71. Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mark Brandenburg. Ill Kap. In
wohner mehr uͤber die menge, als uͤber den mangel ſich zubeſchweren urſach gehabt.
2. Indeſſen iſt die anzahl des Wilds zu allen zeiten nicht gleich, und iſt ſtaͤrker oder ſchwaͤcher, nachdem dis witterung und jahrszeiten weniger oder mehr vortheilhaftig, oder die Landesherrſchafft mehr oder weniger luſt zur jagt gehabt, oder auch durch andere vorfallenheiten dazu veranlaſſet, oder daran verhindert worden. Anſehnliche beilager und andere feierlichkeiten haben das Wild ſo leicht vermindern, als die ſeltſamkeit derſelben und ſchonung ſelbiges vermehren können. Was die witterung vermoͤge, lehren die jahte, da die maſt gut oder ſchlecht gerahten; und zu unſern zeiten hat der groſſe Winter von 1740. durch langwierigen froſt u. ſchnee, und durch den wegen verſchloſſenen erdbodens folgenden groſſen hunger eine gar merkliche anzahl aufgerieben; derjenigen menge zugeſchweigen, welche der armuht zum beſten in eben dem jahr auf allergnaͤdigſtem befehl S.
K. M. in den Heiden hin und wieder gefaͤl
let worden. Die rechnung iſt hiernaͤhſt gar leicht zumachen, daß bei eben ſolchen witterungen, in borigen zeiten ehen ſolche niederlagen unter dem Wilde ſich werden zugetra
gen haben. Dem ohngeachtet aber fehlet es dar
an nicht: und ob wohl dann und wann bei ſolchen fällen die Wildbanen ziemlich leer werden: ſo pflegen ſie ſich doch gar hald wieder zuerholen.
3. Die vornemſte ahrten aber vom Wild ſein 1. Hirſche, welche wohl von ie her in ziemlicher anzahl, oftmahl auch ſo haůſig geweſen, daß der Landmann, der Das durch an ſeiner ſaat beträchtlichen ſchaden gelitten, bei der Landesherrſchafft mit bittſchriften eingekommen und den ſchaden, der fie auſſer ſtand ſetze die erfoderliche gaben abzutragen, vorgeſtellet, auch erhalten, daß ſelbige gefaͤllet worden; wie ſolches aus der
unterm dato 1693. 8 Aug. gemeingemach
ten, und in des Hrn. Geh. R. Mylii Corp. Conſt. March. Vol. Il. angefuͤhrten berordnung zuerſehen. Die menge iſt auch zu erſehen aus dem handel mit den in den heiden aufgeſuchten und an auswaͤrtige verkauften Stangen und Geweihen, welcher ſo ſtark geweſen, daß die Landesherrſchafft veranlaſſet worden, ſolches unbefugte gewerbe zu verbieten, wie hiervon exempel in dem angeführten Corp. Conſt. Vol. II. 1, 554. 556. zuerſehen. Wann auch bei 600, 800. ja bei 2000, wie A. 1718. geſchehen, konnen zuſammen getrieben werden, und oͤfters an die 3000 ſtuͤk ſich zuſammen gehalten, wie man bei Drewitz in der Neumark gefehen; der
gandmann auch fein feld umzauͤnen, heim
feuer mit geſchrei und trommeln und mit
hundebellen, nachtwache halten, und andere mittel zu abhaltung des Wildes gebrauchen mußen; und man ſie bor dem groſſen winter
in den heiden und auf dem felde zu hunderten
bei einander, auch wohl haufenweiſe in die Dörfer gehen ſehen: ſo iſt leicht zuerachten, daß fie in der gegend in nicht geringer au zahl ſein, und dem Landmann zu groſſer erleichterung gereichen muͤſſe, wann er dieſet koſtharen koſtgaͤnger los wird. Sonſt if) noch zweier vorfallenheiten zugedenken, welche wegen ihrer ſeltſamkeit wohl wehrt fein, daß ſie erneuert und auch hier der nachwelt übergeben werden..
Die erſte hat ſich zugetragen 1686, in welchem jahre als Churfuͤrſt Friedr. Wilh. glory. and. nebſt Dero Frau Gemahlin, Churfuͤrſtin Dorothea, hochſel. gedaͤchtnuͤß, Dero herbſtluſt im September bei Golze im Amte Lebus eine halbe meile von Kuͤſtrin genommen, und am 13. dieſes monats, montags nachmittags ihrer gewohnheit nach mit einander auf eis ner Chaiſe gefahren, iſt ihnen ein ſchöͤner
groſſer Hirſch hegegnet, welcher auf etwa
100 ſchritte zur linken ſeite des wagens alſa geſtanden, daß er die linke ſeite gegen demſelben über gehabt, mit dem kopf aber hon demſelben abgewandt geweſen. Nach demſelben hat die Churfuͤrſtin geſchoſſen, ſelbigen auch
ſo wohl getroffen, daß er zwar noch 3 bis 400
ſchritte nach dem Bruch fortgegangen, iedoch nur ſchritt vor ſchritt, ſo daß er von einer ſeite zur andern getaumelt, den linken vorderlauf geſchleypet, und bon der ſtelle an wo er geſchoſſen bis in den bruch ſtarl gr ſchweiſſet. Der Churfuͤrſtl. Buͤchſenſpaͤnner, namens Konrad, gehet auf befehl der Chut. fürſtin mit derofelben kleinen ſpuͤrhündgen dem ſchweiſſe nach his in den bruch, trifihn daſelbſt an ſtille ſtehen, nähert ſich id auf zo ſchritt, und ſchießt ihn oben durch den nakten. Well er aber noch nicht fallen wol len, ſndern ſtehen blieben, nähert er ſih in gar bis auf 6 ſchritte, und giebt ijm ze dritten ſchuß in den kopf bei dem linken 26. Der Hirſch fällt gleich darauf als todt. erden nieder, und lieget da ohne einiges be; rühren, läffet ſich auch ſolchergeſtalt an dem bruche herausſchleppen von obgeda 4 ten Churfuͤrſtlichen Buͤchſenſpaͤnner. rad, einem Heidereuter und dem ChurfiirſStallmeiſter v. Frvben, die indeſſen nachge h get bis an den wagen, welcher auch nachg hl. ren war. Beide ſuchen auf befehl der. ö Herrſchafft nach dem erſten ſchuß/ ſp Gar
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