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Der Chaßidismus : eine kulturgeschichtliche Studie / von Verus
Entstehung
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^urch die Thatsache des Traumgesichtes, beeinflussen, es umgekehrt auf die Wieder­eingetretenen auszulegen. Das ist denn doch eine anders geartete geistige Athmo- Isphäre als die der Reden, die bei dem hundertjährigen Jubiläum einer Köchin sgehalten werden.

Otmetmni uäik nn nnln 22N).

Der Talmud sagt an der citirten Stelle (Baba batra 12): Der Weise nimmt einen höheren Rang ein als der Prophet. In diesem Lapidarsatze sind zwei Weltanschauungen, die exoterifche und esoterische (Ivlallik und I'lünü), einander entgegengestellt und abgewogen, die nach der Ansicht der jüdischen Psychologie aus zwei einander entgegengesetzten Regionen des Seelenlebens entspringen. Es sind aber die Aeußerungen der Seelenthätigkeit nicht direkt wahrnehmbar, sondern an parallele physische, verschieden geartete Organisationen gebunden. Die Kabbala weist den ver­schiedenen Arten der Geistesthätigkeit verschiedene Gehirnkammern (zusammen 32) an. ,Die Gall'sche Phrenologie ist ebenso wie Lavater's Physiognomik aus dem Sohar gestohlen. Zuerst bewundert, dann verschollen, bricht sich die erstere wenigstens in der neuesten' Zeit wieder Bahn und soll zur Abwechselung in der wissenschaftlichen Mode wieder einmal unter veränderter Aiquette zur Geltung gelangen. Die Unsicherheit der induktiven Suche, die jaltlos von einem Extrem ins andre schwankt, vom philosophischen Idealismus, der jede Bindung der Seele an einen physischen Parallelismus unbegreiflich findet, zum mechanischen Materialismus, der die Seele zu einer malayischeu Gebettrommel oder zu dem modernen Fetisch einer Rechenmaschine degradiren möchte, tritt hierbei in ihrer Hilflosigkeit recht deutlich zu Tage, trotz allen Flitterkrams chemischer und mathematischer Floskeln, durch welche das eigentliche Problem verhüllt wird, um nur etwas recht Verblüffendes zu Tage fördern zu können.

Wir beschränken uns darauf, die deduktiven Ansichten unserer Weisen ntzutheilen.

Der zweite Balschem, R. Israel Kozienicer (17401814), theilt in einen Noten zum Uilluniin S. 126 die Denkorgane, in Gedanken, Bildern, Aedächtniß 1'IIL'NQ), entsprechend den drei Kategorien !NQ2N,

PI, und konstatirt, daß über den Sitz des, Gedächtnisses zwei entgegengesetzte lnsichten vorhanden sind, die des Nachmanides (>'. ro) zu dem Gebote der Tefillin, elcher den Sitz des Gedächtnißorganes im Vorderhirn bestimmt, und' die des iteret ^clain: im Hinterhirn. Die erste Denkthätigkcit beginnt nach seiner lnsicht im Vorderhirn, dem Sitze der Phantasie: 1U2N N1!2 Nd'2. (Bilden nd Bauen als Synonyma zeigt das englische duilcl; in Wirklichkeit ist die hantasie die synthetische Kraft, welche die Empfindungen der Sinne zu einem ebäude vereinigt.)Das Gedächtuißorgan", sagt R. Israel,übernimmt nun ie Aufbewahrung der Produkte des bildenden Organes, und wenn der Mensch ich an etwas erinnern will, wird die Gedächtnißkammcr geöffnet, welche das betreffende wieder in die Bildnerkammer hinaufbefördert, in welche dann der (ab- trakte) Gedanke aus seiner höher liegenden Kammer hinabsteigi, um das Objekt zu malysiren." Dgs ist der exoterische Vorgang der Wahrnehmungen aus der lußeuwelt durch oie äußeren Sinne, im Gebiete des ^8, des Ich, dessen Bor- tellungen in Zeit und Raum vor sich gehen. Das Herz an sich ist der eigentliche Re- ulator der Zeitvorstellung, da seine Pulsschläge eine fortwährende Unterbrechung er Hirnthätigkeit zur Folge haben, eine Zerkleinerung der Gedanken bewirken, die eim Säuglinge so stark ist, daß wir den Herzschlag durch die Schädeldecke