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Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
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Westpreußen findet sich eine interglaziale marine Fauna, die auf ein salzigeres Wasser hinweist, als die heutige Ostsee hat, aber vielfach auf zweiter und dritter Lagerstätte vor­kommt.

Sehr interessant sind auch die tektonischen Schichtenstörungen der letzten Interglazialzeit auf der Insel Rügen , die allerdings wiederholt für glaziale gehalten wurden. An der Steilküste der Halbinsel Jasmund ist zu beobachten, wie liegende Kreideschollen und das ihnen konkor­dant auflagernde ältere Diluvium( zwei Geschiebemergelbänke mit trennenden geschichteten Bildungen) durch Dislokationen an nordwestlich streichenden und südwestlich einfallenden Klüften von hangenden Kreideschollen überschoben worden sind. Aus dem Umstand, daß die Grundmoräne der letzten Vereisung diese Störungen diskordant abschneidet, muß ge­folgert werden, daß sie durch interglaziale Krustenbewegungen im Ostseebecken hervorgerufen worden sind.

Als

Im Untergrunde Berlins und seiner näheren Umgebung ist durch mehrfache Bohrungen unter der Grundmoräne der vorletzten Vereisung eine Bank mit der jetzt bei uns aus­gestorbenen Deckelschnecke Paludina diluviana nach­gewiesen und früher für präglazial gehalten worden. Begleiter derselben fanden sich Lithoglyphus naticoides, Bythinia tentaculata, Valvata naticina, Neritina fluviatilis, Unio, Pisidium amnicum und Pisidium pusillum. Während sonst unter der Paludinenbank nordische Sande und Kiese auftreten, ist später bei Rüdersdorf noch eine dritte Grund­moräne darunter aufgefunden, wodurch die Paludinenbank in ein interglaziales Niveau rückte, das wir als Interglazial I bezeichnen. Die Paludina diluviana galt früher für völlig ausgestorben, sie wurde aber durch M. Neumayr in der