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Sonderheft 5, Theodor Fontane: Unveröffentlichte und unbekannte Gedichte Toaste und Verse 1838 bis 1896
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Wohl ist es wahr, längst hat Roquette (Er wollt was Neues haben)

Mit Ritomellen debütiert Und Hendekasyllaben*.

Wohl ist es wahr, der Chevalier,

Die Hörer zu erschüttern,

Stieg öfters mit des Goethes Faust Hernieder zu den Müttern.

Wohl ist es wahr, der arme Noel Mit seinem armen Jambus,

Es ist als klopft er Decken aus.

Mit einem langen Bambus.

Wohl ist es wahr, wohl ist es schlimm, Doch wär es noch viel schlimmer,

Der Toast regiert nun 'mal die Welt, Zumal in diesem Zimmer.

Und schwellten unsre Mappen an Wie die des alten Lucä,

Die Nachwelt kann sie lesen ja In partibus, in nuce.

Und will die Nachwelt lesen nicht, Weil sie will selber schreiben,

:Nur darum keine Feindschaft nicht So läßt sies eben bleiben.

Wir sagen täglich guten Tag Und täglich guten Morgen,

Und daß wirs tausendmal gesagt,

Es macht uns keine Sorgen.

Das eben, was ein jeder kennt,

Das gibt die besten Lieder,

Hoch Immermann, hoch Immerfrau,

So klings es immer wieder.

* s. Erläuterung S. 64, Abs. 30

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