Teil eines Werkes 
Grad-Abtheilung 45, Blatt 33 [Neue Nr. 3548] (1922) Rüdersdorf / Unter benutzung der Eck'schen und Orth'schen Aufnahmen im N. O.-Viertel geognostisch und agronomisch aufgenommen und revidirt durch F. Wahnschaffe und E. Zimmermann
Entstehung
Seite
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14 Blatt Rüdersdorf

Der Obere Geschiebemergel(m)

besitzt eine durchschnittliche Mächtigkeit von 56 m vnd bildet an­sehnliche, landwirtschaftlich wertvolle Flächen auf der nördlichen Blatt­hälfte. In besonderen Fällen kann seine Dicke bis zu 16 m anschwellen;; vielfach verschwächt er sich indessen auf 23 m und. läuft schließ­lich über Sand aus a. Oberflächlich ist er gewöhnlich sandig, von lehmigem Sand bedeckt und in kalkfreien Geschiebelehm umgewan­delt, unter dem man in alter Zeit den frischen, etwa 10-prozentigen Geschiebemergel zur Bodenmelioration in»Mergelgruben« herausholte. Beim Bau der Landstraße nördlich von Berghof fand man 1911 im Geschiebemergel viele Muschelkalkgeschiebe, die eine Bewegung des letzten Inlandeises von Osten nach Westen anzeigen; vermutlich war das nur die letzte Regung des schwach gewordenen und von der Kalk­klippe abgelenkten HEises.

An die reinen Geschiebelehmflächen schließen sich solche mit auf­

gelagerten Sanddecken(£) an, die ihrerseits oft in mächtige Ge­

schiebesande übergehen.

Der Obere Geschiebesand(»Decksand«)(9s)

Der Obere Geschiebesand ist gewissermaßen die sandige Abart der Grundmoräne; er ist oft unmittelbar aus dieser durch Entfernung der Tonteilchen bei der Ablagerung in Gegenwart starker Schmelz­wässer entstanden. Noch öfter scheint er sich durch Anschwemmungen oberflächlicher Schmelzgewässer auf dem tauenden HEise gebildet zu haben. Dort, wo Geschiebemergel sich auskeilt, vereinigen sich oft über- und unterliegende Sanddecken zu mächtigen, in sich nicht mehr

teilbaren Massen; sie sind auf der Karte als es bezeichnet. Vom'"Tal­sand unterscheidet sich der Obere Geschiebesand durch seine Geschiebe­führung und seine meistens unebene Oberfläche.

Wallberge(Oser)

An einer Stelle zeigt der Obere Sand eine besondere Ablagerungs­form, nämlich diejenige eines breiten, mächtigen Walles. Derselbe

erstreckt sich von der Mündung des Mühlenfließes in den Kalksee bis­

zum Bauersee. Der nördliche Teil dieses Walles ist durch mehrere große Sandgruben geöffnet, in denen man sieht, daß geschichteter Sand und hie und da auch feiner Kies den Hauptinhalt des Walles bilden. Man nennt solche Wallberge mit einem skandinavischen Fach­ausdruck»Oser« und erklärt sie als Schwemmsandfüllungen in Kis­tunneln, deren Wandungen weggeschmolzen sind., Sie liegen gern an Fluß- oder Seerinnen, deren Entstehung eine spätere und stärkere ‚Wirkung(derselben Schmelzgewässer offenbart, die anfangs im His­tunnel, später in offener HEislücke seitwärts desselben einherströmten. Eine. verlassene schmale Schmelzwasserrinne begleitet unsern Os auf seiner Westseite. 1

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