Druckschrift 
Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen

Mesel

44

-

Einen Beweis für die gewaltige Aufarbeitung der an der Oberfläche liegenden Diluvialschichten bilden die sogenannten Kantengeschiebe oder Dreikanter, die durch den vom Winde getriebenen Sand geschliffen sind und in manchen Gegenden geradezu ein Pflaster an der Basis des Löẞ bilden. Die Ent­scheidung der Frage, ob die Hauptmasse des norddeutschen Randlöß dem Ende der letzten Interglazialzeit oder dem Rückzuge der letzten Vereisung und der Spätglazialzeit an­gehört, muß noch weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben; gegenwärtig neigen viele Forscher der letzteren An­sicht zu. Die Fauna des Löß weist auf ein verhältnismäßig kaltes Klima hin. Als Leitfossilien kann man Pupa mus­corum, Helix hispida und Succinea oblonga anführen, ob­wohl diese nicht in allen Löẞgebieten vorkommen.

Durch die Funde menschlicher Knochenreste und der durch den Menschen aus Stein hergestellten Werkzeuge ( Artefakte) ist mit Sicherheit festgestellt worden, daß der Mensch ein Zeitgenosse der Eiszeit war. Man bezeichnet diese Periode des Menschengeschlechtes als paläolithische Zeit oder ältere Steinzeit. Die ihr angehörigen rohen Stein­werkzeuge sind durch Schlagen mit anderen Steinen aus Feuer­steinen, Hornsteinen usw. hergestellt und unterscheiden sich durch ihre noch unvollkommene Form von den neolithischen Steingeräten, die viel sorgfältiger behauen und z. T. geschliffen sind. Der paläolitische Mensch konnte natürlich nicht in Norddeutschland leben, so lange es vollständig mit Inlandeis bedeckt war. Er siedelte sich damals in den eisfreien Ge­bieten Nordfrankreichs, Belgiens und Mitteldeutschlands an, WO er z. T. die Höhlen bewohnte. Während der letzten warmen Interglazialzeit, als sich das Eis vollständig aus Norddeutschland zurückzog und eine auf ein gemäßigtes