.2025) 119
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338
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338 | Fontane Blätter 119| Rezensionen Grenzüberschreitungen in Theodor Fontanes Werk. Sprache, Literatur, Medien. Herausgegeben von Claudia Buffagni, Maria Paola Scialdone. Berlin, Boston: De Gruyter 2023(Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft, 16). 566 S. 129,95 Seit der spatial turn die Literatur-, Kultur- und Sprachwissenschaften er­fasst hat, haben Forschungsarbeiten zu Grenzziehungen und Grenzüber­schreitungen, zu Schwellen und Übergängen Konjunktur. Sie nehmen zu­meist theoretische Anleihen bei Michail M. Bachtin und Jurij M. Lotman, Michel Foucault und Michel de Certeau, womit in vielen Fällen eine meta­phorische Auffassung von Grenze einhergeht, da sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Oppositionen und Ambivalenzen, Juxtapositionen und Dicho­tomien in semantischen Räumen richtet. Entsprechend breit ist denn auch die thematische Spannweite der 30 Bei ­träge zu diesem umfangreichen, über 560 Druckseiten starken Tagungs­band, den Claudia Buffagni, Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Università per Stranieri di Siena, und Maria Paola Scialdone, Profes­sorin für Neuere Deutsche Literatur an der Università degli Studi di Macera­ta, herausgegeben haben. Das Spektrum reicht vom Früh- bis zum Spätwerk, von einer intersemiotischen Analyse der Sinnesschwellen in Fontanes Ge­dicht Die schöne Melodie (1840), die Christina Tappatà beisteuert, bis zu den Erinnerungsorten in Der Stechlin (1897/98), denen Lázló V. Szabó nachgeht. Seinem Fokus auf geographisch-historische Grenzüberschreitungen steht der Schwerpunkt jener Aufsätze gegenüber, die soziomoralische Grenzzie­hungen thematisieren. Für sie ist von grundlegender Relevanz, was Valenti­na Serra in ihrer Studie zum Kolonialdiskurs im realistischen Erzählen be­merkt:»Die Grenzüberschreitung entspricht in Fontanes Werk oft dem überwältigenden Bedürfnis des Menschen nach Befreiung vom sozialen Kor ­sett, das im Gegensatz zu seinen Wünschen steht«(S. 430) und zumeist auch ein moralisches Korsett darstellt. Entstanden sind die Beiträge anlässlich einer Zusammenkunft im Fonta ­ne-Jubiläumsjahr 2019, von der es im Geleitwort von Iwan-Michelangelo DAprile nicht ohne Stolz heißt, dass sie die größte ihrer Art in einem nicht-deutschsprachigen Land war. In der Tat bietet der Band eine beeindru ­ckende Leistungsschau gerade wenn auch nicht ausschließlich der itali­enischen Fontane-Forschung. Zu den 19 Beiträgen aus Italien kommen 11 weitere von Teilnehmer:innen, die aus der Bundesrepublik, aus Ungarn, Bulgarien, Griechenland und aus den Vereinigten Staaten zum Tagungsort gereist waren. In ihrer Einleitung weisen Buffagni und Scialdone zum einen auf die ge ­sellschaftlichen Mechanismen der Inklusion und Exklusion hin, die Fontane in seiner Zeit am Werk sah, zum anderen heben sie auf die zunehmende Mo­bilität von Menschen, Gütern und Ideen ab, die im Ergebnis zu einer Infrage­stellung dieser Mechanismen führte. Den Grenzziehungen, die Inklusionen