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sonst gar keine Folgen hätte, als daß ich Sie, Herr Oberst, dem Judentum erhalten habe, so wäre damit mein Leid, und das meiner Familie, sowie vieler Tausende von Genossen, reichlich ausgewogen. Wen Gott zum Boten einer solchen Handlung macht, der darf auch fernerhin auf seinen Beistand hoffen, und für diese Hoffnung, die Sie, Herr Oberst, bei mir neu belebt haben, sage ich Ihnen tiefempfundenen Dank."
„Ihr beglückt mich, Rabbi, daß Ihr in mir ein Werkzeug Gottes erblickt, das Euch wieder frischen Mut und neue Hoffnung belebt. Aber ich halte mich doch verpflichtet, Euch zu warnen vor trügerischen Hoffnungen. Ich bin nicht Mitglied -es Gerichtshofes, vor dem Ihr Euch zu verantworten haben werdet und weiß auch nicht, weshalb Ihr angeklagt seid. Aber ich war in den jüngsten vierundzwanzig Stunden bemüht, etwas darüber zu erfahren, ohne daß es mir gelungen ist. An der ungewöhnlichen Geheimhaltung Eures Prozesses sehe ich, daß es sich um ein schweres Verbrechen des Hochverrats oder dergleichen handeln muß. Nur das konnte ich erfahren, daß der Kaiser in höchstetgenerPerson sich für Euren Prozeß interessiert und daß Ihr möglicherweise auf seine eigene Veranlassung hin gefänglich eingezogen worden seid. Wenn der Kaiser durch falsche Denunziationen gegen Euch eingenommen ist, so sind die Richter, ohne es zu wissen und zu wollen, zu eueren Ungunsten beeinflußt. In Euerer Freisprechung läge dann eine Bloßstellung