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Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
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als Relikt in einem westpreußischen Torfmoore aufgefunden worden ist. Nach der zuerst genannten Pflanze wird diese Periode die Dryaszeit genannt. Es trat darauf eine all­mähliche Hebung des westlichen Ostseegebietes ein, sodaẞ die Ostsee von der Nordsee abgeschnitten und nach und nach ausgesüẞt wurde. Südschweden hing während dieser Zeit über die dänischen Inseln hinüber mit Norddeutschland zusammen. Nach der in dem Süßwassersee lebenden kleinen Schnecke Ancylus heißt dieser Abschnitt der Postglazialzeit die 2 Ancyluszeit. In ihr lag Holstein, Mecklenburg und Pom­ mern höher als gegenwärtig. Es breiteten sich auf dem norddeutschen Festlande mit der Verbesserung des Klimas namentlich die Birke und Kiefer aus, und in den Seen und Flußtälern entstanden Torfmoore und Wiesenmergel. Die tiefsten Teile dieser älteren Moore enthalten noch Rentier­reste, außerdem kommen Reste vom Riesenhirsch, Urstier 3, und Elch darin vor. Nach dieser Landhebung trat wiederum eine Senkung ein, die diesmal auch die norddeutsche Küste betraf, sodaß einige der soeben erwähnten küstennahen Torf­moore unter das Meeresniveau gelangten und noch gegen­wärtig submarine Torfbänke darstellen. Durch Tieferlegung des Sundes und der beiden Belte konnte ein breiter Salz­wasserstrom aus der Nordsee in die Ostsee eindringen und dadurch eine weitere Verbreitung der marinen Schnecke Litorina litorea ermöglichen; in Schweden hat man diese Periode als Litorinazeit bezeichnet. Das Klima soll in dieser Zeit sehr feucht und warm gewesen sein. Die nach 4. der Litorinazeit einsetzende Hebung des Ostseegebietes hatte Verminderung des Salzgehaltes der Ostsee zur Folge und ver­ringerte das Ausbreitungsgebiet der Auster und Litorina.