Vorwort
Der Inhalt des Judentums von dessen frühester Zeit bis auf die Gegenwart ist von Vielen zum Gegenstand der Forschung gemacht worden; in einer überaus großen Anzahl von Schriften und Abhandlungen wurde er in seiner Gesamtheit oder in einzelnen Zweigen dargestellt.
In der fast unübersehbaren Literatur ist bisher durchgehends die berichtende Methode angewendet worden. Die Ergebnisse der Forschung sind da inhaltlich zusammengefaßt und mit bloßen Hinweisen auf die Quellen belegt. Wenn auch damit dem Leser die Möglichkeit geboten wird, selbst nachzuprüfen, so besteht doch das Wesen derartiger Darstellungen darin, daß sie über das Judentum berichten und nicht dessen Lehren in ihrer eigenen Sprache sprechen lassen. Bei aller Sachlichkeit, deren sich die Forscher befleißigt haben mögen, konnte es nicht ausbleiben, daß sie die Dinge von ihrem Gesichtspunkt aus sahen und bewerteten. In der Art der Wiedergabe der Aussprüche aus dem jüdischen Schrifttum ist oft bereits ein Urteil enthalten, und der behandelte Gegenstand erhält dadurch eine Färbung, die das Urteil des Lesers nach der einen oder andern Seite beeinflußt.
In dem Werk, dessen erster Teil hier der Öffentlichkeit übergeben wird, kommt eine andere Methode zur Anwendung. Die Lehre des Judentums in ihren Grundsätzen und in ihrer mannigfaltigen Anwendung im Leben spricht in ihrer eigenen Sprache. Was das Judentum lehrt und w i e es lehrt, geht aus dieser Darstellung hervor. Die kurzen Einleitungen, die den einzelnen Abschnitten vorangehn, sind lediglich Zusammenfassungen der Grundgedanken der im Text angeführten Sätze, oder sie geben Aufschluß über die geschichtliche Entwicklung, die manche religiöse Vorstellung im Judentum erfahren hat, und über Meinungsverschiedenheiten, wo solche bestanden haben. —
Der vorliegende erste Teil des Werks enthält die „Grundlagen der jüdischen Ethik.“
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