Blatt Ruhland:
Die Entstehung unserer‘Braunkohlenbildungen hat sich nach Keilhack etwa. in folgender Weise vollzogen:
Im Gebiete der heutigen Nieder- und eines Teiles der Oberlausitz lag zu Beginn der Miocänzeit, nachdem das oligocäne Meer, dessen Südufer über die Blätter Alt-Döbern ’ und Göllnitz verlief, verschwunden war, ein riesiger Südwassersee von etwa 100 m. Tiefe, dessen Südufer an die festen Gesteine der Lausitz sich anlehnte. Dieser See dehnte sich nach Westen über Liebenwerda, nach Osten über Uhyst und nach Norden über Cottbus und Lübbenau hinaus aus; in ihn mündeten Flüsse von Süden ‚her ein, welche die Verwitterungsprodukte des Lausitzer Granit- und Grauwackengebirges anfangs in Form von mehr oder weniger reinem Kaolin, später‘ in Gestalt von feinen, grauen. Glimmersanden in das Becken hineinführten, darin ablagerten und es so allmählich ausfüllten.- Als die flacheren Teile im. Süden landfest geworden waren, häufte der Wind die grauen Glimmersande zu Dünen auf, wobei die Glimmerblättchen‘ größtenteils ausgeblasen. und weit fortgeweht wurden. Diese fast glimmerfreien Quarzsande kennen wir heute als Glassande; dann entwickelte sich auf der Oberfläche des immer mehr verschwindenden Sees ein mächtiges Torfmoor, während dessen viele Jahrzehntausende umfassender Lebensdauer eine Anzahl von Waldgenerationen seine Oberfläche bedeckten. Aus diesem Torfmoor entwickelte sich das heutige Unterflöz(erster Zyklus). Seine Fortentwickelung wurde unterbrochen durch eine erneute Senkung im Betrage von 50—60 m, durch die abermals ein allerdings erheblich kleinerer Südwassersee erzeugt wurde, welcher sich von Spremberg bis in die Gegend von Lauchhammer von Osten nach Westen undetwa von Hohenbocka bis Gr.-Räschen oder Alt-Döbern von Süden. nach Norden ausdehnte. In diesem neuen Becken wiederholte sich der Vorgang der Ausfüllung-durch Kohlenletten, dann durch feine Glimmersande, bis auch dieser See verschwunden war. In der Endphase kam es auch hier gelegentlich, so bei den Hörlitzer Weinbergen, zu untergeordneter Dünenbildung und Glassanderzeugung. Aber schon begann die Entstehung eines neuen Torfmoores, welches erheblich länger lebte als das erste, viel. größere Mächtigkeit erlangte, im Laufe seiner Entwicklung achtmal von Wäldern bedeckt war, die jedesmal ein Alter von 3000 bis 4000 Jahren erreichten, und aus welchen. das heutige mächtige Oberflöz hervorging(zweiter Zyklus).
Erneute Senkung brachte dieses riesige. Torfmoor abermals unter den Wasserspiegel und zerstörte seine lebende Pflanzendecke. Nun begann ein dritter Prozeß von Ablagerungsvorgängen mannigfachster Art. Aus. der Beschaffenheit der über dem Oberflöz auftretenden Gesteine. kann man schließen, daß das Land Flüsse mit schwachem Gefälle durchflossen, die in ihrem Laufe Sande und Kiese, in ihren Ueberschwemmungsgebieten weiße, ungeschichtete Tone und in Altwässern und kleinen Talseen geschichtete, an Pflanzenresten reiche, graue. und violette Schiefertone absetzten. Auf diese Weise wurde über dem Oberflöz noch einmal eine etwa 30—40 m mächtige Schich