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Vorrang als Zweifüßler voraus haben.
Umsomehr überraschte mich der Sinn
für Höheres, den ich bei dieser niederen Volksklasse antras. Ta >var (Liner, der rothe Jossel, der mir eine Erklärung über das Wesen der Prophetie vortrug, die er von seinem Rebbe beim Sabbathtisch gehört hatte:
Der Talmud bemerkt zu Chrom Il, 32, 24: Als der völlig Josia die Strafandrohung der Tocbeclm in der Thora hörte, da schickte er zu der Prophetin Hulda, um von ihr Bescheid zu erhalten. Warum, fragt der Talmud, schickte er mcht zu ihrem Zeitgenossen Jereuna, der als Prophet einen höheren Rang entnahm, als die Frau 2 Die Antwort ist: weil die Frauen ein erbarmungsvolleres Gemüth haben. Der Rebbe stellte nun die Frage: Was kann das Gemiilh des Propheten an dem ihm mitgerheilten göttlichen Rathsschlusse ändern? Tie Antwort lautet: Die Prophetie kommt bei den Propheten nicht in der klaren Form zum Ausdruck, wie bei Moses. Sie kommt aus einer für den Propheten unerreichbaren Höhe, als Lcbeta, ein feiner Strom der Weltleituug, welcher eck m der Seele des Propheten in Formen und Worte umgebildet wird. Der Prophet hat daher noch eine gewisse Macht, in denselben Milde oder Strenge verwalten zu lassen. Deshalb kommt es aus den Charakter des Propheten an, und darum fürchtete der König die Strenge Jeremia's und hoffte auf die Mille Hulda's. Daß diese Ansicht schon zu Jeremia's Zeiten in Volkskreisen verbreitet war, beweisen dre vielfachen Vorwürfe, welche dem Propheten Jeremia von seinen Zeitgenossen gemacht wurden, die ihn persönlich für die Weissagungen und deren Folgen verantwortlich machten. Es ist kaum anzunehmen, daß dieser Jdeengaiig zu Zeiren des so geistreichen Zbn Esm ein derartiges Perstündniü selbst in höheren Kreisen gefunden haben würde.
Einer niemer Rachbarn, ein blutarmer Dorfsmanu, theilte mir eine Erklärung emer Talmudstelle mit, die er von dein berühmten R. Meir Pre- A^laner gehört hatte, ^-er -almud berichtet in Berachoth IV: Der Patriarch R Gamliel hatte ausrufen lassen: Wer nicht wcbo llebaro (1^22 Idllck ^ im''^ 4 ^ ^Vn^^^E^lgkeit nicht seiner äußeren, zur Schau getragenen entspricht, der soll das Bethcumdrasch nicht betreten. Als R Gamliel wegen seiner Strenge abgesetzt wurde, hob sein Nachfolger R. Eleasar Leu Asaria lebe Beschränkung auß soöaßllOO oder 800 Hörer zukameu. Als N. Gamliel U ÄH sank sem Muth. Vielleicht agte er, habe ich durch meine Strenge das Volk uu Thorastudium unrechtinaßiger Weise gestört. Darauf zeigte
Kruge, die aber inweiidig anstatt Niit Wein sstK Ätsche gefüllt waren. Dazu bemerkt der Talmud' Es wav Mi,,,- ln Wirk-
""r gezeigt, uni ihn zu beruhigen Der Rebbe fragt nun: Zeigt man also Unwahrheiten (Ein.mRS Und
die Antwort ist folgende: R. Gamliel hatte sein Verbot erlassen '^PoMten, die in s Herz schauen, hatte er nicht. Er mußte es. also dein ErnEm des E nlelnen überlasten, sich selbst auf seine innere und äußere Gleichwerthicikeit m prüfen. Da gab es nun zwei Klassen. Die Mtttelmäßigeii Lerechiieteii die Licht- und Schatten-
sich unwürdig und blieben weg, um erst bei Aufhebim .1 V?- r i s v -in-
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