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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
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mit gleicher Liebe umfaßte und darum auch geblutet haben wird, als der Befehl zum Kampf am 18. März ertheilt werden mußte. Aber doch hätte alle Sanftmuth und Milde dem Monarchen nie dazu bewegen können, ſeiner König­lichen Würde auch nur den geringſten Abbruch zu thun; er wahrte ſie ſtets mit peinlichſter Gewiſſenhaftigkeit. .Denn in Preußen muß der König regieren, und Ich regiere nicht, weil es alſo Mein Wohlgefallen iſt, Gott weiß es! ſondern weil es Gottes Ordnung iſt; darum aber will Ich auch regieren. Dieſe Worte, die König Friedrich Wilhelm IV. am 6. Februar 1850 an die im Ritterſaale des Königlichen Schloſſes in Berlin ver­ſammelten Kammern richtete, find es wohl werth, der Vergeſſenheit entriſſen zu werden; ſie beweiſen beſſer als alles Uebrige, wie der ſchwer geprüfte Monarch über die Würde eines Königs von Gottes Gnaden dachte. Und ſolche Anſchauungsweiſe machte es ihm dann auch nicht ſchwer, mit Ernſt gegen einen Theil ſeiner Unterthanen einſchreiten zu laſſen, der ſich, wenn auch verführt durch Ränke und Künſte aller Art, doch erdreiſtet hatte, die Königlichen Prärogative antaſten zu wollen. Es iſt That­ſache, daß der König entſchloſſen geweſen iſt, den einmal begonnenen Kampf auch auszukämpfen und erſt zu enden nach völliger Niederwerfung des Aufſtandes. Es dunkelte be­reits; doch konnte man noch deutlich genug vom Schloß aus die Phaſen des Kampfes auf den nächſt gelegenen Straßen erkennen, als von neuem eine ſtädtiſche Deputation vor dem Könige erſchien, um von ihm die Einſtellung des Kampfes zu erbitten. Man wollte ſich, falls dieſe Bitte Gehör fände, für die ſchleunigſte Wiederherſtellung von 5*