Oberflächengestalt und geologischer Bau des weiteren Gebietes 7
des Eises bis zum Grunde durchgingen. Dem Rückzuge des Eises folgte jedesmal eine wärmere Klimaperiode. Das Land überzog sich mit einer Vegetationsdecke, und in den Gewässern spielte sich wie, heute, ein reges Leben ab. Diese Zeit wird als Interglazial bezeichnet. Durch das wieder vordringende Eis wurde die Vegetationsdecke größtenteils vernichtet und nur an wenigen günstig gelegenen Stellen blieb sie unter der neuen Überlagerung von Moränenmaterial erhalten. So ist es verständlich, daß die Gliederung des Diluviums selbst in genau untersuchten Bohrungen in den meisten Fällen nicht durchführbar ist, weil eben an den meisten Stellen die Interglazialbildungen zerstört wurden(F. KAUNHOWEN& J. STOLLER, 1926).
Nach dem letzten Rückzuge hinterließ das Eis eine Landschaft von Moränenanhäufungen, Rinnen, Sandflächen und Tonbecken, die durch Auswaschung, Abtragung oder Umlagerung ‚der Gesteine nur wenig verändert ist. Die Geländeformen sind frisch, die Gesteine haben noch bis dicht unter der Erdoberfläche ihren Kalkgehalt bewahrt. Die Ufer der Seen und der.Rinnentäler fallen steil ab. Kurz, die Landschaftsformen sind noch nicht durch lang anhaltende Erosion und Auffüllung ausgeglichen worden(P. WoLDSTEDT, 1935b). Die im Bereich des Grundwassers liegenden Niederungen wurden mit alluvialen Bildungen, hauptsächlich mit Moor erfüllt. Die Seen„verlandeten‘ von ihren Uferrändern aus durch die immer weiter seewärts vordringende Vegetation. In geringem Maße wurden Abschlämmassen von den Höhen in die Täler gespült.
In Berlin und in der weiteren Umgebung stehen fast ausnahmslos die lockeren Bildungen des Diluviums und in geringem Umfange des Alluviums an. Nur bei Sperenberg und bei Rüdersdorf ragen das alte Gebirge und an einigen anderen Stellen die Schichten des Tertiärs unter dem Diluvium hervor.
Die oberflächlichen diluvialen Ablagerungen unseres Gebietes gehören der dritten Vereisung, d. h. der Weichseleiszeit an. Durch verschiedene Rückzugstadien ist das Gebiet der Weichseleiszeit, das sich vom Baruther Urstromtale bis zur Ostsee erstreckt, in drei Abschnitte zu gliedern(P. WoLDSTEDT, 1935a):
1. in das Brandenburger Stadium, 2. in das Frankfurter Stadium und 3. in das Pommersche Stadium.
Die äußere Grenze der Weichsel-Vereisung, die Eisrandlage des Brandenburger Stadiums, zieht sich von Guben über Brandenburg nach Havelberg. Nur teilweise sind hier eigentliche Wallmoränen zu erkennen, aber in diesem Zuge liegen die Ansatzpunkte vieler Sanderkegel, die von diesem Gebiete in das südliche Vorland vorgeschüttet wurden. Der Abflußweg dieser Eisrandlage geht durch das Glogau—Baruther Urstromtal nach W von Sommer