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„Das ist die Redensart aller abgefeimten Verbrecher, sie verlegen sich zunächst einmal aufs Leugnen. Aber er wird schon vor Gericht erfahren, was er verbrochen hat und dann wird das Leugnen nichts mehr helfen."
„Man wird mich vor Gericht stellen? Warum hat man das nicht schon längst getan, warum begräbt man mich hier lebendig und läßt mich schon fast eine Woche im unklaren über mein Schicksal?"
„Er scheint wirklich zu glauben, der Senat und der geheime Gerichtshof für politische Verbrecher in St. Petersburg hätten sonst garnichts wichtigeres zu tun, als einem Juden aus Weißrußland den Prozeß zu machen. Möglich, daß es ihm damit eilt, den Herren pressiert es eben garnicht, und wenn er gescheit wäre, würde er's auch so machen- er kann noch früh genug am Galgen baumeln. Sonst hat er keinen Wunsch?"
Der Raw antwortete ohne den Blick zu erheben durch zwei Tränen, die ihm diese Roheit ausgepreßt hatte. Er kämpfte mit sich selbst, ob er diesen Menschen um die Erlaubnis zu schreiben bitten solle. Aber der Kampf dauerte nur wenige Sekunden.
„Darf ich um Papier und Tinte bitten, damit ich das Ergebnis meiner Studien hier niederschreiben kann? Das wäre mir eine große Erleichterung meiner Lage."
Diese Bitte machte auf den Obersten einen ungewöhnlich tiefen Eindruck. Dieser Mann, dem er soebm seine demnächsttge Hinrichtung
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