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Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
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Noch andere Seen sind durch die ausnagende Tätigkeit der Eisschmelzwasser teils unter dem Eisrande, teils vor dem­selben gebildet worden. Es sind dies die meist schmalen 3. Rinnenseen, die sich oft in langen Ketten aneinander schließen und an den Ufern zuweilen deutliche Abschnitts­profile zeigen. Da diese Rinnenseen oft durch Schwellen von­einander getrennt sind, so muß für ihre Entstehung ange­nommen werden, daß sie durch subglaziale, unter dem Eise strömende Schmelzwasser ausgeschürft wurden, denn nur das in geschlossenen Kanälen strömende Wasser kann seinen Boden ungleichmäßig erodieren. Treffliche Beispiele für der­artige Seen bilden die Seenketten des Grunewalds und des Gamengrundes. Der schmale im Vorlande der Endmoräne liegende Werbellinsee bei Joachimstal , der eine Tiefe bis zu 50 m besitzt, stellt die Abflußrinne der ehemals hinter der Endmoräne beim Rückzug des Eises angestauten Schmelz­wasser dar. Sein Spiegel liegt 22 m tiefer als der flache, nur 5-6 m tiefe hinter der Endmoräne gelegene Grimnitz­see, der den übrig gebliebenen Rest eines großen Stausees dar­stellt. Derartige flache Stauseen kommen vielfach in End­moränengebieten vor. Wir finden aber auch in den von Endmoränenbogen umschlossenen Gebieten häufig Seebecken, die zu tief sind, um lediglich als Endmoränenstauseen auf­gefaßt werden zu können. Der ursprünglichen Anlage nach gehören sie meist zu den Grundmoränenseen. In manchen Fällen kann ihre Entstehung vielleicht auch der ausräumen­den Tätigkeit des Inlandeises zugeschrieben werden, wenn sie nämlich den Mittelpunkt einer zentralen Depression bil­den. Die Rinnenseen haben meist eine parallele, in großen Zügen radial nach Süd gerichtete Anordnung und gewähren gleichfalls einen Anhalt, um die Strömungsrichtung des In­Wahnschaffe, Die Eiszeit in Norddeutschland.

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