141
„Durch die Erschwerungen, mit welchen das Staatsgesetz das Erwerbsleben seiner jüdischen Untertanen hemmt, find die Juden mehr wie andere Konfessionen genötigt, die wenigen Erwerbszweige auszunutzen, die man ihnen belassen hat. Oberflächlichen Beurteiler» mag diese dringend gebotene Hingebung, mit welcher die Juden alle Kräfte anspannen müssen, um ein kärgliches Dasein zu fristen, als geldgieriger Schachergeist erscheinen. Es ist dies eines der vielen Vorurteile, unter welchen wir zu leiden haben.
Aber die Kenntnis unseres Religtonsgesetzes, diese Lebensseele des jüdischen Volkskörpers, wird am sichersten dazu führen, dieses Vorurteil als solches erkennen zu lassen. Sollte dieses meinem Unterrichte gelingen, so wäre das ein Erfolg, der jede sonstige Bezahlung reichlich aufwtegen würde."
„Können wir heute schon mit dem Unterricht beginnen?"
Als Liefler diese Frage bejahte, ersuchte ihn der Oberst, sich heute Abend acht Uhr bei ihm einzufinden, worauf er in huldvollster Weise entlasten wurde. Er bestieg seinen vor dem Portal des Hauses wartenden Wagen und fuhr davon, jedoch nur bis zur nächsten Straßenecke, an der er den Wagen halten ließ. Von dort beobachtete er das Haus des Obersten, ohne daß er selbst gesehen werden konnte. Nach kaum einer halben Stunde fuhr der Wagen des Oberst vor, dieser stieg ein und fuhr davon. Liefler gab seinem Kutscher den Auftrag, dem Wagendes