Teil eines Werkes 
1983 = [Neue Nr. 3653] (1929) Frankfurt a.d. Oder / geolog. und agronom. bearb. durch K. Keilhack ...
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Die geologischen Verhältnisse des Blattes 17

nordwestlich von Kliestow , östlich von dem ehemaligen Chausseehause beobachtet. Dagegen ist der jüngste Ton-Horizont, derjenige der glazialen Zwischenschichten über dem älteren Geschiebemergel, im Sternberger Lande weit verbreitet, und zwar vom Kuhgrund bei Kunersdorf bis zum Kleistturm und dann wieder von derStadt Berlin bis nach Schwetig. Er tritt hier als ein schmales, nur bei Marienheim sich etwas verbreiterndes Band am Gehänge zu. Tage und findet sich fast überall vergesellschaftet mit feinkörnigen Sanden, die wir als Mergelsande(dms) bezeichnen. Wir verstehen darunter einen außerordentlich feinkörnigen, eine mehlige Be­schaffenheit besitzenden Sand, der die Fähigkeit hat, steile Wände zu bilden, aber sich zwischen den Fingern mit Leichtigkeit zu einem losen Staub zerreiben läßt, und infolge der sehr geringen Mengen toniger Teile der Eigenschaft der Plastizität vollständig entbehrt. Die Verbreitung dieses Mergelsandes im Bereich unseres Blattes ist sehr eigentümlich. Er begegnet uns in Meereshöhen zwischen 40 und 50 m und bildet ein Band, das bald breiter, bald schmaler den Plateaurand umsäumt, aber da fehlt, wo der ältere Geschiebemergel mit seiner oberen Kante sich höher als 50 m hoch erhebt, also im südlichen Teil der Westhälite unseres Blattes. Auf der Ostseite dagegen erstreckt sich die Verbreitung dieses Mergelsandes bis zum Südrand des Blattes bei Schwetig, und besonders südlich vom Gasthof Zur Stadt Berlin tritt er beiderseits der Posener Eisenbahn in größeren Flächen zu Tage. Auch in die Seitentäler zieht sich der Mergelsand hinein und wurde in großer Ausdehnung zu beiden Seiten des bei der Großen Mühle mündenden Tälchens des Hühnerfließes beobachtet.

Ein guter Aufschluß im kalkreichen Mergelsand ist gegenwärtig un­mittelbar nördlich der Bäcker-Mühle zwischen Kunersdorf und Trettin zu beobachten.

Die große Gleichförmigkeit in der Höhenlage der Oberkante, die feine horizontale Schichtung und die Gleichmäßigkeit in der Korngröße machen es wahrscheinlich, daß diese Mergelsande in einem ausgedehnten, von langsam fließendem Wasser durchströmten Becken zum Absatz gelangten. Dieses Becken muß mit einem schmalen Zipfel bis etwas südlich von Frankfurt gereicht haben, sich nach O hin ein Stück in das Warthetal hineingezogen und im N noch über Seelow hinausgereicht haben. Die Hochfläche südlich von Frankfurt scheint in dieser Zeit von Wasserbe­deckung frei gewesen zu sein, und ebenso scheint aus diesem großen See eine Insel herausgeragt zu haben, deren größter Teil von der Nordspitze des Reitweiner Spornes gebildet wurde.

Der Mergelsand besteht überwiegend aus staubfeinem Quarzmehl, mit dem ein sehr beträchtlicher, bis zu 25%. ansteigender Gehalt von ebenfalls staubfeinem kohlensaurem Kalk auf das innigste gemengt ist. Stellenweise sind diese Mergelsande mit zwar immer noch sehr feinkörnigen, aber zur Bildung steiler Wände nicht mehr geeigneten kalkarmen Quarzsanden ver­knüpft. Diese Mergelsande stehen im östlichen Plateau mit Tonmergeln in Verbindung, gehen in diese über oder werden von ihnen unter- oder überlagert.

Die nächst gröberen Bildungen des geschichteten Diluviums unter dem jüngsten Geschiebemergel sind die Diluvial-Sande ös und ds, die, wie Blatt Frankfurt a, O, 2